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SCHWEIZER SPION: Aus Mister M wurde Herr Moser

Nach seiner Verurteilung in Deutschland hat der vom Nachrichtendienst angeheuerte Agent sein Schweigen gebrochen und sein Geheimnis verloren.
Balz Bruder
Daniel Moser, hier vor Gericht in Frankfurt, hat sich nach seiner Verurteilung wegen Spionage in Deutschland erstmals in den Medien geäussert. (Archivbild) (Bild: Keysstone)

Daniel Moser, hier vor Gericht in Frankfurt, hat sich nach seiner Verurteilung wegen Spionage in Deutschland erstmals in den Medien geäussert. (Archivbild) (Bild: Keysstone)

Nun wissen wir es also. Hinter dem M steckt ein Moser. Daniel Moser. Seines Zeichens ehemaliger Zürcher Kriminal­beamter und Sicherheitsmann, jüngst in die Zeitgeschichte eingegangen als ins Recht gefasster Spion, nachdem ihn das Oberlandesgericht Frankfurt am 9. November wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit zur 22 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt hat. So weit zu den Fakten über jenen Mann, der im Auftrag des Schweizer Nachrichtendienstes deutsche Steuerfahnder ausgeforscht hat.

Damit wäre die Sache eigentlich gegessen. Doch mit Agenten ist es so eine Sache. Sie kommen in Romanen und Filmen häufiger vor als in der Realität. So jedenfalls ist an­zunehmen. Weil: Genaueres wissen wir nicht. Was wiederum in der Natur der Sache beziehungsweise des Metiers liegt, das nicht für Transparenz gemacht ist. Deshalb umflort auch die richtigen Agenten, also jene, die nicht dem Plot eines Autors oder Drehbuchschreibers entsprungen sind, Verwegen-Klandestines ebenso wie ­Romantisch-Fantasiehaftes.

Nur, sage uns einer, was ein richtiger Agent ist. Oder, anders gefragt: Ist Daniel M., der sich diese Woche freiwillig als Daniel Moser geoutet hat, ein solcher? Die Antwort fällt nicht einfach. Vielleicht aber geht sie so: Mosers Daniel ist ein Agent schweizerischer Prägung. À la: Jedes Land bringt die Agenten hervor, die es verdient. Der Nachrichtendienst jedenfalls hat beim Anheuern von Daniel M. ganze Arbeit geleistet. Wie sonst wäre es möglich geworden, dass ein gefallener Agent in einer Boulevardzeitung nach gescheiterter Mission «zum ersten Mal über seine Spionage in Deutschland, seine Haft und seine Zukunft» sprechen kann? Und ein Privatsender gleichzeitig ein Exklusiv-Interview ausstrahlt? Eben.

Immerhin wissen wir jetzt: Daniel Moser war kein Doppelagent. Was insofern beruhigend ist, als sich der 54-jährige Familienvater weiterhin guten Gewissens als «Patriot» bezeichnen darf. Und das tut er gern. Denn er ist «stolz, Schweizer zu sein». Selbstredend empfand er es als «Riesensauerei, dass die deutschen Steuerbehörden gestohlene Schweizer Bankdaten von deutschen Kunden ankauften», wie er dem «Blick» erzählte. Apropos Sauerei: Dass Daniel Moser ausgerechnet von seinem deutschen Geschäftspartner verpfiffen wurde, gibt der ganzen Geschichte eine unnötig erscheinende Tragik. Als ob Moser nicht schon genug gestraft wäre. Der Geprellte sagt es so: «In diesem Business riskiert man, das man beschissen wird.»

Was nun, Daniel Moser? «Ich packe mein Geschäft wieder an und versuche, auf die Beine zu kommen», gibt sich der finanziell von der Geschichte Ruinierte vorsichtig zuversichtlich. Ob er den Nachrichtendienst für seine Unkosten in Deutschland belangen wird, ist dabei noch offen. «Wir werden uns dies sorgfältig überlegen», sagt Moser-Anwalt Valentin Landmann. Und schiebt nach: «Wir suchen nicht den Krieg, sondern eine faire Lösung.»

Auch dies tönt gut schweizerisch. Aus dem nüchternen und manchmal harten Alltagsleben gegriffen. Wenig angetan für eine Story zwischen zwei Buchdeckeln oder auf der Leinwand. Aber für einen Dokumentarfilm wenigstens könnte es reichen. Das wäre dann wahrer Service public, der ohne Reality-TV auskommt. Weil die Realität die Fiktion zuweilen überholt.

Balz Bruder

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