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Scheinbar nichts schien Gulnara Karimowa bremsen zu können

Gulanara Karimowa sang, entwarf Mode und wurde bereits als Nachfolgerin von Usbekistans Präsident gehandelt. Doch dann wurde gegen sie ein Verfahren wegen Geldwäscherei eingeleitet.
Balz Bruppacher
Gulnara Karimowa (links) war unter anderem auch als Modeschöpferin tätig. (Bild: EPA/Sergei Ilnitsky)

Gulnara Karimowa (links) war unter anderem auch als Modeschöpferin tätig. (Bild: EPA/Sergei Ilnitsky)


Sie studierte in Harvard, vertrat ihr Land als Diplomatin in Spanien und bei der UNO in Genf, sang unter dem Künstlernamen «Googoosha» im Duett mit Julio Iglesias und Gérard Depardieu und entwarf Mode und Schmuck – nichts und niemand schien Gulnara Karimowa bremsen zu können. Die älteste Tochter des usbekischen Präsidenten Islam Karimow galt als designierte Nachfolgerin des Autokraten.

Dass alles anders kam, hat mit Konten bei der Genfer Privatbank Lombard Odier zu tun. Als usbekische Staatsangehörige im Sommer 2012 versuchten, eine dreistellige Millionensumme abzuheben, meldete das Institut bei den Bundesbehörden Geldwäschereiverdacht. Die Bundesanwaltschaft (BA) eröffnete im Juli 2012 ein Strafverfahren wegen Geldwäscherei und liess Vermögenswerte sperren, die sich heute auf über 800 Millionen Franken belaufen. Im Visier sind sechs usbekische Staatsangehörige, darunter Gulnara Karimowa. Sie soll bei der Vergabe von Mobilfunklizenzen in Usbekistan Schmiergelder von internationalen Telekomkonzernen kassiert und diese über Tarnfirmen auf den Genfer Konten versteckt haben. Zu den beschlagnahmten Vermögenswerten gehört auch eine Villa in Cologny bei Genf.

Plötzlich war sie von der Bildfläche verschwunden

Während sich die Ermittlungen auf die halbe Welt ausweiteten – die Schweiz steht mit 19 Ländern im Rechtshilfeverkehr – fiel Gulnara Karimowa bei der eigenen Familie in Ungnade. Nach heftigen Vorwürfen via Twitter verschwand die Präsidententochter 2014 von der Bildfläche. Ein glaubwürdiges Lebenszeichen gab es erst Anfang 2017 wieder, als der Schweizer Pflichtverteidiger über einen Besuch bei seiner unter Hausarrest stehenden Klientin in Taschkent berichtete. Die usbekische Staatsanwaltschaft gab inzwischen bekannt, Karimowa sei bereits 2015 wegen Wirtschaftsdelikten zu einer fünfjährigen Freiheitsbeschränkung verurteilt worden.

Unterdessen zahlten die in den Korruptionsskandal verwickelten Konzerne Telia und Vimpelcom in Vergleichen mit den Behörden der USA und den Niederlanden Bussen von fast zwei Milliarden Dollar. Zahlreiche Parteien und Länder – darunter Usbekistan selber und die USA – möchten die Hand auf die in der Schweiz eingefrorenen Gelder legen.

Auch brasilianischer Fussballstar unter den Gläubigern

Wie kompliziert der Fall ist, zeigt das Zwischenspiel um die Briefkastenfirma Zeromax. 1999 im US-Teilstaat Delaware gegründet, verlegte das Unternehmen Ende 2004 seinen Sitz an die Adresse eines Rechtsanwalts in Zug. Im Handel mit usbekischen Bodenschätzen sowie mit Transit- und Kompensationsgeschäften resultierten Milliardenumsätze. Angeblich auf Weisung der usbekischen Behörden meldete das Unternehmen im Sommer 2010 wegen Überschuldung Konkurs an. Gläubiger machten Forderungen von über vier Milliarden Franken geltend. Darunter deutsche Baufirmen, die Aufträge von Zeromax in der usbekischen Hauptstadt Taschkent hatten, sowie der brasilianische Fussballstar Rivaldo, der 2008 vom Fussballklub Bunjodkor in Taschkent engagiert worden war.

Hartnäckig hielten sich Gerüchte, eigentliche Eigentümerin von Zeromax sei Gulnara Karimowa gewesen. Die Präsidententochter selber bestritt dies stets, und erhielt inzwischen recht. Das Bundesstrafgericht kam Ende Februar zum Schluss, dass die Usbekin bloss Geschäftspartnerin und nicht faktische Eigentümerin der Zeromax gewesen sei. Die Gegenpartei hatte sich Informationen für eine 2013 eingereichte Klage wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung gegen Karimowa samt einer Forderung von über einer halben Milliarde Franken erhofft.

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