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Aderlass bei der SDA: Nach den ersten Hiobsbotschaften drohen die nächsten

36 von 150 Stellen muss die Nachrichtenagentur SDA bereits abbauen. Nachdem ihre grösste Kundin einen wichtigen Vertrag gekündigt hat, stehen die Zeichen auch für das nächste Jahr auf Sturm.
Fabian Fellmann
Journalisten der SDA demonstrieren gegen den Stellenabbau. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 2. Februar 2018))

Journalisten der SDA demonstrieren gegen den Stellenabbau. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 2. Februar 2018))

Es sieht nicht gut aus für das ­Medienunternehmen Keystone-SDA. Die einzige Schweizer Nachrichtenagentur ist noch immer mit der Umsetzung einer im Januar angekündigten Sparrunde beschäftigt, mit der fast ­jeder vierte Arbeitsplatz abgebaut wird. Jetzt kündigen sich bereits die nächsten Sparmassnahmen an. Hauptgrund für die neue Runde ist, dass der Medienkonzern Tamedia die Sportmeldungen nicht mehr von Keystone-SDA beziehen wird.

Stattdessen saugt eine Tamedia-Software namens Tadam Sportresultate von Internetquellen ab und bereitet sie für Redaktoren derart auf, dass diese mit wenig Aufwand Meldungen schreiben können. Auch Kommentare von Spielern und Trainern auf sozialen Medien fliessen halbautomatisiert ein.

Bei Keystone-SDA fallen damit 1,7 Millionen Franken Ertrag weg. Diese Zahl kommunizierte das Unternehmen an einem Krisentreffen der Sportredaktion diese Woche. Das ist ein Ertragsverlust von 5,1 Prozent, gemessen am Vorjahresergebnis. Wie die Grundversorgerin für viele Schweizer Medien damit umgehen wird, ist noch nicht entschieden. Im September soll der ­Verwaltungsrat über die Zukunft der Sportredaktion entscheiden. Heute umfasst diese 26 Stellen.

Erneut so angespannt wie vor einem Jahr

Hinzu kommt, dass die Agentur vor schwierigen Verhandlungen steht. Sämtliche grossen Kunden haben ihre Verträge vorsorglich gekündigt, bestätigt Unternehmenssprecher Iso Rechsteiner. Ebenso treffe es zu, dass das neue Tarifmodell von Keystone-SDA noch nicht bereit sei.

Damit erscheint die Ausgangslage mindestens ebenso ­angespannt wie vor einem Jahr, als jene Verhandlungen begannen, welche zur laufenden Entlassungswelle führten. Damals wollte die SDA einen neuen Tarif einführen. Zuvor war dieser von den Auflagen der Zeitungen ­abhängig, und weil die sinken, verlor auch die Agentur laufend Einkünfte. Neu wollte die SDA darum die Onlinenutzung mitberechnen. Die Medienhäuser hatten dem Tarif als Eigentümer der SDA zugestimmt – als Kunden ­jedoch wiesen sie es zurück. Sie leiden selbst unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen, weil sie in rasantem Tempo Werbeeinnahmen verlieren. Schliesslich musste die SDA einen Rabatt von 10 Prozent offerieren, gleichzeitig fusionierte sie mit der Bild- und Videoagentur Keystone.

Die Folge waren einschneidende Sparmassnahmen, die in der Bundespolitik über Monate zu reden gaben. Diese könnten nun eine Neuauflage erleben, zumal Keystone-SDA zwar mehr multimediale Inhalte produziert, jedoch die Zahl der Textmeldungen markant zurückgefahren hat. Auf 28 Prozent belief sich der Abbau gemäss der Stichprobe eines Redaktionsmitglieds im Juli.

Die Verhandlungen mit den Kunden seien nun im Gang, sagt SDA-Sprecher Rechsteiner. Neue Sparübungen an deren Ausgang befürchte die Unternehmensleitung nicht. Doch schränkt Rechsteiner umgehend ein: «Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Branche müssen aber kontinuierlich beobachtet werden. Schliesslich richtet sich das Angebot nach den Bedürfnissen und Anforderungen der Kunden.» Im Juli hatte Verwaltungsratspräsident Ueli Eckstein in einem Interview die Losung ausgegeben: «Ein Stellenkontingent respektive die Kostenstruktur hat sich dem Umsatz anzupassen.»

Bundesrat entscheidet über Bundesmillionen

Dieser Umsatz könnte um weitere 2 Millionen Franken tiefer ausfallen, als die SDA budgetiert hat. Der Bundesrat wird demnächst über einen Bundeszustupf entscheiden, der SDA-Leistungen für Lokalradios und Regionalfernsehen abgelten soll. Der Beitrag ist umstritten, vor allem, weil sich die SDA-Aktionäre im Zug der Fusion 12 Millionen Franken Eigenkapital auszahlen liessen.

Bei der Redaktionskommission schrillen die Alarmglocken. «Eben erst ging es noch darum, den Schlichtungsentscheid zur letzten Entlassungswelle umzusetzen. Schon sind wir wieder im Alarmzustand», sagt Kommissionsmitglied Sebastian Gänger. «Wir hoffen, dass ein allfälliger Stellenabbau möglichst gering ausfällt und die Kommunikation des Unternehmens in Zukunft besser funktioniert.»

Im Januar war die Redaktion in einen Streik getreten, der erst im Juli durch Vermittlung des Bundes zu Ende ging. In sozialen Medien spielen anonyme Redaktionsmitglieder derzeit mit Galgenhumor darauf an: «Vielleicht sollten wir schon mal damit beginnen, Mützen zu stricken für den nächsten Streik im Januar.» Auch wird kritisiert, Tamedia ­zerstöre die SDA – obwohl der Zürcher Medienkonzern als zweitgrösster Aktionär hinter der österreichischen Nachrichtenagentur APA auch den Präsidenten des Verwaltungsrats stellt. In Zürich heisst es dazu ­lapidar: «Tamedia ist und bleibt Aktionärin von Keystone-SDA.»

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