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Schweizer Botschafter lässt YouTube-Video sperren

Im Betrugsfall um eine ehemalige Lokalangestellte hat der Missionschef in Moskau bei der Plattform die Entfernung eines Videos veranlasst.
Lorenz Honegger
Tatort Moskau: Die Schweizer Botschaft in Russland ist eine der grössten Auslandsvertretungen der Eidgenossenschaft. (Bild: Petra Orosz/Keystone, 2. Juli 2019, Moskau)

Tatort Moskau: Die Schweizer Botschaft in Russland ist eine der grössten Auslandsvertretungen der Eidgenossenschaft. (Bild: Petra Orosz/Keystone, 2. Juli 2019, Moskau)

Wenn Schweizer YouTube-Nutzer das dreieinhalb Minuten lange Video auf dem Konto der ehemaligen russischen Botschaftsangestellten Natalia P.* aufrufen wollen, erwartet sie ein schwarzer Bildschirm mit einem grossen Ausrufezeichen: «Video nicht verfügbar.» Der Film sei aufgrund einer richterlichen Untersagungsverfügung für die Schweizer Landes-Domain entfernt worden, heisst es weiter.

Eine Nachfrage beim Bund ergibt, dass der Schweizer Botschafter in Moskau, Yves Rossier, und das Aussendepartement (EDA) bei der US-Videoplattform die Entfernung des Videos veranlasst haben. «Um zu verhindern, dass über den schweizerischen Botschafter in Moskau ungerechtfertigte und persönlichkeitsverletzende Vorwürfe verbreitet werden», erklärt ein EDA-Sprecher gegenüber CH Media mit Verweis auf die Arbeitgeberfürsorgepflicht.

EDA dementiert Vorwürfe im Video

Die Urheberin des gesperrten Videos war bis vor wenigen Monaten Assistentin des Schweizer Generalkonsuls in Russland und wird verdächtigt, während Jahren mit gefälschten Rechnungen und Arztzeugnissen sowie einem fingierten Invaliditätszertifikat fünf Millionen Rubel oder rund 75'000 Franken erschlichen zu haben.

Ausserhalb der Eidgenossenschaft ist das gesperrte YouTube-Video weiterhin verfügbar. Es zeigt eine Frau mittleren Alters, die auf einem Holzstuhl sitzt und freundlich in die Kamera schaut: «Guten Tag, mein Name ist Natalia P.*, ich war 17 Jahre Lokalangestellte bei der Schweizer Botschaft in Moskau. Und jetzt möchte ich Ihnen erzählen, wie der Schweizer Botschafter Yves Rossier ist.»

Endstation: Das Video einer ehemaligen Lokalangestellten der Schweizer Botschaft in Moskau ist für hiesige Nutzer gesperrt. (Screenshot YouTube)

Endstation: Das Video einer ehemaligen Lokalangestellten der Schweizer Botschaft in Moskau ist für hiesige Nutzer gesperrt. (Screenshot YouTube)

Mit ruhiger Stimme und fast akzentfreiem Hochdeutsch trägt sie eine ganze Serie an Vorwürfen an die Adresse des Schweizer Botschafters vor: Rossier betreibe Mobbing gegen sie, habe sie bei Schweizer Unternehmen in Russland angeschwärzt und sie «sexuell belästigt». Ein schwerwiegender Vorwurf, den Natalia P. auch gegenüber anderen Medien vorbrachte und der Grund dafür sein dürfte, dass der Botschafter bei YouTube den Entfernungsantrag eingereicht hat.

Das Aussendepartement schreibt in einer Stellungnahme, es habe alle von P. hervorgebrachten Vorwürfe untersucht und spreche Rossier und seinem Team sein volles Vertrauen aus.

Das Strafverfahren der russischen Behörden gegen Natalia P. läuft. Sie rechnet in diesen Tagen mit der Anklagerhebung, wie sie vergangene Woche der Redaktion Tamedia sagte.

Weniger Bargeld zur Minderung des Betrugsrisikos

Für die Zukunft bleibt die Frage, wie sich gravierende Betrugsfälle wie in Moskau verhindern lassen, ohne alle einheimischen Mitarbeiter von Schweizer Auslandvertretungen unter Verdacht zu stellen. Weltweit arbeiten 3122 Lokalangestellte für Botschaften und Konsulate (Stand September 2019).

«Es wäre falsch, wenn aufgrund der Machenschaften einer Lokalangestellten der Eindruck entstehen sollte, dass das Lokalpersonal insgesamt eine Risikogruppe darstellt», sagt ein EDA-Sprecher. Pro Jahr gebe es «nur einzelne fristlose respektive ausserordentliche Entlassungen». Auch zu Strafanzeigen komme es nur in absoluten Ausnahmefällen.

Um das Betrugsrisiko dennoch weiter zu minimieren, fördert das Aussendepartement laut eigenen Angaben den Einsatz von Kreditkarten und versucht den Bargeldverkehr soweit als möglich zu reduzieren. Aus demselben Grund platzieren die Botschaften und Konsulate auf ihren Internetseiten und in Wartesälen Gebührenlisten.

Ein Restrisiko könne nie ganz ausgeschlossen werden, heisst es beim EDA. «Je nach Fall dürfte zur kriminellen Energie auch die entsprechende Kreativität hinzukommen, um Delikte zu verschleiern.»

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