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SCHIENE: «Unser Ziel ist das beste Angebot»

Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamts für Verkehr, lobt das Angebot der Südostbahn (SOB) für die Gotthard-Bergstrecke. Und er sagt, wie es mit dem internationalen Personenverkehr weiter geht.
Interview Tobias Gafafer
Ein Zug befährt die nördliche Gotthard-Bergstrecke zwischen Erstfeld und Göschenen bei Wassen.

Ein Zug befährt die nördliche Gotthard-Bergstrecke zwischen Erstfeld und Göschenen bei Wassen.

Interview Tobias Gafafer

Herr Füglistaler, die Südostbahn (SOB) will von den SBB den Betrieb der Gotthard-Bergstrecke und des Rheintal-Express nach Chur übernehmen. Was halten Sie von diesen Plänen?

«Wir spüren noch nicht das grosse Feuer der SBB für den Betrieb der Gotthard-Bergstrecke.» Peter Füglistaler, Direktor Bundesamt für Verkehr.

«Wir spüren noch nicht das grosse Feuer der SBB für den Betrieb der Gotthard-Bergstrecke.» Peter Füglistaler, Direktor Bundesamt für Verkehr.

Peter Füglistaler: Hintergrund dieser Diskussion ist, dass die Fernverkehrs-Konzessionen der SBB mehrheitlich Ende 2017 auslaufen. Das Monopol für Personentransporte liegt beim Bund. Die SOB hat sich darum beworben, bei der Neuvergabe gewisse Linien statt der SBB zu betreiben. Wir führen zurzeit Gespräche mit den SBB, der BLS und der SOB. Wir sind an guten Ideen interessiert. Es geht nicht darum, den SBB eine Strecke weg zu nehmen. Wir möchten mit der Neuvergabe der Fernverkehrs-Konzessionen für die Kunden einen Mehrwert erreichen. Das ist etwa mit neuen Direktverbindungen und einer besseren Servicequalität möglich.

Anders gefragt: Hat die SOB zwei gute Angebote vorgelegt?

Füglistaler: Beim Angebot der SOB für den Rheintal-Express von Chur über St. Gallen nach Zürich sehe ich im Vergleich zu heute keine grossen Änderungen. Anders ist es bei der Gotthard-Bergstrecke: Die SOB will direkte, bediente Züge ohne Umsteigen in Erstfeld mit neuen Rollmaterial anbieten – und das kostendeckend. Dieses Angebot werden wir mit Interesse weiterverfolgen.

Die SBB wollen die Bergstrecke ab Dezember mit S-Bahn-Zügen ohne Kondukteure und mit Umsteigen in Erstfeld betreiben. In solchen Fällen könnten künftig also ein besseres Angebot zum Zug kommen?

Füglistaler: Unser Ziel ist, für den Kunden das beste Angebot zu erhalten. Die SBB wurden kritisiert, weil es auf der Bergstrecke künftig keine Zugbegleiter mehr gibt und man in Erstfeld umsteigen muss. Die SOB hat darauf eine Antwort. Wir werden das Angebot nun vertieft prüfen.

Das Bundesamt für Verkehr wies am Gotthard bereits zwei Mal Angebotskonzepte der SOB zurück. Meinen Sie es dieses Mal ernst, oder taktieren Sie bloss?

Füglistaler: Wir meinen es immer ernst. Die bisherigen Angebote der SOB hätten ein laufendes, konzessioniertes Angebot der SBB in Frage gestellt. Nun stehen wir vor einer anderen Ausgangslage, weil die Fernverkehrs-Konzessionen ablaufen und erneuert werden müssen.

Die SBB machten nicht den Eindruck, als würden sie sich um den Betrieb der Gotthard-Bergstrecke reissen.

Füglistaler: Die SBB haben sich zwar engagiert, aber das grosse Feuer für den Betrieb der Gotthard-Bergstrecke spüren wir noch nicht. Dies ruft andere wie die SOB auf den Plan. Wir sprechen mit sämtlichen Partnern offen und konstruktiv. Unser Ziel ist es, mit allen Bahnen eine einvernehmliche Lösung zu finden. Wenn es dafür nötig sein sollte, werden wir prüfen, ob die Neuvergabe der Konzessionen um ein bis zwei Jahre verschoben werden muss. Wir möchten auch den eigenwirtschaftlichen Fernverkehr und den subventionierten regionalen Personenverkehr sauber voneinander abgrenzen; die Systematisierung benötigt ebenfalls etwas Zeit.

Die SOB und die SBB gehören beide der öffentlichen Hand. Macht diese staatliche Konkurrenz Sinn?

Füglistaler: Eine Konkurrenz der Ideen macht sehr viel Sinn. Sie spornt die Gegenseite an und ermöglicht neue, kreative Ideen und verbesserte Angebote für die Passagiere. Dass dieser Wettbewerb funktioniert, zeigen auch die Projekte diverser Transportunternehmen, die E-Tickets testen. Das hält den Innovationsdruck in der Branche hoch.

In der Schweiz gibt es für den Personenverkehr im Gegensatz zu Deutschland keine Ausschreibungen. Hätten Sie auf der Schiene gerne mehr Wettbewerb?

Füglistaler: Im Rahmen der Bahnreform 2.2 hat sich das Parlament gegenüber Ausschreibungen im Bahnverkehr sehr zurückhaltend geäussert. Wir halten uns an diese Vorgabe. Die Fernverkehrs-Konzessionen werden im Rahmen einer Direktvergabe erteilt. Für mehr Wettbewerb würden wir einen Grundsatz-Entscheid der Politik benötigen, was ich im Moment nicht als realistisch erachte.

Die EU hat vor einigen Jahren mit dem dritten Eisenbahn-Paket den internationalen Personenverkehr liberalisiert. Ist dies für die Schweiz ein Thema?

Füglistaler: Die Schweiz hat sich über die bilateralen Verträge grundsätzlich dazu verpflichtet, die Eisenbahn-Pakete der EU in geeigneter Form ins nationale Recht zu übernehmen. Wir werden zu gegebener Zeit einen Vorschlag machen, wie der internationale Verkehr geöffnet werden kann. Betroffen ist ein relativ kleines Marktsegment mit gewissen Zügen ausserhalb des schweizerischen Taktfahrplans. Ich erwarte keinen Ansturm von internationalen Bahnbetreibern, die sich um Verbindungen in die Schweiz reissen.

Aus Kundensicht wäre mehr Wettbewerb wünschbar, da die Qualität der Bahnverbindungen nach Italien und Deutschland teils ungenügend ist.

Füglistaler: Es wäre eine Chance. Wir haben einige kritische Verbindungen. Auf der Strecke von Zürich über Schaffhausen nach Stuttgart etwa kommen wir nicht voran. Das deutsche Bundesland Baden-Württemberg würde gerne Neigezüge einsetzen, findet dafür aber keinen Betreiber. Und im Verkehr mit Italien könnten schnellere Züge ein zusätzliches Potenzial schaffen.

Peter Füglistaler

Zur Person red. Peter Füglistaler (56) ist seit Juni 2010 Direktor des Bundesamtes für Verkehr. Bevor er zum Bund kam, war er lange für die SBB tätig, unter anderem leitete er dessen Generalsekretariat. Zuletzt war er Leiter Finanzen und Recht und in dieser Funktion Mitglied der Geschäftsleitung.

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