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Das Schulfach «Italienisch» fristet ein Mauerblümchen-Dasein – das sorgt für Kritik

Das Angebot für die dritte Landessprache sei in manchen Kantonen völlig ungenügend, kritisiert das Forum für Italienisch in der Schweiz. Es fordert Gegenmassnahmen.
Kari Kälin
Der Italienischunterricht wird oft an Randstunden verlegt – wenn er überhaupt angeboten wird. Symbolbild: Benjamin Manser (Rorschach, 17. Mai 2018)

Der Italienischunterricht wird oft an Randstunden verlegt – wenn er überhaupt angeboten wird. Symbolbild: Benjamin Manser (Rorschach, 17. Mai 2018)

In 1.-August-Reden rühmen Politiker gerne die Mehrsprachigkeit der Schweiz. Doch das Italienisch, immerhin die Erstsprache für knapp 670'000 Einwohner, spielt im Alltag ausserhalb des Tessins fast keine Rolle. Nur fast jeder zehnte Deutsch- und Westschweizer spricht wenigstens einmal pro Woche die Sprache Dantes.

Auch an den obligatorischen Volksschulen in der Deutsch- und Westschweiz fristet Italienisch ein Mauerblümchendasein. Zwar verpflichtet das Harmos-Konkordat die Kantone, «ein bedarfsgerechtes Angebot an fakultativem Unterricht in einer dritten Landessprache» zu offerieren. Doch das ist nicht überall der Fall. Das Wallis, ein Harmos-Kanton, bietet zum Beispiel gar keinen Italienischunterricht an. Im Kanton Genf findet er am freien Mittwochnachmittag statt, «wenn die Schüler lieber ihren Hobbys nachgehen», wie Diego Erba sagt. Erba ist Sekretär des Forums für Italienisch in der Schweiz, einer Plattform zur Förderung der dritten Landessprache. Erba kritisiert weiter, Italienisch stehe in vielen Kantonen oft in direkter Konkurrenz zu anderen Freifächern, werde an Randstunden verlegt und somit für die Schüler unattraktiv. Dass einige Schulen dem Forum mitteilen, es fehle an Italienischlehrern, überrascht ihn nicht. ­«Einige pädagogische Hochschulen bilden gar keine Italienischlehrer aus», sagt Erba.

Das Forum hat sein Unbehagen in einem Brief an Silvia Steiner, der Präsidentin der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), zu Papier gebracht. Im Schreiben fordert es die EDK dazu auf, dafür zu sorgen, dass die Kantone die Harmos-Regeln respektieren und­ ­einen angemessenen Italienischunterricht anbieten. Für Erba ist klar: «Wenn den Schülern ein ­attraktiver Italienischunterricht angeboten wird, wird er auch genutzt.» Im Kanton Basel Stadt sei die Zahl der Schüler dank eines attraktiven Angebots innerhalb von drei Jahren von 20 auf 600 gestiegen. Wie viele Schüler insgesamt an der Volksschule Italienisch lernen, ist unklar. Viele Kantone erheben keine genauen Zahlen. Das Forum für das Italienische in der Schweiz, dem sich bis jetzt 37 Organisationen angeschlossen haben, hat Gewicht. Als Präsident fungiert Manuele Bertoli, Erziehungsdirektor des Kantons Tessin. Prominente Tessiner Persönlichkeiten wie UBS-Chef Sergio Ermotti, Ex-Schönheitskönigin Christa Rigozzi, Architekt Mario Botta oder der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger engagieren sich als Freunde des Forums.

EDK will das Thema «vertiefen»

Der Vorstand der EDK wird sich an seiner Sitzung im Januar mit den Fragen des Forums befassen. «Ich freue mich, dass Manuele Bertoli als Vorstandsmitglied das Anliegen an dieser Sitzung auch persönlich wird darlegen können», sagt Silvia Steiner. Gemäss Wissensstand der EDK gebe es heute in fast allen Kantonen ein fakultatives Angebot für Italienischunterricht, wobei sich die Ausgestaltung unterscheiden könne. «Wir sind aber gerne bereit, das Thema zu vertiefen», sagt EDK-Präsidentin Steiner.

Donato Sperduto unterrichtet an der Kantonsschule Sursee und ist Präsident des Verbandes der Schweizer Italienischlehrer. Dass die dritte Landessprache auf der Oberstufe nicht überall auf dem Stundenplan figuriere, sei unbefriedigend, sagt er. Insgesamt zeigt er sich aber zufrieden mit dem Status des Italienischen, auch an den Gymnasien. Doch weshalb sollen Schüler in der Deutschschweiz und der Romandie überhaupt Italienisch lernen? «Italienisch ist nicht nur eine schöne, sondern auch eine nützliche Sprache», sagt Sperduto. Er weist auf die engen Geschäfts­beziehungen der Deutsch- und Westschweiz mit dem Kanton Tessin hin. «Zudem ist Italien der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz. In der Arbeitswelt braucht man Italienisch viel häufiger, als man glaubt.»

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