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SCHWEIZ: Künftig kommt die Warnung aufs Handy

Fehlalarme und geänderte Lebensbedingungen setzen den Sirenen zu. Jetzt wird das Alarmierungssystem erneuert. Der Quantensprung soll in ein paar Jahren folgen.
Eva Novak
Längst haben noch nicht alle Haushalte weltweit Internetzugang - ein Handy allerdings haben fast alle. (Bild: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)

Längst haben noch nicht alle Haushalte weltweit Internetzugang - ein Handy allerdings haben fast alle. (Bild: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)

Nächtliches Sirenengeheul reisst die Menschen in der Stadt St. Gallen mehrmals aus dem Schlaf. Ebenso in Bern-Belp und an diversen Orten der Westschweiz. In Einsiedeln glauben Einwohner, sich vor den Fluten des Sihlsees in Sicherheit bringen zu müssen, weil der Staudamm zu bersten drohe: All diese Warnungen erfolgten in diesem Jahr. Und allen ist gemein, dass die angeblichen Gefahren keine waren. Es war immer Fehlalarm.

Fehlalarme sind nicht nur ärgerlich. Sie verwirren und verängstigen auch die Bevölkerung. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man, wenn man vorschriftsgemäss das Radio einschaltet, nicht sofort erfährt, was Sache ist. Die logische Folge davon: Mit jedem Fehlalarm sinkt die Glaubwürdigkeit des Sirenenalarms.

Gebäude sind zu gut isoliert

Heuer sind die Fehlalarme gehäuft aufgetreten, weil das Alarmierungssystem erneuert wurde. «Wir gehen davon aus, dass der Grossteil mit der Umstellung auf Polyalert zusammenhängt», erklärt Kurt Münger, Sprecher des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (Babs). Vor ein paar Wochen hat sich die Waadt als letzter Kanton dem funkbasierten System für die Fernsteuerung von Sirenen angeschlossen. Gleichzeitig wurden zahlreiche alte Sirenen ausgemustert und ersetzt.

Alle Probleme der Bevölkerungsschützer sind damit aber nicht gelöst. Das liegt an den geänderten Lebensgewohnheiten der zu schützenden Bevölkerung. «Mit den Sirenen erreichen wir heute nicht mehr alle Leute», bestätigt Babs-Direktor Benno Bühlmann. Nur noch etwa die Hälfte der Bevölkerung nehme das Signal akustisch wahr und wisse auch, was bei Sirenenalarm zu tun sei. Der Urner führt das unter anderem auf den verbesserten Schallschutz in Gebäuden, aber auch auf die steigende Zahl von gehörlosen und hörbehinderten Personen sowie von Touristen zurück. Gerade in den grösseren Städten und Agglomerationen wissen immer weniger Leute, wozu ein Sirenenalarm überhaupt gut ist. Auf dem Land hingegen sei dessen Bedeutung noch stärker verankert.

Moderne Warnmittel als Ergänzung

Um das zu korrigieren, sollen in Zukunft zeitgemässe Warnmittel das bisherige System ergänzen. Der Sirenenalarm soll weiterhin als «erster Weckruf» dienen, wenn Naturkatastrophen wie Hochwasser oder ein Dammbruch oder gar ein terroristischer Anschlag droht. Zusätzlich setzt das Babs auf mobile Kommunikationskanäle und Online-Portale. Diese Methode hat den Vorteil, dass die zuständige Kantonspolizei, die in den meisten Fällen den Alarm auslöst, gleichzeitig auch Verhaltensanweisungen durchgeben kann. Das Radio einzuschalten, wird dann nicht mehr nötig sein.

Ein erster Schritt ist für 2017 geplant. Von da an soll die Alarmierung als Push-Nachricht über die bestehende Alert­swiss-App erfolgen, welche das Babs vergangenen Februar lanciert hatte. Davon können allerdings nur jene Nutzer profitieren, welche die App bereits auf ihr Handy oder Tablet heruntergeladen haben. Und das ist nur ein verschwindend kleiner Teil der Bevölkerung.

Das Fernziel ist denn auch ein anderes: Der Push-Alarm soll auf sämtlichen Mobiltelefonen erfolgen, deren Träger sich in der betroffenen Region aufhalten – unabhängig davon, ob sie eine App heruntergeladen haben oder nicht. Auf ihrem Handy sollen sie erfahren, welche Gefahr besteht und wie sie sich zu verhalten haben. Technisch sei dies möglich, versichert Bühlmann. Und bezüglich Datenschutz unbedenklich, da eine Einwegkommunikation geplant sei. Das heisst, den Behörden werden keine Daten über Handynutzer gemeldet, die sich im betreffenden Gebiet aufhalten.

Projekt startet nächstes Jahr

Wann das Ziel erreicht wird, kann der Babs-Chef noch nicht sagen – das entsprechende Projekt startet nächstes Jahr. Sicher ist nur: Wenn es dereinst umgesetzt ist, wird sich die Bevölkerung nicht mehr durch Fehlalarme verunsichern lassen.

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