SCHWEIZ: So kommen Sie sicher durch den Schnee und eisglatte Strassen

Die Temperaturen sinken in den Keller und auf den Strassen kommt es vermehrt zu Unfällen aufgrund von Schneefall und Eisglätte. Mit diesen Tipps des Versicherers Axa Winterthur kommen Sie sicher ans Ziel.

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Mit derart winzigen eisfreien Gucklöchern in der Frontscheibe darf ein Auto nicht gefahren werden. (Bild: Kantonspolizei St. Gallen)

Mit derart winzigen eisfreien Gucklöchern in der Frontscheibe darf ein Auto nicht gefahren werden. (Bild: Kantonspolizei St. Gallen)

1. Gucklochfahrer aufgepasst

So mühsam das Freikratzen der Autoscheiben sein kann – es führt kein Weg daran vorbei. Wer sich damit begnügt, nur mit einem «Guckloch» loszufahren, gefährdet durch die eingeschränkte Sicht sich und andere Verkehrsteilnehmer. Neben den Scheiben sollten auch Rückspiegel und Rücklichter von Schnee und Eis befreit werden – und auch das Fahrzeugdach sollte man von Schnee freimachen. Denn der wegfliegende Schnee könnte den nachfolgenden Verkehr stören oder dem Fahrer selbst die Sicht verdecken, wenn der Schnee beim Bremsen nach vorne auf die Windschutzscheibe rutscht. Wer mit vereisten Scheiben oder Schnee auf dem Auto einen Unfall verursacht, riskiert eine Leistungskürzung seitens des Versicherers.

Tipps für ein möglichst effizientes und müheloses Eiskratzen am Morgen:

  • Am Abend die Autoscheiben mit einer Alumatte oder einer Wolldecke abdecken.
  • Am Morgen etwas mehr Zeit einrechnen, um die Scheiben freizukratzen.
  • Eiskratzer und Schneebesen stets griffbereit haben (im Auto wie auch zu Hause).
  • Warme Handschuhe fürs Eiskratzen unterwegs im Auto deponieren und einen Schwamm für die von innen beschlagenen Scheiben griffbereit halten.
  • Scheiben mit Nano-Spray versiegeln, so dass sie weniger vereisen.
  • Ein Enteisungsspray kann das Scheibenkratzen erleichtern und zum Schutz der Scheibenwischer dienen, damit sie nicht gefroren über die Scheiben rattern und dabei Schaden nehmen.
  • Eventuell eine Standheizung einbauen, die per Funk die Scheiben enteist, während man unter der Dusche steht oder frühstückt.

2. Weniger Sicherheit durch dicke Winterkleidung

Bei eisiger Kälte hat man wenig Lust, im Auto die Jacke auszuziehen. Doch es gibt einen guten Grund, es trotzdem zu tun: Wer eine dicke Winterjacke trägt, ist weniger gut geschützt. Zu tun hat dies mit dem Gurt, oder genauer: mit dem Abstand zwischen Sicherheitsgurt und Körper. Bettina Zahnd, Leiterin Unfallforschung & Prävention bei der AXA Winterthur, erklärt: «Nach dem Aufprall werden zuerst die voluminösen Textilien komprimiert, erst dann wird der Körper vom Gurt abgebremst. Daunenjacken und Ähnliches sind für Autofahrten daher ungeeignet.» Entscheidend ist, dass der Gurt möglichst straff anliegt und korrekt platziert ist. Ein Puffer von wenigen Zentimetern kann im Extremfall darüber entscheiden, ob man mit dem Schrecken davonkommt oder schwere Verletzungen erleidet.

3. Bei Eis und Schnee dreimal mehr Abstand halten

Eine Faustregel besagt: Um auf schneebedeckter oder vereister Fahrbahn einen vergleichbaren Bremsweg wie auf trockener Strecke zu haben, darf man nur einen Drittel so schnell unterwegs sein. Fahren Sie je nach Witterung also entsprechend langsamer und halten Sie einen Sicherheitsabstand zum vorderen Fahrzeug, der dreimal so gross ist, wie unter normalen Witterungsbedingungen. So bleibt auch bei verminderter Bodenhaftung genügend Zeit zum Bremsen. Besonders vorsichtig sollte man in Kurven, Kreuzungen und auf Brücken fahren.

Bei Fahrzeugen mit ABS gilt auch im Winter: im Notfall immer so schnell und hart wie möglich auf das Bremspedal treten. Das Antiblockiersystem entfaltet nur dann seine volle Wirkung, wenn das Pedal maximal durchgedrückt und auch gehalten wird.

4. Rutschige Strassen erfordern mehr Gefühl

Auch im Winter möchte man möglichst schnell von A nach B kommen, das geht uns allen so. Aber: Je frostiger das Wetter, desto gefühlvoller sollte man fahren und sich mehr Zeit einplanen, selbst wenn man es eilig hat. Wer gefühlvoll anfährt, die Kupplung langsam kommen lässt und vorsichtig Gas gibt, hat bessere Chancen, dass die Räder nicht durchdrehen und der Wagen richtig spurt.

Bei manueller Schaltung: Beim Anfahren den zweiten Gang benützen, um ein Durchdrehen der Räder zu verhindern, und möglichst früh in einen höheren Gang wechseln. Generell empfiehlt es sich, bei Schnee untertourig zu fahren. Denn auch im zweiten oder dritten Gang neigen die Räder bei einer höheren Umdrehungszahl noch zum Durchdrehen.

5. Checkliste: Das sollten Sie in Ihrem Auto haben

Wer bei Schnee und Eis mit dem Auto unterwegs ist, ist gut beraten, folgende Dinge stets dabei zu haben:
• Eiskratzer, Schneebesen
• Scheibenwaschmittel mit Frostschutz
• Schneeketten
• Überbrückungskabel*
• Abschleppseil
• Warnwesten
• Taschenlampe
• Wolldecken
• Handy mit vollem Akku
• Defrosterspray bei vereistem Schlüsselloch (nicht im Auto aufbewahren – sonst kommt man im Notfall nicht mehr ran)

* Die Autobatterie wird bei niedrigen Temperaturen stärker beansprucht, was vor allem bei Kurzstreckenfahrten problematisch sein kann. Im Winter ist die Wahrscheinlichkeit daher grösser, dass das Fahrzeug mal nicht anspringt – insbesondere, wenn man öfter Kurzstrecken fährt. Lassen Sie die Batterie alle paar Jahre prüfen und vergessen Sie nicht, ein Überbrückungskabel mitzuführen.

6. Sommerpneus verboten

Wer jetzt noch Sommerpneus montiert hat, hat den richtigen Zeitpunkt für den Reifenwechsel definitiv verpasst. Entweder sollt man dies möglichst rasch nachholen oder während der frostigen Zeit auf ÖV umsteigen. Wer trotzdem das Auto benützen muss, sollte besonders vorsichtig und vorausschauend fahren. Denn auch wenn in der Schweiz keine gesetzliche Pflicht für Winterreifen besteht, sollte man das Fahren mit Sommerpneus nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wer bei winterlichen Temperaturen und verschneiten Strassen mit Sommerreifen einen Unfall verursacht, muss je nach Sachlage mit einer Leistungskürzung des Versicherers rechnen.

Wer sich dafür entscheidet, das Auto für den Rest des Winters gleich ganz in der Garage stehen zu lassen, sollte nicht vergessen, die Nummernschilder zu deponieren. So kann man auch bei der Autoversicherung sparen.

Für Winterreifen gilt die 4x4x4-Regel: vier gleiche Winterreifen verwenden, die höchstens vier Jahre in Gebrauch sind und mindestens vier Millimeter Profiltiefe haben.

pd/nop


Auf rutschigen Strassen ist Gefühl gefragt. (Bild: Stefan Kaiser / ZZ)

Auf rutschigen Strassen ist Gefühl gefragt. (Bild: Stefan Kaiser / ZZ)

Zum jetzigen Zeitpunkt darf kein Autofahrer mehr ohne Winterreifen unterwegs sein. (Bild: Keystone)

Zum jetzigen Zeitpunkt darf kein Autofahrer mehr ohne Winterreifen unterwegs sein. (Bild: Keystone)

Bei Schnee und Kälte sollten die Autofahrer einen dreimal grösseren Sicherheitsabstand wahren, als bei normalen Witterungsverhältnissen. (Archivbild: LZ)

Bei Schnee und Kälte sollten die Autofahrer einen dreimal grösseren Sicherheitsabstand wahren, als bei normalen Witterungsverhältnissen. (Archivbild: LZ)

Ein Autofahrer befreit seine Autoscheibe vom Eis. (Bild: Archiv NZ)

Ein Autofahrer befreit seine Autoscheibe vom Eis. (Bild: Archiv NZ)