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SERVICE PUBLIC: Agenturen wollen Bareinzahlungen

Mit dem Verschwinden der Poststellen werden Agenturen immer wichtiger. Diese organisieren sich nun und wollen ihr Angebot ausbauen. Doch die Post will davon nichts hören.
Roger Braun
Eine Kundin in einer Postagentur, die in eine Bäckerei integriert ist. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Luzern, 20. Juni 2017))

Eine Kundin in einer Postagentur, die in eine Bäckerei integriert ist. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Luzern, 20. Juni 2017))

Roger Braun

Sie ist derzeit in aller Munde: die Postagentur. In vielen Dörfern hat sie in den vergangenen Jahren die traditionellen Poststellen ersetzt. 950 Agenturen gibt es inzwischen im Lande. Im Jahr 2020 sollen es nach den Plänen der Post gar 1250 sein. Agenturen werden dannzumal weiter verbreitet sein als die traditionellen Poststellen, von denen die Post noch rund 850 vorsieht.

Eine Postagentur ist ein eigenständiges Unternehmen, das organisatorisch nichts mit der Post zu tun hat. Was sie mit der Post verbindet, ist jedoch ihr Angebot. Sie bietet standardmässig eine bestimmte Palette von Produkten und Dienstleistungen an und erhält von der Post einen Fixbetrag sowie Provisionen als Entschädigung.

Zwei Drittel der Bedürfnisse sind abgedeckt

Die Post verpasst keine Gelegenheit, die Postagenturen für ihr breites Sortiment zu rühmen. Und doch: Wann immer der Bundesbetrieb ankündigt, eine Poststelle zu schliessen, rebellieren die Bürger. Nun legt die Post eine Untersuchung vor, um ihren Standpunkt zu verdeutlichen. Demnach können zwei Drittel der Geschäfte, die auf einer Poststelle nachgefragt wurden, genauso gut in einer Agentur erledigt werden (siehe Grafik). Dazu gehört die Abgabe von Briefen und Paketen, der Kauf von Briefmarken oder die Abholung von Paketen. Allerdings: Das grösste Kundenbedürfnis sind nach wie vor Bareinzahlungen – und diese sind bis heute nur auf der Poststelle möglich. Die Post glaubt, dieses Problem gelöst zu haben, indem sie ab 1. September Bareinzahlungen an der Haustüre ermöglicht. Doch der Hausservice hat einen gravierenden Nachteil. Nur wer tagsüber zu Hause ist, kann ihn nutzen.

Dabei ist es nicht so, dass die Agenturen kein Interesse an den Bareinzahlungen hätten. «Wir verstehen nicht, wieso es uns verboten ist, selbst kleine Beträge entgegenzunehmen», sagt Felix Bischofberger, der die Postagentur in Altenrhein SG leitet und den Postagenturverband präsidiert. «Wenn zum Beispiel jemand eine Traueranzeige in der Zeitung sieht und eine 50er-Note aufs Spendenkonto einzahlen will, sollte das doch möglich sein.» ­Bischofberger schlägt eine obere ­Limite von 500 Franken vor. Damit wären etwa 80 Prozent der Bedürfnisse nach Bareinzahlungen abgedeckt, schätzt er.

Die Post begründet ihre Praxis mit Sicherheitsbedenken. «Würden Bareinzahlungen angeboten, hätte dies für einen möglichen Partner hohe Investitionen für Sicherheitseinrichtungen und einen unverhältnismässigen Aufwand bei der Personalaus­bildung zur Folge», sagt Post-Sprecherin Léa Wertheimer. Auch sei das Geldwäschereigesetz zu beachten. Bischofberger hat für diese Argumentation kein Verständnis. Durch Verkäufe und als Reserve für Barauszahlungen haben die Agenturen bereits heute Geld in der Kasse, argumentiert er. «Es wäre überhaupt kein Problem, mit Bareinzahlungen bis 500 Franken umzugehen.» Und das Geldwäschereigesetz? «Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Einzahlung von 100 Franken zu rechtlichen Schwie­rig­keiten führt», sagt der St. Galler Kantonsrat.

Höhe der Entschädigungen beanstandet

Bischofberger forderte auch eine Verbesserung der Ausbildung. Heute wird eine Agentur während maximal einer Woche begleitet, dann ist die Ausbildung abgeschlossen. Ihn überrascht es unter diesen Umständen nicht, dass sich manche Kunden über eine lückenhafte Beratung beklagen. «Diese Schnellbleiche reicht nicht aus», sagt er und wünscht eine regelmässige Weiterbildung durch die Post. Wertheimer sieht dagegen keinen Handlungsbedarf. Sie verweist auf halbjährliche Gespräche, die mit den Partnern stattfänden. «Zeigt sich dabei ein Bedarf, organisiert die Post kostenlos Nachschulungen.»

Und dann ist da noch das Geld. «Wir möchten mit der Post auch die Entschädigungen anschauen», sagt Bischofberger. Er vermutet eine Ungleichbehandlung und beklagt mangelnde Transparenz. Der Verdacht: Anbieter mit vielen Agenturen wie Volg profitieren von besseren Konditionen, da sie mehr Gewicht haben. Wertheimer bestätigt, dass es je nach Volumen zwei Modelle gibt, die unterschiedlich entschädigt werden. Mehr will sie dazu nicht sagen. Die einzelnen Verträge seien vertraulich.

Der Postagenturverband wird im Sommer eine Informations­offensive starten, um die Zahl der Mitglieder von heute 30 auszubauen. Damit soll auch das Gewicht gegenüber der Post erhöht werden. «Ziel ist es, Ende Jahr auf 200 Mitglieder zu kommen», sagt Bischofberger. Der Kontakt nach Bundesbern besteht bereits. Im vierköpfigen Vorstand sitzt unter anderem der CVP-Nationalrat Thomas Ammann (SG).

Bild: Grafik mop

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