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SCHULPREIS: «Schulen haben Lob verdient»

Erstmals wurde der Schweizer Schulpreis verliehen. Statt guter Noten waren besondere Ideen gefragt. Warum das Sinn macht, erklärt Stifterin Carolina Müller-Möhl.
Interview Nelly Keune
Schulkinder nehmen an der Verleihung des 1. Schulpreises die Bühne im Berner Stade de Suisse in Beschlag. Hinten links stehen die Moderatoren und Preisverleiher Fabian Cancellara und Christa Rigozzi. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Schulkinder nehmen an der Verleihung des 1. Schulpreises die Bühne im Berner Stade de Suisse in Beschlag. Hinten links stehen die Moderatoren und Preisverleiher Fabian Cancellara und Christa Rigozzi. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Waren Sie eine gute Schülerin?

Carolina Müller-Möhl*: In den Fächern, in denen mich der Lehrer und das Fach begeisterten, war ich eine gute, sogar sehr gute Schülerin. In den anderen Fächern nicht immer, teilweise sogar ungenügend. Ich war aber später eine sehr gute Studentin.

Welche Art von Schule hätten Sie sich als Kind gewünscht?

Müller-Möhl: Ich denke, ich hätte in einem Umfeld der individuellen Förderung sehr gut reüssiert. Ich habe beispielsweise null Erinnerung an das Gelernte aus dem Physikunterricht, weiss aber bis heute noch sehr genau, was wir in deutscher Literatur besprochen haben. Der Lehrer war ein unglaublicher Motivator und konnte den Lernstoff besonders gut vermitteln. Er war eine natürliche Respektsperson. Die ganze Klasse hat davon profitiert, wir mochten ihn alle sehr.

Warum brauchen wir in der Schweiz einen Schulpreis?

Müller-Möhl: Weil er Freude macht. Den Schülern, den Lehrern und den Eltern. Aber auch die philanthropische Kraft von Preisen ist unumstritten: Preise spornen Menschen zu herausragenden Leistungen an, man kann sie dafür belohnen und man gewinnt die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit für relevante Themen. Wir finden, unsere Schulen haben es verdient, einmal für ihre tägliche Arbeit gelobt zu werden.

Warum unterstützt Ihre Stiftung den Wettbewerb?

Müller-Möhl: Ein Schwerpunktthema unserer Stiftung ist die Bildung. Sie ist der Grundstein unseres Wohlstandes und der wichtigste Rohstoff, den unser Land besitzt. Die Müller-Möhl Foundation will bewegen und Debatten anstossen. Unsere Unabhängigkeit erlaubt uns dort aktiv zu werden, wo Staat und Privatwirtschaft zu selten hinschauen. Wir unterstützen Projekte, die innovative Lösungen für Herausforderungen unserer Zeit anbieten. Der Schweizer Schulpreis macht genau das. Er ist schweizweit neu und einzigartig, er identifiziert tolle Schulen mit aussergewöhnlichen Ideen und trägt bereits heute zu Debatten zwischen der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Politik und der Gesellschaft bei.

Haben Sie nicht Angst, dass nachher alle Eltern ihre Kinder auf eine der Gewinnerschulen schicken wollen?

Müller-Möhl: Im Moment habe ich vor allem Freude, dass das Feedback auf den Schweizer Schulpreis vorwiegend positiv ausfällt. Wenn der Preis dazu dient, die Frage der freien Schulwahl erneut zu debattieren, ist auch das durchaus positiv zu sehen.

Sie plädieren immer wieder dafür, mehr Geld in Bildung und Ausbildung zu stecken. In Ihrer Kolumne in der Zeitung «Die Zeit» haben Sie Bildung sogar als beste Massnahme gegen Abzocker in den Führungsetagen propagiert. Gehen Sie da nicht ein bisschen weit?

Müller-Möhl: Nein. Aber ich verstehe schon, dass diese Verbindung auf den ersten Blick nicht schlüssig sein mag. Es geht in diesem Kontext um Sozialkompetenz und um die Verortung von Führungskräften in der Mitte der Gesellschaft. Bildung trägt dazu bei, genau diese Fähigkeiten zu fördern. Gute Bildung heisst aus meiner Sicht, dass jemand Hand, Kopf und Herz einzusetzen lernt. Ich würde mir wünschen, dass es genau diese Menschen in Führungspositionen schaffen, weil sie sich ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung bewusst sind und nicht nur an ihre Lohntüte denken.

Sie sind alleinerziehende Mutter. War auch das ein Grund für das Engagement für den Schulpreis? Mütter, die Kinder und Beruf unter einen Hut bringen wollen, haben es in der Schweiz ja oft recht schwer.

Müller-Möhl: Für den Bildungsstandort Schweiz setze ich mich ein, weil er zentral ist für unsere Gesellschaft, unsere Zukunft, unseren Erfolg. Ebenso wichtig erachte ich die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – das zweite Schwerpunktthema der Müller-Möhl Foundation. Sie ist bisher kein Kriterium des Schweizer Schulpreises. Aber es ist in der Tat so, dass die Entwicklung klar Richtung Ganztagesschulen und Frühförderungsangebote läuft. Wie dies im Ausland übrigens seit Jahrzehnten üblich ist.

In der Schule ist Chancengleichheit ein grosses Thema und ein Bewertungskriterium des Schweizer Schulpreises. Wo sehen Sie Nachholbedarf?

Müller-Möhl: Das Qualitätskriterium, welches sie ansprechen, «Umgang mit Vielfalt», ist ein sehr wichtiges Kriterium. Im Hinblick auf Chancengerechtigkeit tun Bildungsinstitutionen gut daran, ein Fokus auf frühkindliche Förderung zu richten. Aus Studien wissen wir, dass sich die Bildungschancen gerade bei Kindern aus benachteiligten Verhältnissen durch frühkindliche Bildung verbessern. Hier besteht in der Schweiz Nachholbedarf.

Obwohl heute mehr Mädchen als Buben eine Matura machen, sind die Führungsetagen in der Wirtschaft noch immer von Männern besetzt. Was läuft schief?

Müller-Möhl: Wenn es richtig laufen soll, müssen eben alle am gleichen Strick ziehen. Die Frauen selbst, sie müssen wollen, durchhalten und ehrgeizig sein, die Unternehmen, sie müssen gläserne Decken erkennen und Bedingungen schaffen, um ihre männlichen wie weiblichen Talente an Bord zu behalten, die Politik, sie muss Rahmenbedingen schaffen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Gesellschaft, sie muss aufhören berufstätige Mütter zu stigmatisieren. Auch die Medien spielen hier eine wichtige Rolle. Sie müssen mithelfen Rollenklischees abzubauen und nicht zu verhärten.

Aber auch jugendliche Ausländer haben es trotz eines gleich guten Schulabschlusses nachweislich schwerer bei der Lehrstellensuche als Schweizer. Was können die Schule und die Wirtschaft hier verändern?

Müller-Möhl: Die jugendlichen Ausländer haben tendenziell eine schlechtere Betreuung und Unterstützung der Eltern in der Berufswahl und bei der Lehrstellensuche. Das heisst die Schulen respektive Lehrkräfte sowie spezielle Organisationen, zum Beispiel die Berufsberatung, müssen einen noch grösseren Beitrag leisten und die Jugendlichen unterstützen.

Ihre Stiftung engagiert sich nicht nur für Bildung, sondern auch für die Gleichstellung der Frau in der Wirtschaft. Deutschland hat in den letzten Wochen eine Frauenquote mit in den Koalitionsvertrag aufgenommen. Was halten Sie von einer Frauenquote in der Schweiz?

Müller-Möhl: Es liegt auf der Hand. Wir können es uns nicht leisten auf unsere gut und teuer ausgebildeten Frauen zu verzichten. Das ist nicht nur unfair, sondern auch volkswirtschaftlich unsinnig. Bedauerlicherweise haben das noch nicht alle verstanden und es gibt nach wie vor Herren in Topgremien, die behaupten, es gäbe keine kompetenten Frauen. Auch das ist erwiesenermassen unsinnig. Frauenquoten aber bedeuten eine Verpflichtung von Gesetzes wegen und sind nur bedingt zielführend. Ich finde eher, man müsste Anreize schaffen. Schon heute ist zum Beispiel bei einigen Firmen Frauenförderung ein Bestandteil des Bonus. Wenn der meist männliche Chef in seinem Team nicht einen bestimmten Prozentsatz von Frauen fördert, sinkt sein Bonus.

Hinweis

* Carolina Müller-Möhl (45) ist Präsidentin der Müller-Möhl Group und Mitglied der Verwaltungsräte von Orascom und der NZZ. 2012 hat sie die Müller-Möhl Foundation gegründet, die sich in den Bereichen Bildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der Förderung des Wirtschaftsstandortes Schweiz engagiert.

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