Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

SENIOREN: Autofahrer: Check-up erst ab 75 Jahren

Nach dem Nationalrat will auch der Ständerat das Alter für die obligatorische Fahrtauglichkeitskontrolle hinaufsetzen. Eine Schikane weniger, freut sich Initiant Maximilian Reimann.
Eva Novak
Auch der Ständerat will nach dem Nationalrat die obligatorische Fahrtauglichkeitskontrolle von 70 auf 75 Jahre setzen. (Symbolbild) (Bild: Pius Amrein)

Auch der Ständerat will nach dem Nationalrat die obligatorische Fahrtauglichkeitskontrolle von 70 auf 75 Jahre setzen. (Symbolbild) (Bild: Pius Amrein)

Eva Novak

Autolenker über 70 dürfen nur ans Steuer, wenn ihre Fahrtauglichkeit ärztlich bescheinigt wurde. Den Gesundheitscheck, zu dem sie alle zwei Jahre aufgeboten werden, haben sie aus dem eigenen Sack zu berappen. Eine reine Schikane, findet Maximilian Reimann. Der Aargauer SVP-Nationalrat reichte eine parlamentarische Initiative ein, welche diese Limite auf 75 Jahre erhöht.

«Wir sind gesünder und fitter»

Seit der Einführung der Vorschrift habe sich die Lebenserwartung um mehr als fünf Jahre erhöht, begründet der Initiant, der kürzlich seinen 74. Geburtstag gefeiert hat, das Anliegen. «Inzwischen sind wir geistig ebenso wie körperlich gesünder und fitter.» Höchste Zeit für Reimann, das Gesetz der Realität anzupassen. Und damit aufzuhören, die Schweizer Automobilisten gegenüber jenen aus den Nachbarstaaten zu diskriminieren, welche ebenfalls unsere Strassen benützten. Deutschland, Österreich und Frankreich schreiben nämlich gar keine solchen Checks vor.

Der Nationalrat hatte der Initiative in der Wintersession zugestimmt – was insofern überraschend kam, als sich die vorberatende Kommission noch deutlich dagegen ausgesprochen hatte. Gestern war der Ständerat an der Reihe, dessen Verkehrskommission ebenfalls nichts von der Initiative hatte wissen wollen. Man hege zwar «grundsätzliche Sympathien» für deren Anliegen. Doch die periodische Kontrolluntersuchung sei keine Schikane, sondern leiste «einen wichtigen präventiven Beitrag zum Erhalt der Fahrtauglichkeit älterer Fahrzeuglenkerinnen und -lenker». Wolle man etwas daran ändern, solle man das zuerst im Rahmen einer Evaluation des Massnahmenpaketes «Via Sicura» genauer anschauen.

Gegen Gesetze per «Einzelabrieb»

Im Plenum vertrat der Luzerner Christdemokrat Konrad Graber (57) diese Linie. Er setzte sich dafür ein, «dass man nicht Einzelanliegen im Einzelabrieb und ohne Evaluation in die Gesetzesmaschinerie gibt, sondern dass man eine Gesamtschau vornimmt.» Und der Waadtländer Freisinnige Olivier Français (60) vertrat namens der Komissionsmehrheit die Ansicht, «von einem gewissen Alter an» lasse die Reaktionsfähigkeit grundsätzlich nach, weshalb man regelmässig zum Gesundheitscheck solle.

Die Zeiten hätten sich geändert, konterte der Glarner SVP-Vertreter Werner Hösli (54): «Für jemanden, der heute siebzig wird, ist Autofahren auch im dichteren Verkehr eine Alltagsherausforderung wie Schuhbinden», gab er zu bedenken. Wahrscheinlich falle das Binden der Schuhe einigen sogar schwerer als Autofahren. Die älteren Autofahrer seien gar keine Risikogruppe. Untersuchungen zeigten zudem, dass Kontrollen der Fahrtauglichkeit die Sicherheit nicht erhöhten. Das tue nur die Eigenverantwortung der Lenker, welche durch solche Checks sinken könne. Sukkurs erhielt Hösli von Brigitte Häberli-Koller (57). Die Thurgauer Christdemokratin wies darauf hin, dass die Menschen heute mit 70 Jahren in der Regel nicht nur aktiv und mobil seien, sondern auch leistungsfähig: «Sie leisten wertvolle, für unsere Gesellschaft unverzichtbare Dienste in ehrenamtlichen, freiwilligen Aufgaben.» Die Alterslimite heraufzusetzen, sei «zeitgemäss, sinnvoll und auch Kosten sparend.»

Vorlage wird ausgearbeitet

Am Ende setzte sich die Initiative mit 22 gegen 19 Stimmen durch. Das Geschäft geht nun zurück in den Nationalrat, dessen Kommission eine konkrete Vorlage ausarbeiten muss. Laut Reimann ist das einfach, weil nur eine Zahl im Strassenverkehrsgesetz zu ändern ist. «Im besten Fall könnte die neue Limite 2018 in Kraft sein», erklärte der Initiant auf Anfrage. Und zeigte sich hoch erfreut: «Der gesunde politische Menschenverstand hat obsiegt.»

Weniger glücklich sind die Fachleute von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). Nicht etwa weil sie fürchten, dass die Strassen künftig unsicherer würden. Es gebe keine Fakten, die dafür sprächen, sagt BfU-Sprecher Daniel Menna. Weil aber die Wirksamkeit der Untersuchung umstritten sei, hätte es die BfU vorgezogen, wenn man zuerst untersucht hätte, was der Gesundheitscheck überhaupt bringt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.