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SCHULE: Die Krux mit dem gesunden Znüni

Hotdogs und Energydrinks gehören nicht in die Pause. Doch wie ist es mit Dörrfrüchten und Bananen? Viele Eltern wissen nicht, was tatsächlich gesund ist.
Gabriela Jordan
Empfehlenswerte und weniger empfehlenswerte Zwischenverpflegung. (Bild: Dominik Wunderli Grafik: Lea Siegwart)

Empfehlenswerte und weniger empfehlenswerte Zwischenverpflegung. (Bild: Dominik Wunderli Grafik: Lea Siegwart)

Gabriela Jordan

Getreideriegel, mit Schokolade überzogene Reiswaffeln, Butterbrote mit Salami, Karotten oder einfach ein Apfel? Am Montag beginnt wieder die Schule und damit auch die «Znüni-Saison». Was Eltern ihren Kindern morgens jeweils einpacken, könnte unterschiedlicher nicht sein – und lässt Kindergärtnerinnen sowie Lehrern schon mal die Haare zu Berge stehen. Ein Hotdog mit einem Energydrink? – für ein Kind wohl keine geeignete Zwischenmahlzeit. Dennoch kommt es vor. «Kinder bringen für die grosse Pause manchmal wirklich Unmögliches mit», weiss Monique Mura Knüsel, diplomierte Ernährungsberaterin aus Baar, die auf Kinderernährung spezialisiert ist. Dabei sieht sie aber einen «riesigen Unterschied» zwischen Kindergärten und Schulen.

Mehr Kontrolle im Kindergarten

In vielen Kindergärten wird der Pausensnack Mura Knüsel zufolge als Ritual zelebriert. Dadurch wird stärker kon­trolliert, was die Kinder essen. «Es gibt Kindergärtnerinnen, die knallhart sind und den Kindern das Znüni wieder mit nach Hause geben, wenn es völlig ungesund ist», sagt Mura Knüsel. Natürlich gefalle das nicht allen Eltern. Was ihr Kind esse, wollten sie selber entscheiden. «Wenn die Kinder dann in die Schule kommen, sind viele Eltern erleichtert, dass die Kontrolle wegfällt.» In der Folge würden sie ihren Kindern häufig das mitgeben, was diese mögen – auch wenn es Kartoffelchips, Würstchen oder Lyoner-Sandwiches sind. «Ich erlebe oft, dass Kinder im Kindergarten Gesundes mitbringen, später in der Schule aber nicht mehr. Das ist schade.»

In der Schule gebe es auch jene, die gar nichts oder viel zu viel mitbringen würden. «Das Ziel des Znünis ist, die Zeit zwischen zwei Hauptmahlzeiten zu überbrücken», so Knüsel. Dabei sei entscheidend, ob und wie viel ein Kind frühstücke. «Mit einem grossen Sandwich schiessen Eltern aber meistens übers Ziel hinaus.»

Bananen zu süss, Gipfeli zu fettig

Kindern und Eltern ausgewogenes Essen näherbringen, will auch Kindergärtnerin Regula Cimenti aus Horw. Dazu führt sie eine Homepage mit dem Namen «Kix – Kind isst xund». Cimenti hat die Erfahrung gemacht, dass Mütter und Väter über Tipps oder Ideen für Znüni meistens sehr dankbar sind. «Es gibt so viele vermeintlich gesunde Lebensmittel, die aber ungeheuer viel Zucker enthalten», sagt sie. Dazu zählt sie zum Beispiel Getreideriegel wie Balisto oder Farmer, Weissbrot, Bananen, Fruchtsäfte oder auch Dörrobst. «Der Zucker putscht die Kinder nur kurz auf, satt werden sie davon aber nicht. Nach einer Weile sackt ihre Konzentrationsfähigkeit deshalb in den Keller.» Zudem schade der Zucker den Zähnen.

Auch zu fetthaltige Lebensmittel seien als Zwischenmahlzeit nicht optimal. Zum Beispiel Gipfeli oder Weggli mit Butter und Lyoner sieht Cimenti bei den Kindern oft. Gänzlich verboten sind alle diese Lebensmittel in ihrem Kindergarten aber nicht. Ergänzend zu Vollkornbrötchen, Nüssen, Früchten oder Gemüse dürfen die Kinder sie ab und zu durchaus essen. «Lyoner oder andere fettige Lebensmittel werden aber nur als Ausnahme toleriert.»

Neben Eltern, die ihren Kindern zu süsse oder fettige Znünis mitgeben, gibt es jedoch auch das andere Extrem: die Gesundheitsfanatiker. Das Znüni ihrer Kinder besteht fast ausschliesslich aus Früchten oder Gemüse. Höchst selten bekommen sie zum Genuss ein Stück Schokolade oder Ähnliches, weiss Ernährungsexpertin Mura Knüsel. Süsses dürfe aber auch seinen Platz in der Ernährung haben – wenn auch nicht unbedingt beim Znüni, sagt Mura Knüsel. Das Znüni widerspiegelt so auch die Essgewohnheiten der Eltern. Aber nicht nur.

Kinder bestimmen Essen oft selber

«Kinder bestimmen heutzutage viel stärker mit, was sie essen», sagt Mura Knüsel. Demnach assen Kinder früher einfach das, was es zu Hause gab. Heute wollen sie ihr Essen beim Einkaufen selbst auswählen – und sind heikel geworden, findet Mura Knüsel. Problematisch sei dabei, wenn Eltern ihnen weniger Grenzen setzen als früher. «Damit die Kinder nicht ‹stürmen›, geben Eltern nach und lassen sie das essen, was sie wollen.» Unser verstärktes Konsumverhalten schlage sich so auch auf das Znüni nieder.

Doch so viel Abwechslung, wie viele denken, braucht es ihrer Meinung gar nicht. «Es ist völlig vertretbar, wenn Eltern ihrem Kind im Winter mehrmals pro Woche eine Mandarine in die Schule mitgeben.»

«Vorschriften nicht sinnvoll»

Gleichzeitig schätzen Mütter und Väter häufig falsch ein, ob etwas gesund ist oder nicht. Dabei handelt es sich Mura Knüsel zufolge oft um Leute mit Migrationshintergrund. Einerseits, weil sie die hiesigen Produkte zum Teil nicht gut kennen, andererseits aber auch, weil sie sich völlig anders als viele Schweizer ernähren. Mura Knüsel kennt somit beides: Eltern, die froh über Ernährungstipps sind, und solche, die sich genervt oder bevormundet fühlen. Essensvorschriften in der Schule findet sie deshalb nicht sinnvoll – ausser für Süssgetränke (siehe Box). An Elternabenden oder mit Flyern dafür zu sensibilisieren, ist Mura Knüsel zufolge grundsätzlich aber der bessere Weg. Denn: «Viele Eltern unterschätzen, wie wichtig ein gesundes Znüni ist.»

Ernährungsprogramme in den Kantonen

Damit sich Kinder und Jugendliche gesund ernähren und ausreichend bewegen, gibt es in den Zentralschweizer Kantonen verschiedene Förderprogramme. Luzern, Obwalden, Zug und Uri beteiligen sich an den kantonalen Aktionsprogrammen der Gesundheitsförderung Schweiz. Bei diesen machen inzwischen 20 Kantone mit. Ab 2017 wird auch Nidwalden daran teilnehmen.

Ziel des seit 2007 bestehenden Programms ist, den Anteil der Schweizer Bevölkerung mit gesundem Körpergewicht zu erhöhen. Die Gesundheitsförderung Schweiz konzentriert sich dabei auf Kinder und Jugendliche, weil «die Weichen für Übergewicht in jungen Jahren gestellt werden». Dabei arbeitet der Kanton selber konkrete Angebote – etwa für Schulen – aus, welche der Bund zur Hälfte finanziert. Zu den Angeboten kann zum Beispiel das Schaffen von sicheren Velowegen oder attraktiven Pausenplätzen sowie ausgewogenen Essensangeboten in Kindertagesstätten gehören. Neben dem Programm des Bundes führen die Kantone zum Teil auch eigene Projekte.

Das Projekt «Purzelbaum» gibt es zum Beispiel in den Kindergärten in Nidwalden und Luzern. Es hat zum Ziel, dass sich Kinder genug bewegen und ausgewogen ernähren. In den Kantonen Luzern, Nidwalden und Obwalden besteht ausserdem der «Znüni-Määrt», an dem Schüler eine gesunde Zwischenmahlzeit kaufen können.

Softdrinks aus Schule verbannt

Zu viel Zucker, zu viel Koffein: In mehreren Schulen in der Schweiz dürfen Energydrinks nicht mehr konsumiert werden. Seit über zwei Jahren gilt das Verbot auch in der Schule in Hitzkirch. Die Gesundheit der Schüler sei ausschlaggebend, aber nicht der einzige Faktor, sagte damals Andrea Martin, Leiterin der Sekundarschule, gegenüber unserer Zeitung. «Die aufputschende Wirkung ist nicht von der Hand zu weisen.» Es habe wiederholt Fälle gegeben, in denen Schüler nach dem Konsum von Energydrinks im Klassenzimmer überdreht auffielen und sich kaum mehr auf den Unterricht konzentrieren konnten. Das bei Jugendlichen überaus beliebte Getränk schade durch die Kombination aus Glukose und Zitronensäure zudem den Zähnen.
Wegen des hohen Zuckergehalts sind auch Softgetränke wie Coca-Cola verboten. Die Reaktionen der Eltern auf das Vorgehen der Schule waren durchgehend positiv.

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