Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SCHUTZ: «Man sollte einen Schritt zurückgehen»

Autorin Julia Onken lanciert mit Zoë Jenny und SVP-Nationalrat Pirmin Schwander eine Initiative gegen die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb). Es geht um «menschlichere Lösungen».
Für besseren Schutz von Kindern und Erwachsenen: Eine Initiative fordert Anpassungen im heutigen System. (Bild: Keystone)

Für besseren Schutz von Kindern und Erwachsenen: Eine Initiative fordert Anpassungen im heutigen System. (Bild: Keystone)

Interview Ida Sandl

Julia Onken, hatten Sie schon einmal mit der Kesb zu tun?

Julia Onken*: Als Betroffene nicht. Aber Zoë Jenny und ich haben mehr als 1000 Mails und Briefe erhalten, in denen sich Menschen über die Kesb beschweren.

Was stört diese Menschen?

Onken: Stören ist in diesem Zusammenhang ein viel zu kleines Wort. Es ist katastrophal, was diese Leute zum Teil erlebt haben. Zoë Jenny und ich haben mit Einzelnen ganze Nächte geredet, damit sie sich nicht das Leben nehmen.

Das klingt dramatisch. Was ist an der Kesb derart schlimm?

Onken: Sie verhängt administrative Entscheide über Menschen nach einem festgelegten Konzept. Kinder, Behinderte und Alte werden in eine Struktur gepresst, ohne dass sie sich dagegen wehren können.

Haben Sie Beispiele dafür?

Onken: Jede Menge. Da werden Kinder mit Handschellen von der Polizei in der Schule abgeführt, damit sie gegen den Willen der Eltern fremdplatziert werden können.

Das ist doch ein krasser Einzelfall.

Onken: Nein, das ist wiederholt passiert. Ein anderes Beispiel: Ein junger, leicht geistig behinderter Mann, der gut integriert ist, muss sich ohne ersichtlichen Grund psychiatrisch begutachten lassen, was ihn total in Panik versetzt. Und das Beste: Er bekommt eine Rechnung über 4000 Franken für das Gutachten.

Das klingt nach Übereifer.

Onken: Es werden ständig überflüssige Gutachten eingeholt. Eine Mutter hat mir erzählt, sie dürfe die IV-Rente ihrer behinderten Tochter nicht mehr verwalten, das müsse jetzt eine externe Person machen auf einem speziellen Kesb-Programm. Da werden familiäre Strukturen zerstört.

Die Kesb leistet auch viel gute Arbeit. Wir sprechen hier über die extremen Fälle.

Onken: Schauen Sie, wenn bei einer Fluggesellschaft immer wieder Flugzeuge abstürzen, heisst das auch nicht, dass alle ihre Flugzeuge schlecht sind. Aber die Airline muss sich fragen, warum diese Flugzeuge abstürzen. Die Kesb dagegen weigert sich, ihr Handeln selbstkritisch anzuschauen.

Die Ansprüche an die Kesb sind sehr hoch. Auch die früheren Vormundschaftsbehörden haben nicht alles richtig gemacht.

Onken: Das stimmt. Die Vormundschaftsbehörden hatten aber häufig den direkten Kontakt zu den Familien, die sie betreut haben. Sie haben diese Familien begleitet, waren ansprechbar, oft rund um die Uhr. Die Lösungen waren menschlicher, jetzt sind sie bürokratisch.

Also fordern Sie eine Rückkehr zurück zum alten System?

Onken: Nicht ganz. Aber einen Schritt sollte man zurückgehen. Das Wichtigste ist, dass man Leute findet, die dieser anspruchsvollen Arbeit gewachsen sind. Gut ausgebildete Mitarbeiter, die Menschen lieben und nicht administrativ verwalten.

Das tönt gut, aber gibt es diese Mitarbeiter überhaupt?

Onken: Ich habe lange als Gefängnispsychologin gearbeitet. Wir haben dort sehr gute Erfahrungen mit Laien gemacht. Wir haben sie geschult und als Bewährungshelfer eingesetzt. Sie waren sehr motiviert. Das könnte ein Modell für die Kesb sein.

Sie lancieren eine Volksinitiative gegen die Kesb (siehe auch Kasten). Was wollen Sie damit erreichen?

Onken: Dass die ganze Struktur der Kesb neu überdacht wird. Das ist ein aufgeblasener Apparat, der ungemein teuer ist. Die Betroffenen und die Gemeinden müssen mehr Mitsprache bekommen. Ausserdem sollen die bisherigen Fälle dokumentiert werden, das kann zum Beispiel eine Fachhochschule mittels Fragebögen machen.

Sind Sie auch angefeindet worden?

Onken: Ja, sehr. Es gab anonyme Drohungen auf dem Anrufbeantworter, und mein Wikipedia-Eintrag wurde gefälscht. Da stand plötzlich, ich hätte keine Praxisbewilligung, was nicht stimmt.

Neben Ihnen stehen Autorin Zoë Jenny und Pirmin Schwander hinter der Volksinitiative. Stört es Sie, dass ein SVP-Nationalrat beteiligt ist?

Onken: Nein. Ich mache den Mund dann auf, wenn ich finde, es laufe etwas schief. Ohne zu schauen, welche Partei dafür oder dagegen ist. Ich bin ein freier Mensch.

Hinweis

Julia Onken (73) ist Psychologin und Schriftstellerin. 1987 hat sie das Frauenseminar Bodensee in Romanshorn gegründet. Sie hält zudem Vorträge zu Frauenthemen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.