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Schüler setzen vermehrt auf Hirndoping

Gregory Remez

Psychostimulanzien Immer mehr junge Menschen greifen ins Medizinkästchen, um ihre kognitive Leistungsfähigkeit zu verbessern, das Gefühlsleben zu optimieren oder die Erholungszeit des Gehirns zu vermindern. Gemäss Sucht Schweiz haben 3,1 Prozent der 2016 vom Suchtmonitoring befragten 15- bis 24-Jährigen angegeben, in den letzten zwölf Monaten sogenannte Psychostimulanzien eingenommen zu haben. In der Gruppe der 20- bis 24-Jährigen lässt sich zwischen 2011 und 2016 gar ein Anstieg von 1,4 auf 3,3 Prozent beobachten.

Die meisten nehmen Energydrinks, Koffeintabletten, Tabak, Alkohol oder Vitamine zu sich, um länger wach zu bleiben und sich besser konzentrieren zu können. Doch nicht bei allen bleibt es dabei. In einer Studie bei 1400 im Schnitt 17-jährigen Schülerinnen und Schülern im Kanton Zürich haben 2014 gut 9 Prozent der Befragten angegeben, zur kognitiven Leistungssteigerung auch schon zu Medikamenten gegriffen zu haben. Der Schlager unter den verschreibungspflichtigen Muntermachern: Methylphenidat, besser bekannt als Ritalin.

In der Regel wird das Medikament Kindern und Jugendlichen zur Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) verschrieben. Es soll sie ruhiger machen. Bei gesunden Menschen bewirkt Ritalin aber angeblich das genaue Gegenteil: höhere Ausdauer und gesteigerte geistige Fähigkeiten. Kein Wunder, wird Ritalin seit Jahren als Hirndoping missbraucht – obwohl eine tatsächliche Wirkung bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Am meisten verbreitet ist die Einnahme bei Studierenden. Der Trend stammt aus den USA, wo Ritalin als Hirndoping für junge Menschen längst salonfähig ist.

«Symptome für den gestiegenen Druck auf junge Menschen»

Wie oft Kinder und Jugendliche Ritalin oder andere «Cognitive Enhancer» à la Modafinil mit oder ohne vorliegende Diagnose tatsächlich einnehmen, lässt sich schwer abschätzen. Es gibt allerdings Anhaltspunkte: 1999 betrug die von Arztpraxen und Apotheken abgegebene Menge an Methylphenidat laut der Arzneimittelbehörde Swissmedic 38 Kilogramm; 2016 waren es mit 344 Kilogramm bereits neunmal mehr. Gleichzeitig stagnierte die Diagnosehäufigkeit von Kindern und Jugendlichen mit ADHS bei 3 bis 5 Prozent.

Experten gehen deshalb davon aus, dass heute ein Grossteil des Ritalins nicht als Medikament, sondern als Hirndopingmittel verwendet wird – und das, obwohl die Verabreichung von Medikamenten zur Leistungssteigerung an Minderjährige nach geltendem Recht verboten ist. Sie warnen vor den Risiken des medikamentösen Hirndopings. «Zu den Gefahren zählen Abhängigkeit und bei übermässigem Gebrauch ähnliche Probleme wie bei Amphetaminen: Herzrasen, Aggression, Unruhe», sagt Markus Meury von Sucht Schweiz.

Neben Psychostimulanzien werden immer häufiger auch Antidepressiva sowie Betablocker zur Stimmungsaufhellung und Stressreduktion eingenommen. Rund 2,5 Prozent der Studierenden greifen zu Cannabis, um sich zu beruhigen. Auch Speed, Kokain oder Ecstasy sind ein Thema, allerdings nur vereinzelt. «Das sind alles Symptome für den gestiegenen Druck auf junge Menschen – und es fängt bereits in der Primarschule an», moniert Meury. «Es ist ein Problem, das wir unbedingt im Auge behalten sollten.»

Gregory Remez

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