Schweizer Spitallandschaft: Zeit für einen echten Wurf

Autor Balz Bruder über die hohe Anzahl von Krankenhäusern in der Schweiz.
Balz Bruder
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Die Schweizer Spitallandschaft ist auf kleinem Raum sehr gross. Fast 300 Spitäler stehen unserer wachsenden und alternden Gesellschaft zur Verfügung. Das ist weltrekordverdächtig. Auch in Bezug auf die steigenden Kosten, die das System produziert. Die Preisfrage lautet so: Wie gelingt es, eine qualitativ gute und für alle zugängliche Versorgung sicherzustellen, ohne die Kosten ins Unermessliche wachsen zu lassen? Guter Rat ist teuer. Denn jene, die ihre Leistungen zu guten Bedingungen an den Patienten bringen, haben mässig Lust, ihr Geschäfts­modell zu ruinieren.

Bleiben also die Kantone. Ihnen gehören Spitäler, die sie selber beaufsichtigen, sie kaufen die Leistungen ein, die sie mehrheitlich bezahlen, und sie schaffen darüber hinaus auch noch Recht für alle. Ein Interessenkonflikt sondergleichen. Darin ist dem Think Tank Avenir denn auch beizupflichten: Die Mehrfachrolle der Kantone muss aufgelöst werden. Ob es allerdings gescheit ist, jenen die Instrumente der Planung aus der Hand zu nehmen, die am Ende die Versorgung der Bevölkerung gewährleisten müssen, ist fraglich. Besser wäre es, in grösseren Einheiten zu denken, zum Beispiel in fünf bis sieben Spitalregionen, in denen eine qualitativ gute, bedarfsgerechte und wohnortsnahe Behandlung möglich wäre. Es würde die Kantone bei identischen Qualitäts- und Kostenvorgaben zwingen, über den eigenen Gartenzaun zu denken und sich vom Heimatschutz ihrer Spitäler zu verabschieden.

Das wäre der Versuch eines echten Wurfs. Und nicht bloss fortgesetzte Mikromechanik an einem als missliebig empfundenen System.

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch

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