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Schwergewicht winkt ab – Chancen für CVP-Frauen als Nachfolge von Doris Leuthard steigen

Auch der Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber will nicht Nachfolger von Doris Leuthard werden. Der CVP kommen damit langsam aber sicher die Bundesratskandidaten abhanden.
Roger Braun
Konrad Graber ist seit 2007 CVP-Ständerat. Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 12. Juni 2018)

Konrad Graber ist seit 2007 CVP-Ständerat. Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 12. Juni 2018)

Wann geht Doris Leuthard? Derzeit häufen sich wieder einmal die Gerüchte über einen möglichen Rücktritt der CVP-Bundesrätin. Spätestens in der Herbstsession soll es so weit sein, sind sich viele Beobachter einig.

Doch ausgerechnet jetzt verabschiedet sich eine der aussichtsreichsten Kandidaten aus dem Rennen: Konrad Graber. Vor den Delegierten gab der Luzerner CVP-Ständerat am Mittwochabend bekannt, dass er sich Ende 2019 aus der Politik zurückziehe - und damit auch für den Bundesrat nicht zur Verfügung stehe. Er sei bei bester Gesundheit und weiterhin von der Politik angetan, sagte der 60-Jährige. Doch es gebe auch ein Leben nach der Politik.

Ein Mann der unerwarteten Allianzen

Die Verzichtserklärung des Wirtschafts- und Sozialpolitikers trifft die CVP hart. Graber hatte eine natürliche Autorität wie kaum jemand anderer. Unvergessen, wie er im hitzigen Steuerstreit mit den USA nachts um halb 2 vor die Medien trat und in aller Ruhe die Entscheide der Wirtschaftskommission zur Lex USA erläuterte.

Graber düpierte den politischen Gegner auch wiederholt mit überraschenden Allianzen. Er war treibende Kraft hinter der Rentenreform, die er gegen erbitterten Widerstand von SVP und FDP durchs Parlament brachte, dann aber in der Volksabstimmung scheiterte. Dieses Jahr verblüffte er die Öffentlichkeit mit einer wagemutigen Verknüpfung der gescheiterten Unternehmenssteuerreform mit einer Finanzspritze für die AHV, die auf gutem Weg ist, nach dem Ständerat auch im Nationalrat eine Mehrheit zu finden.

Topkandidaten sagen ab oder sind geschwächt

Bescheiden, pflichtbewusst, kompromissfähig: Viele sahen in Graber den perfekten Bundesrat – doch daraus wird jetzt nichts. Stattdessen findet sich die CVP in einer schwierigen Ausgangslage wieder. Einst verfügte sie über eine stattliche Anzahl hochkarätiger Kandidaten.

Zuvorderst standen drei Männer: der staatsmännische Graber, der wortgewaltige CVP-Präsidenten Gerhard Pfister sowie der ehemalige Regierungsrat Stefan Engler, den seriösen und bescheidenen Schaffer, den irgendwie fast alle mögen.

Nach der Verzichtserklärung von Graber und Pfister verbleibt aus diesem Trio nur noch Engler. Doch der Bündner Ständerat ist geschwächt, seit im Engadin ein gigantisches Baukartell aufgeflogen ist. Engler war nicht nur Präsident einer der involvierten Baufirmen, sondern verantwortete während der fraglichen Zeit auch das kantonale Baudepartement. Derzeit untersucht eine parlamentarische Kommission das Verhalten der damaligen Regierung und Verwaltung. Bis Engler einen Persilschein erhält, dürfte es für den Bündner schwierig werden, gewählt zu werden.

Chancen für Frauen steigen

Mit dem Verzicht von Graber richtet sich der Blick verstärkt auf die Frauen der CVP. Mit dem Rücktritt von Leuthard verbliebe mit Simonetta Sommaruga eine einzige Frau im Gremium. Entsprechend sieht sich die CVP gefordert, dem Bundesparlament mindestens eine Kandidatin zu präsentieren.

Die besten Karten dürften dabei die beiden Nationalrätinnen Viola Amherd und Elisabeth Schneider-Schneiter haben. Amherd ist Vizefraktionschefin und verfügt als ehemalige Briger Gemeindepräsidentin über Exekutiverfahrung. Ihre zurückhaltende und konstruktive Art wird parteiübergreifend geschätzt. Da sie links der Mitte politisiert, dürfte sie jedoch nur wenige Stimmen bei FDP und SVP machen.

Die Baselbieterin Schneider-Schneiter orientiert sich dagegen nach rechts. Sie präsidiert die Wirtschaftskammer beider Basel und sitzt im Vorstand des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. Auch gehört sie der Parteileitung der CVP an. Weitere Frauen mit Chancen sind die Zürcher Regierungsrätin Silvia Steiner sowie die Chefin des Bundesamts für Kultur und ehemalige Regierungsrätin Isabelle Chassot (FR).

Oder doch erstmals ein Bundeskanzler?

Aufseiten der Männer wird auch der Solothurner Ständerat Pirmin Bischof als Kandidat gehandelt. Nicht totzukriegen ist zudem das Gerücht, dass Bundeskanzler Walter Thurnherr sich zur Wahl stellen könnte, wenn die Partei keinen mehrheitsfähigen Kandidaten zu finden vermag. Thurnherr macht in den Augen vieler einen guten Job und gilt als brillanter Analytiker. Allerdings hat Thurnherr wiederholt sein Desinteresse an einer Kandidatur bekundet. Zudem wäre er der erste Bundeskanzler, dem der Sprung zum Bundesrat gelänge.

Denkbar sind weitere Kandidaturen aus den Kantonen, wo die CVP eine relativ starke Stellung hat. Dabei dürfte vor allem Benedikt Würth aus St.Gallen in Frage kommen, der als Präsident der Kantonsregierungen in Bern kein Unbekannter ist.

Konrad Grabers Politik-Karriere in Bildern: Konrad Graber (rechts) während der Delegiertenversammlung der CVP Kanton Luzern in Schenkon im April 1999. Damals amtete er als Präsident. (Bild: Archiv LZ)
Konrad Graber besucht das CVP-Frauenfest in Altishofen im Mai 1999 und stösst mit Marianne Moser (v.l.) , Rösy Blöchliger, Brigitte Mürner, Rosmarie Dormann, Klara Röösli und Ida Glanzmann beim Schloss Altishofen an. (Bild: Archiv LZ)
Konrad Graber übergibt 2001 das Präsidentenamt der CVP Luzern an Ruedi Lustenberger. (Bild: Archiv LZ)
Die VBL stellt im November 2006 ihren ersten Doppelgelenktrolleybus im Fahrzeugdepot in Luzern der Öffentlichkeit vor. Mit dabei sind der damalige VBL-Verwaltungsratspräsident Konrad Graber (v.r.), Paul Wirth von der Hess AG, VBL-Direktor Norbert Schmassmann und VBL-Chef Technik Walter Sennrich.
(Archiv LZ)
Die CVP Luzern nominiert im Mai 2007 ihre Ständeratskandidaten im Kulturzentrum Braui in Hochdorf. Einer der drei Kandidaten ist Konrad Graber-Wyss. (Bild: Archiv LZ)
Konrad Graber ist ein passionierter Orientierungsläufer und posiert daher im entsprechenden Tenue vor seinem Heimatort Grossdietwil im September 2007.
(Bild: Archiv LZ)
Konrad Graber (2.v.r.) nahm gemeinsam mit anderen Kandidaten an der Veranstaltung «KMU-Arena» im September 2007 in Emmen teil. Bei der Arena beantworteten die Ständerats- und Nationalratskandidaten verschiedene Fragen. Die weiteren Kandidaten (v.r.): Pius Zängerle (am Mikrofon), Walter Häcki, Helen Leumann-Würsch, Felix Müri, Albert Vitali, Yvette Estermann, Ruedi Stöckli. (Bild: Philipp Schmidli)
Konrad Graber und Helen Leumann während den National- und Ständeratswahlen im Oktober 2007 in Luzern. Konrad Graber wird als Luzerner Ständerat gewählt. (Bild: Nadia Schärli)
Konrad Graber spricht im Oktober 2007 bei der Delegiertenversammlung der CVP Kanton Luzern in Wolhusen als gewählter Ständerat. (Bild: Archiv LZ)
Konrad Graber fährt im Dezember 2007 im Zug zu seiner ersten Session in Bern als Ständerat. (Bild: Corinne Glanzmann)
Konrad Graber nimmt im Januar 2008 zusammen mit der damaligen SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga (hinten) und dem damaligen Chefreporter Politik der damaligen Neuen Luzerner Zeitung Jürg Auf der Maur (Mitte) an der Podiumsdiskussion der AWG-Veranstaltung zur Unternehmenssteuerreform II in der Hochschule Luzern teil.
(Bild: Manuela Jans-Koch)
Konrad Graber gibt im Oktober 2008 der damaligen Neuen Luzerner Zeitung ein Interview zum Hilfspaket des Bundesrats.
(Bild: Manuela Jans)
Konrad Graber läuft im Oktober 2009 am 3. Lucerne Marathon mit. Damit ist er einer von insgesamt rund 8800 Teilnehmern.
Mit seiner Ehefrau Andrea Wyss besucht Konrad Graber die 17. Theater-Gala der Krankenversicherung CSS im Luzerner Theater im Oktober 2010. (Bild: Archiv LZ)
Der CVP-Ständerat Konrad Graber feiert mit Ehefrau Andrea Wyss sowie Rahel und Norbert Schmassmann (von links) an der 17. Theater-Gala der Krankenversicherung CSS im Luzerner Theater im Oktober 2010. (Bild: Archiv LZ)
Im Mai 2011 nominiert die CVP Konrad Graber erneut als Kandidat für die Wahl in den Ständerat. Patricia Schaller gratuliert ihm dazu und überreicht ihm einen Blumenstrauss während der Versammlung im Zentrum Gersag in Emmenbrücke. (Bild: Pius Amrein)
Während der Eröffnungsfeier zum Ausbau und der Tieflegung der Zentralbahn im November 2012 in der unterirdischen Haltestelle Messe Allmend in Luzern haben offenbar der Ständerat Konrad Graber und Bundesrätin Doris Leuthard gut lachen.
Im April 2013 startet Ständerat Konrad Graber beim Solidaritätslauf am Luzerner Stadtlauf.
Die Wirtschaftskommission des Ständerats besucht im Oktober 2013 das Emmi Kaltbach Käselager. Mit dabei sind Regierungsrat Robert Küng, Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf und Konrad Graber als Präsident der Wirtschaftskommission des Ständerats und als Verwaltungsratspräsident der Emmi Gruppe. (Bild: Boris Bürgisser)
2015 wird Konrad Graber erneut in den Ständerat gewählt. Mit ihm zusammen wird Damian Müller (FDP) die Luzerner in Bern vertreten.
Im Februar 2016 führen Konrad Graber und Franz Steinegger ein Streitgespräch über die Gotthard-Abstimmung. (Bild: Nadia Schärli)
Im März 2016 spricht Konrad Graber als Verwaltungsratspräsident von Emmi während der Bilanzmedienkonferenz im Hotel Radisson in Luzern. Die Tätigkeit als Verwaltungsratspräsident will er nach seinem Abschied aus der Politik weiterhin wahrnehmen. (Bild: Eveline Beerkircher)
Im Mai 2016 spricht Bundesrat Alain Berset anlässlich einer Informationsveranstaltung an der Uni Luzern zur Rentenreform 2020 mit Konrad Graber. (Bild: Nadia Schärli)
Konrad Graber (rechts) ist in Kriens zu Hause. Damit befindet er sich in bester Spitzenpolitiker-Gesellschaft: Paul Winiker (v.l.), Marcel Schwerzmann und Yvette Estermann wohnen ebenfalls in Kriens. (Bild: Pius Amrein)
Am Mittwoch, 29. August 2018 gibt Konrad Graber an der CVP-Delegiertenversammlung in Sursee seinen Rückzug aus der Politik bekannt. (Bild: Eveline Beerkircher)
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Konrad Grabers Politik-Karriere in Bildern

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