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SCHWEIZ: Naturkatastrophen gehen ins Geld

Zwar ist die Zahl der Schadenfälle aufgrund von Naturereignissen heuer tiefer als im Durchschnitt der letzten Jahre. Weil die einzelnen Ereignisse aber höhere Kosten verursachen, erwartet die Versicherungsbranche dennoch ein Rekordjahr.
Richard Clavadetscher
Ein Bagger macht sich in Bondo an die Arbeit. (Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone (25. August 2017))

Ein Bagger macht sich in Bondo an die Arbeit. (Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone (25. August 2017))

Ob nun der Bergsturz von Bondo oder das Hochwasser in Zofingen, 2017 erscheint im Rückblick als Katastrophenjahr. Die Versicherungen können dies bestätigen: Die Zahlen seien zwar zurzeit noch wenig belastbar, heisst es etwa beim Schweizerischen Versicherungsverband. Aber die Aufwendungen der Mitglieder im Elementarschadenbereich lägen 2017 in der Schweiz insgesamt wohl um ein Drittel höher als im Vorjahr. In absoluten Zahlen: deutlich über 100 Millionen Franken, aber unter 150 Millionen. Auch die Antwort von David Schaffner, Sprecher der Zürich-Versicherung, einem der grossen Player, geht in diese Richtung: «Die Schäden dieses Jahres aufgrund von Naturereignissen liegen rund 50 Prozent über dem zehnjährigen Schnitt und betrugen bei Zürich Schweiz etwas mehr als 15 Millionen Franken.» Naturereignisse sind etwa Hochwasser, Steinschlag, Schneerutsche und Stürme.

Stellt man dieselbe Frage jedoch Arthur Sandri, Chef der Sektion Rutschungen, Lawinen und Schutzwald in der Abteilung Gefahrenprävention des Bundesamts für Umwelt (Bafu), tönt es anders: Ereignisse wie Lawinenniedergänge, Hochwasser sowie Rutschungen und Steinschlag waren zahlenmässig im zu Ende gehenden Jahr «unterdurchschnittlich», wie es Sandri nennt.

Weniger Ereignisse – höhere Schäden

Die unterschiedlichen Antworten sind kein Widerspruch. Sie bedeuten lediglich, dass 2017 vergleichsweise weniger Ereignisse zu höheren Schäden führten. Denkt man an die Bilder vom Bergsturz von Bondo und dessen Folgen sowie an jene vom Hochwasser in Zofingen, ist dies einsichtig: Heute und im Unterschied zu früher ist in Gebäuden die Haustechnik im Kellergeschoss untergebracht, was bei einem Murgang oder einem Hochwasser zu Schäden führt, die schnell ins Geld gehen. Kein Wunder deshalb, dass Versicherungen erheblichen Aufwand im Bereich Prävention betreiben. Das beginnt schon mit einem Online-Tool, wie es etwa die Zürich-Versicherung erarbeitet hat, wo jedermann das Gefahrenpotenzial ermitteln kann, dem sein Zuhause ausgesetzt ist. «Besteht eine Gefahr, zeigt es der Naturgefahren-Radar an», sagt dazu Ralph Echensperger, Leiter Schaden und Geschäftsleitungsmitglied bei Zürich Schweiz.

Nun haben Bauten im Allgemeinen eine lange Lebensdauer. Sinnvoll ist Prävention dann, wenn nicht nur das aktuelle Gefahrenpotenzial eingeschätzt wird, sondern auch das künftige: Wie sieht es mit den Risiken aus, wenn die klimatischen Bedingungen ändern? Immerhin hat sich das Klima der Schweiz in den letzten Jahrzehnten verändert, und es wird dies aller Voraussicht nach weiter tun.

Naturgefahren nehmen wahrscheinlich zu

Antworten darauf liefert der eben vom Bafu veröffentlichte Bericht «Klimabedingte Risiken und Chancen», der bis ins Jahr 2060 vorausschaut. Die Risiken überstiegen die Chancen bei Weitem, kommt der Bericht zum Schluss. Und er erwähnt insbesondere auch die Zunahme von Naturgefahren. Häufigkeit und Intensität von extremen Ereignissen wie Hochwasser, Erdrutschen hätten Auswirkungen bis hinein in wirtschaftliche Bereiche.

So rechnet der Bericht für die Zukunft etwa mit einem leicht steigenden Hochwasserrisiko sowie mit einem Hochwasser-Zeitraum, der bis ins Winterhalbjahr hineinreicht. Da die Siedlungen weiterwachsen, ist davon auszugehen, dass immer mehr Menschen, Sachwerte und Infrastrukturen betroffen sein werden.

Auch mehr Massenbewegungen (Felssturz, Steinschlag und Rutschungen) erachtet der Bafu-Bericht als wahrscheinlich. Als Ursachen nennt er den Gletscherrückzug sowie den auftauenden Permafrost. Dies könne «lokal schwerwiegende Folgen haben» und künftig auch Gebiete angehen, die bis anhin davon nicht betroffen sind.

Da Aussagen über Naturgefahrenereignisse auf lange Sicht aber mit erheblichen Unsicherheitsfaktoren behaftet seien, würden Kantone und Gemeinden nicht umhinkommen, künftig die Risiken regelmässig neu zu beurteilen.

Bondo und Zofingen waren zwei herausragende Schadenereignisse des zu Ende gehenden Jahres. Es könnte künftig mehr davon geben.

Richard Clavadetscher

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