Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SCHWEIZ: Adoption verliert an Bedeutung

In der Schweiz werden immer weniger Kinder und Jugendliche adoptiert. Grund dafür sind unter anderem der medizinische Fortschritt und gesetzliche Anpassungen. Gleichzeitig gibt es immer noch viele kinderlose Paare, die auf ein Adoptivkind warten.
Michel Burtscher
Zwischen 80 und 90 Paare aus der Deutschschweiz warten derzeit auf ein Adoptivkind. (Bild: ild: Brooke Rieman/Getty)

Zwischen 80 und 90 Paare aus der Deutschschweiz warten derzeit auf ein Adoptivkind. (Bild: ild: Brooke Rieman/Getty)

Michel Burtscher

Eine Adoption ist für viele kinderlose Paare oft die letzte Hoffnung, um sich den Traum von der eigenen Familie zu verwirklichen. In den vergangenen Jahrzehnten wurden in der Schweiz jedoch immer weniger Kinder und Jugendliche adoptiert, wie die neuesten Statistiken des Bundes zeigen: Im Jahr 1979 gab es demnach noch 2160 Adoptionen, 2015 nur noch 329 (siehe Grafik). Die Statistik erfasst Fremdadoptionen aus dem In- und Ausland sowie Stiefkindadoptionen im Inland – der Rückgang gilt für alle Kate­gorien. Auslandadoptionen etwa gab es gemäss Statistik 1979 noch 691, 2015 nur noch 197. Es ist ein Trend, der keineswegs nur in der Schweiz zu beobachten ist, sondern auch in anderen Ländern: In Deutschland beispielsweise hat sich die Zahl der Adoptionen in den vergangenen 25 Jahren mehr als halbiert.

Doch wieso hat die Zahl der Fremdadoptionen abgenommen? Auch wenn es weitgehend an empirischer Forschung zu diesem Thema fehlt, gibt es laut Experten mehrere Gründe für die Entwicklung: Erstens hat die Reproduktions­medizin in dieser Zeit grosse Fortschritte gemacht – immer mehr Kinder entstehen durch künstliche Befruchtung. Zweitens hat die Zahl der unerwünschten Schwangerschaften abgenommen und gleich­zeitig ist die Akzeptanz für alleinstehende Mütter in der Gesellschaft gestiegen. Weniger Frauen fühlen sich daher gezwungen, ihr Kind abzugeben. Drittens ist 1993 das sogenannte Haager Adoptionsübereinkommen verabschiedet worden. In der Schweiz ist es seit 2003 in Kraft. Demnach darf ein Kind erst zur internationalen Adoption freigegeben werden, wenn im Herkunftsland alle Massnahmen gescheitert sind, dem Kind den Verbleib in seiner bisherigen Fa­milie zu ermöglichen oder eine geeignete Aufnahmefamilie zu finden. Dieser Prozess dauert relativ lange. «Und je älter ein Kind ist, desto schwieriger ist es, Adoptiveltern zu finden», sagt Sarah Hadorn, Verantwortliche für die Kommunikation der Organisation Pflege- und Adoptivkinder Schweiz (Pach).

Mehrheit der Adoptiveltern interessiert sich für Babys

Ähnlich äussert sich auch Joëlle Schickel-Küng, Leiterin der Zentralbehörde beim Bundesamt für Justiz, die internationale Adoptionen begleitet: «Heute werden im Ausland mehrheitlich ältere oder kranke Kinder zur internationalen Adoption freigegeben», sagt sie. Es gebe weniger adoptierbare gesunde Babys als früher. Doch gerade für Kinder, die jünger als zwei Jahre alt sind, interessiert sich laut Schickel-Küng die Mehrheit der Adoptiveltern in der Schweiz.

Die Gründe dafür, dass eine Frau ihr Kind hierzulande zur Adoption freigibt, sind laut Hadorn sehr vielfältig: «Teilweise sind es sehr junge Mütter ohne Ausbildung, die sich die Mutterschaft nicht zutrauen und zu wenig Unterstützung haben, Frauen mit Drogenproblemen oder solche, die nach einem Seitensprung schwanger werden.» Die Organisation Pach vermittelt nur Kinder in der Deutschschweiz, im Schnitt etwa 15 bis 20 pro Jahr. Gleichzeitig warten derzeit zwischen 80 bis 90 Paare auf ein ­Adoptivkind aus der Deutschschweiz, wie Hadorn sagt. Wie viele Personen insgesamt ein Kind adoptieren wollen oder auf ein Kind warten, ist nicht bekannt – eine zentrale Statistik dazu gibt es nicht. Klar ist aber: «Hierzulande gibt es mehr adoptionswillige Paare als Kinder, die zur Adoption freigegeben werden», sagt Hadorn und betont gleichzeitig: «Wir ­suchen eine Familie für Kinder und nicht Kinder für eine Familie.»

Hohe Kosten und langer Prozess

Wer ein Kind adoptieren will, braucht Zeit und Geld. Bevor die künftigen Eltern die Bewilligung erhalten, ein Kind aufnehmen zu dürfen, wird ihre Eignung abgeklärt. Laut Angaben des Bundes kostet eine nationale Adoption rund 2000 Franken. Die Kosten einer internationalen Adoption zu beziffern, ist schwieriger. Sie können gemäss Bund zwischen 10000 und 50000 Franken liegen. Es kann mehrere Jahre dauern, bis ein Paar ihr Adoptivkind schliesslich bei sich willkommen heissen kann.

Bild: Grafik: fr/Luzerner Zeitung

Bild: Grafik: fr/Luzerner Zeitung

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.