Sepp Blatter schiesst scharf: «Das ist eine Hasstirade von Infantino gegen Platini und mich»

Der ehemalige Fifa-Präsident Sepp Blatter wehrt sich gegen seinen Nachfolger Gianni Infantino, der 2 Millionen von ihm und Michel Platini einklagen will.

Henry Habegger
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Bild aus besseren Tagen: Michel Platini und Sepp Blatter 2015 am Fifa-Kongress in Zürich.

Bild aus besseren Tagen: Michel Platini und Sepp Blatter 2015 am Fifa-Kongress in Zürich. 

Patrick B. Kraemer, KEYSTONE

Für Sepp Blatter ist der Fall klar: «Das ist eine Hasstirade des Fifa-Präsidenten gegen Platini und gegen mich. Wir passen ihm nicht ins Konzept, wir stören seine Kreise.»

Was Gianni Infantinos Vorgänger an der Fifa-Spitze empört: Die Fifa hat angekündigt, dass sie von Blatter und Michel Platini gerichtlich zwei Millionen Franken zurückfordern will.

Es sind die zwei Millionen, die die Fifa 2011 an Platini bezahlte. Eine von Platini nachträglich geforderte, berechtigte Lohn-Nachzahlung, sagen Blatter und der frühere Fussballer.

Bahn frei für Infantino auf den Fifa-Thron

Aber vier Jahre später, 2015, beendete die Zahlung zwei Karrieren. Die Schweizer Bundesanwaltschaft erfuhr auf mysteriöse Art von der Zahlung und eröffnete ein Strafverfahren gegen Blatter. Dieser musste abdanken. Erledigt war auch Platini, der eigentlich Blatters Nachfolger werden sollte. Für Infantino aber war die Bahn auf den Fifa-Thron frei.

Ob die Zahlung korrekt war oder nicht, ist bis heute offen. Bundesanwalt Michael Lauber lässt den Akt seit über vier Jahren vor sich hindümpeln. Keine Anklage, aber auch keine Einstellung. Die Sache hängt wie ein Damoklesschwert über Blatter und Platini.

Blatter: «Alles vom Fifa-Kongress genehmigt»

Laut Blatter (83) lief aber alles korrekt ab. «Es wurde von der Fifa beschlossen, dass wir die 2 Millionen bezahlen. Die Zahlung ging durch sämtliche Kontrollgremien, sie war Bestandteil des Finanzberichts an den Fifa-Kongress. Der Kongress hat alles abgesegnet, es ist alles ordentlich und ordnungsgemäss abgelaufen. Die Zahlung lag intern immer transparent auf dem Tisch. Es hat auch niemand dagegen interveniert oder Beschwerde erhoben, wie das in einem Verein wie der Fifa möglich gewesen wäre.»

Blatter sagt daher: «Wenn die Fifa klagen will, muss sie gegen sich selber klagen.»

Opfer einer Intrige?

Blatter und Platini sehen sich als Opfer einer Intrige von Lauber und Infantino.

Als Indiz dafür weist Platini in seinem neuen Buch «Entre nous» auf die Geheim-Treffen hin, die Lauber mit Infantino und dessen Kumpel, dem Walliser Staatsanwalt Rinaldo Arnold abhielt. Und: Am 8. Juli 2015 habe Lauber in seinem Büro Arnold empfangen.

«Tiens, tiens», schreibt Platini. «Zweieinhalb Monate später wurde ich von der Bundesanwaltschaft wegen der 2 Millionen einvernommen worden». Er macht klar, dass er nicht an Zufall glaubt.

Platini reichte in Paris Strafanzeige gegen Fifa-Exponenten ein

Das Platini-Lager sieht die angekündigte Fifa-Rückforderung als Retourkutsche. Denn in Paris wurde kürzlich eine Klage von Platini zugelassen: Er hatte jene unbekannten Fifa-Funktionär wegen Falschanschuldigung angezeigt, die dem Bundesanwalt das mit den 2 Millionen steckten. Die Zeitung «Le Monde» berichtete weiter, dass Paris die Akte an die Schweiz zur Untersuchung weitergeleitet habe.

Pikant: Auch diese Sache könnte auf Laubers Tisch landen. Die Bundesanwaltschaft sagt auf Anfrage, bei ihr sei bisher nichts dergleichen eingegangen.