Schnelle Züge in die Vorstadt

Fabian Fellmann zur Strategie der SBB, die mit ihren Intercity-Zügen vermehrt auch in Vororten halten möchten.

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Fabian Fellmann

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Die SBB wollen mit Intercity-Zügen in Zukunft nicht mehr nur in die Hauptbahnhöfe fahren, sondern auch in wichtigen Vorstadt-Stationen einen Halt einlegen. Ein Beispiel ist Zürich Altstetten mit 40'000 Arbeitsplätzen: Das Umsteigen im Bahnhof Zürich verlängert die Fahrt für Pendler aus der Zentralschweiz deutlich. Der Halt von Fernverkehrszügen könnte die Reise merklich beschleunigen, was den Ausschlag geben kann für die Wahl des öffentlichen Verkehrs anstelle des Autos.

Der Bund bremst das Bahnunternehmen jedoch. Er will das Pendeln über lange Distanzen nicht zusätzlich fördern und nur die grossen Zentrumsbahnhöfe ins Premium-Intercity-Netz der Bahn aufnehmen. Lockern will er nun lediglich die Regeln für die langsameren Interregio-Züge. Die raumplanerischen Bedenken sind verständlich. Doch wurden einige Vorstädte in den letzten Jahren stark entwickelt – was entsprechende Verkehrsbedürfnisse schafft. Die SBB vertreten mit ihren Plänen also Wünsche ihrer Kunden. Kann die Bahngesellschaft Intercity-Anbindungen in Vorstädte eigenwirtschaftlich betreiben – also ohne zusätzliche Zahlungen der öffentlichen Hand –, sollte sie dies auch tun dürfen. Gelegenheit dazu böte die zunehmende Verdichtung des Fahrplans. Im Viertelstundentakt etwa könnte jeder zweite Zug auch an Agglomerationsbahnhöfen halten.

Die Schweizer Städte entwickeln sich zunehmend zu städtischen Grossräumen mit mehreren Zentren, was die Konzeption des Schweizer Fernverkehrsnetzes nicht mehr genügend abbildet. Es ist richtig, dass die Bahnunternehmen darum beginnen, ihre Verbindungen neu zu denken.

Fabian Fellmann

fabian.fellmann@luzernerzeitung.ch