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SCHWEIZ: Nach dem Abstimmungssonntag: Die Schönfärberei der Verlierer

Abstimmungsergebnisse sind eigentlich keine Interpretationssache. Eine Seite gewinnt, die andere verliert. Wenn man nach den Abstimmungen aber den Verlierern zuhört, kann man manchmal durchaus das Gefühl bekommen, dass die Sache doch nicht so einfach ist.
Michel Burschter
Mitglieder des Juso nehmen die Resultate der Abstimmungen im Musikbistro in Bern zur Kenntnis. (Bild: Keystone / Anthony Anex)

Mitglieder des Juso nehmen die Resultate der Abstimmungen im Musikbistro in Bern zur Kenntnis. (Bild: Keystone / Anthony Anex)

Wenn man nach den Abstimmungen aber den Verlierern zuhört, kann man manchmal durchaus das Gefühl bekommen, dass die Sache doch nicht so einfach ist. Denn sie versuchen dann jeweils mit viel Kreativität, die Niederlage doch noch irgendwie zu einem Erfolg umzudeuten.

Gutes Anschauungsmaterial dazu boten auch die Reaktionen zum jüngsten Abstimmungssonntag. Die Gewerkschaften beispielsweise wollten das klare Nein der Bevölkerung zur Initiative AHV plus keinesfalls als Absage an ihre Politik verstanden wissen. «Die Forderung nach höheren AHV-Renten hat einen grossen Rückhalt in der Bevölkerung», teilte der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) mit. Das klingt schon fast triumphal. Nur schade für den SGB, dass der Rückhalt nicht gross genug war, um die Abstimmung auch zu gewinnen.

SGB-Präsident Paul Rechsteiner doppelte gestern nach: «Auf dem Weg zu besseren AHV-Renten: Die erste Etappe ist geschafft», schrieb er in einer Mitteilung. Man reibt sich die Augen und ist doch ein bisschen verwirrt: Ein guter Start ins Rennen sieht wohl anders aus.

Die Grünen wiederum gaben sich am Sonntag bescheiden und zeigten, dass sie sich auch mit wenig zufriedengeben: Obwohl 64 Prozent der Stimmbürger ihre Initiative für eine «grüne Wirtschaft» abgelehnt hatten, sprachen sie von einem «Achtungserfolg». Warum? Weil der Anteil der Ja-Stimmen einige Prozentpunkte höher lag als der Wähleranteil der Parteien, welche die Initiative unterstützt haben.

Bleiben noch die Gegner des Nachrichtendienstgesetzes. Monatelang hatten sie lautstark vor den Gefahren des Überwachungsstaates gewarnt. Trotzdem blieben sie dann relativ ruhig, als ihr Referendum abgelehnt wurde. «Nach den Ereignissen dieses Sommers bin ich eigentlich eher positiv überrascht, dass wir wenigstens einen Drittel der Stimmen holen konnten», sagte der grüne Nationalrat Balthasar Glättli. Auch Juso-Präsidentin Tamara Funiciello schien zufrieden: «In einem Land mit so viel Behördengläubigkeit ist das nicht schlecht.» Man sieht: Die Politiker halten es bei Abstimmungen ein bisschen wie die Kinder beim Schulsport. Es kommt nicht so sehr darauf an, ob man gewinnt. Hauptsache, man war dabei.

Michel Burtscher, Inlandredaktor

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