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SERVICE PUBLIC: Die Post erklärt sich – einmal mehr

Nachdem die Post mit allen Kantonen ihr künftiges Postnetz besprochen hat, hat sie gestern eine nationale Zwischenbilanz gezogen. Demnach sollen 459 Poststellen verschwinden. Ein Abbau sei das jedoch nicht.
Roger Braun
Fühlt sich missverstanden: Thomas Baur, der Leiter der Poststellen. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Fühlt sich missverstanden: Thomas Baur, der Leiter der Poststellen. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Roger Braun

Es war kein gutes Zeichen, als am Ende der Medienkonferenz ein Journalist fragte, ob der Abbau der Poststellen nicht zu Mehrverkehr führe. Während einer Stunde hatten sich Konzernleiterin Susanne Ruoff und der Leiter der Poststellen, Thomas Baur, versucht zu erklären. Nein, es gehe nicht um einen Abbau, sondern um einen Umbau. Und nein, die Post baue nicht in erster Linie 459 Poststellen ab, sondern schaffe 300 zusätzliche Zugangspunkte für postalische Dienstleistungen. Und überhaupt: Die Post sei drittgrösster Arbeitgeber in der Schweiz und mit einem Einkaufsvolumen von jährlich 2,4 Milliarden ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für lokale Firmen.

Es war eine klassische PR-Veranstaltung gestern am Hauptsitz der Post in Bern. Und zu hören gab es das, was die Post seit Oktober letzten Jahres erzählt. Damals hatte die Post bekannt- gegeben, dass bis 2020 ein Drittel der Poststellen verschwinden wird. Seither reiste Baur von Kanton zu Kanton, um Verständnis für die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit zu wecken. Gestern kommunizierte die Post eine Gesamtsicht über alle Poststellen, die gefährdet sind (siehe Karte). Demnach verlieren die Kantone Bern, Waadt und Tessin ­ am meisten Standorte. Auffällig auch: Längst sind nicht mehr nur Randgebiete betroffen. Zunehmend trifft es auch Städte wie Bern, Zürich oder Genf.

«Die Post steckt voller Emotionen»

Ruoff äusserte Verständnis für die Aufregung in der Bevölkerung angesichts der bevorstehenden Schliessungen. «Die Post steckt voller Emotionen», sagte sie. «Über Jahrzehnte Liebgewonnenes verändert sich, und man kennt das Neue noch nicht, klar bewegt sich da etwas.» Es brauche deshalb den Dialog zwischen Post und Bevölkerung.

Mehrfach drückte durch, dass sich die Post missverstanden fühlt. «Die Leute wissen nicht, was wir neu anbieten», sagte ­Ruoff. Baur kam immer wieder auf «Fakten» zu sprechen, die den «Emotionen» doch entgegenstünden. Ersatzlose Schliessungen gebe es nicht, betonte er. Er bewarb die Alternativen; zum Beispiel die in Dorfläden untergebrachten Agenturen, die längere Öffnungszeiten aufwiesen. Auch verwahrte er sich gegen den Vorwurf der Gewinnmaximierung. «Nehmen Sie die Poststelle Samnaun», sagte er. Pro Tag tätigt diese laut Baur 98 Kundengeschäfte, die durchschnittlich einen Umsatz von fünf Franken bringen. «Kein Unternehmen würde dort eine Filiale weiterbetreiben», sagte er. Die Post tut es. Der Standort ist bis mindestens 2020 gesichert.

Politik geht mit Post hart ins Gericht

Ob die kommunikative Offensive etwas bringt? «Post verschleiert Dienstleistungsabbau», hielt die Stiftung für Konsumentenschutz gleich nach der Konferenz fest. «Post präsentiert warme Luft, aber keine Strategie», lautet das Urteil der Gewerkschaft Syndicom. Und die Politik hatte bereits in der Sommersession zwei klare Zeichen gegen den Kurs des Bundesbetriebs gesetzt. Der Nationalrat sprach sich dafür aus, dass Agenturen künftig das ganze Postsortiment führen müssen und die Erreichbarkeitskriterien verschärft werden. Besonders in Randregionen dürfte es für die Post damit schwieriger werden, ihren Umbau voranzutreiben. Der Ständerat möchte überdies wie der Nationalrat die Post zwingen, künftig allen ganzjährig ­bewohnten Siedlungen die Post zu Hause zuzustellen, sei die Wohnung noch so fern.

Der Politik geht es nicht zuletzt darum, einen weiteren Abbau nach 2020 zu verhindern. Befürchtet wird nämlich, dass die Schliessungen der Poststellen im nächsten Jahrzehnt unvermindert weitergehen. Baur gab sich diesbezüglich unverbindlich. «Ich weiss es nicht», sagte er zu den weiteren Plänen. Der technologische Wandel sei so schnell, dass Prognosen schwierig seien. Zunächst wird die Post nun auf die Gemeinden zugehen und das Schicksal der gefährdeten Poststellen bis 2020 besprechen. Nur die allerwenigsten Standorte dürften erhalten bleiben. Vielmehr geht es darum, gemeinsam eine geeignete Alternative zur Poststelle zu finden.

Zahl der gefährdeten Poststellen bis 2020 pro Kanton. (Bild: Quelle: Post/Grafik: Dem)

Zahl der gefährdeten Poststellen bis 2020 pro Kanton. (Bild: Quelle: Post/Grafik: Dem)

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