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SCHWEIZER FERNSEHEN: «Wir halten uns an die Spielregeln»

Werden die Champions-League-Spiele künftig nicht mehr auf den SRG-Kanälen zu sehen sein? Noch sei nichts verloren, sagt Sportchef Roland Mägerle und kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen.
Eva Novak
Das SRF-Kommentatorenteam bei einem Champions-League-Spiel des FC Basel. (Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus (Basel, 13. September 2016))

Das SRF-Kommentatorenteam bei einem Champions-League-Spiel des FC Basel. (Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus (Basel, 13. September 2016))

Interview: Eva Novak

Roland Mägerle, wird das Schweizer Fernsehen die Champions-League-Spiele ab der übernächsten Saison noch übertragen oder nicht?

Die SRG steht mit der Vermarktungsagentur des europäischen Fussballverbandes Uefa weiterhin in Verhandlungen. Wir halten uns an die Spielregeln und kommunizieren erst, wenn diese abgeschlossen sind. Aufgrund der bisherigen Gespräche bin ich zuversichtlich, dass wir auch ab der Saison 2018/19 in allen Sprachregionen der Schweiz regelmässig live über die Top-Spiele der Champions League ebenso wie der Europa League werden berichten können.

Falls nicht: Wie viel Geld könnten Sie sparen?

Vom SRG-Gesamtbudget von 1,6 Milliarden Franken pro Jahr geben wir für sämtliche Sportrechte durchschnittlich 51,2 Millionen Franken aus, also nur ­einen kleinen Teil. Davon machen die Champions League und die Europa League wiederum nur einen kleinen Teil aus. Allein das Fussballrechte-Paket beinhaltet zusätzlich die Swiss Football League, den Schweizer Cup, die Frauen- und Männer-Nationalmannschaft sowie die EM- und WM-Endrunden.

Also könnten die Konzessionsgebühren nicht zusätzlich sinken, selbst wenn Sie die Champions-League-­Rechte verlieren?

Die Gebührenhöhe legt der Bundesrat fest, nicht die SRG. Wenn man aber die Relationen vergleicht, dann besteht kein nennenswerter Spielraum.

In den letzten Tagen ist der Eindruck entstanden, die grosse SRG könne sich nicht gegen einen verhältnismässig kleinen Bezahlsender durchsetzen. Das kann Sie nicht freuen.

Wir müssen wirklich die Verhandlungen abwarten, um zu sagen, was wir in Zukunft an europäischem Fussball zeigen können. Ich bin sehr zuversichtlich, es wird einiges sein. Und was Teleclub betrifft: Nachdem er zur Swisscom gehört, ist das nicht einfach ein kleiner Pay-TV-Sender, sondern hat durchaus grosses Gewicht.

Wie hoch setzen Sie den Stellenwert der Champions League an?

Im Moment ist er sehr hoch und kann sogar noch gesteigert werden. Das Produkt ist gut, wird gerne geschaut und vom Publikum geschätzt. Wie weit sich aber die Spirale weiterdreht, wie wir sie vor allem im Ausland mit dem Geschäftsmodell des Bezahlfernsehens beobachten, kann ich nicht beurteilen.

Man muss Ihnen den Daumen drücken ...

… es freut mich, dass Sie das tun!

… denn das Timing für die SRG ist ungünstig: Ausgerechnet um den Jahreswechsel 2018/19 wird über die No-Billag-Initiative abgestimmt, welche die Empfangsgebühren abschaffen will. Deren Chancen steigen, wenn Sie in den Verhandlungen den Kürzeren ziehen.

Wir gehen mit den Gebühren­geldern sehr haushälterisch um. Gleichzeitig schaffen wir es, qualitativ hochstehende Sportprogramme zu zeigen.

Die Sportverbände wollen immer mehr Geld für Übertragungsrechte. Macht Ihnen das keine Sorgen?

Sicher ist das eine ganz grosse Herausforderung. Es stimmt auch, dass unsere Mittel für die Sportrechte beschränkt sind. Künftig werden sie sicher nicht steigen, sondern tendenziell eher noch sinken. Aber im Moment schätzen wir uns glücklich, dass wir in praktisch allen wichtigen Sportarten die Rechte für die nächsten drei bis fünf Jahre verlängern konnten. Im internationalen Fussball gilt das bis und mit WM 2022. Wir haben die Eishockey-Liga und -WM, wir haben die Olympischen Spiele Pyeongchang 2018 und Tokio 2020. Auch den Tennisbereich und den Wintersport, um weitere Beispiele zu nennen, konnten wir uns für die nächsten fünf Jahre sichern. Es ist aber schon so, dass wir uns Gedanken darüber machen, mit welcher Sportstrategie wir in die künftigen Verhandlungen steigen wollen, damit wir weiter als Player im Markt bestehen können.

Welche Schlüssen ziehen Sie?

Wir können uns auf unsere Stärken berufen. Das sind die Verbreitung in allen Sprachregionen, die Qualität in Produktion und Programm und die Verlässlichkeit als Partner. Aber eben, die finanziellen Mittel sind beschränkt.

Sie können nur darauf hoffen, dass die Sportverbände mehr Zuschauer höher gewichten als mehr Einnahmen?

Genau diese Frage müssen sich die Verbände stellen. Sie müssen auch daran denken, dass sich der Sport in der Schweiz nicht refinanzieren lässt. Deshalb kann eine grosse Verbreitung auch ein wichtiges Argument sein.

Wird die SRG Olympia 2022 noch übertragen?

In der heutigen Zeit des digitalen Wandels gibt es keine Garantien. Gerade im Bereich von Olympia bin ich aber zuversichtlich, dass wir unseren Vorteil des Schweizer Fokus ausspielen zu können – die Tatsache, dass wir die Schweizer Athletinnen und Athleten stark in den Vordergrund stellen. Das kann eine Rolle spielen. Dennoch wage ich keine Prognose für die Zukunft. Denn gerade die letzten paar Monate haben gezeigt, dass der Markt dafür zu stark im Umbruch ist.

Hinweis

Roland Mägerle (48), Sportchef beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) und Leiter der Geschäftseinheit Sport bei der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG).

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