SHOW: Der Preis war Polo nicht genug

Der «Schweizer des Jahres» hat für seine Teilnahme am «Swiss Award» Geld verlangt – und erhalten. Politiker sind entsetzt.

Sermîn Faki
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Der Preis ist seiner: Polo Hofer wurde am Samstag vor einer Woche bei der Fernsehsendung «Swiss Award» zum «Schweizer des Jahres» erkoren. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Der Preis ist seiner: Polo Hofer wurde am Samstag vor einer Woche bei der Fernsehsendung «Swiss Award» zum «Schweizer des Jahres» erkoren. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Vor einer Woche hat der Berner Mundartrocker Polo Hofer den Preis als «Schweizer des Jahres» erhalten – dank des Fernsehpublikums, welches Hofer im letzten Jahr nominiert, im Dezember zum «Publikumsliebling» gewählt und am Samstag vor einer Woche tatsächlich zum beliebtesten Schweizer erklärt hat. Doch diese Ehre war Hofer nicht genug: Obendrein verlangte er Geld für seine Teilnahme an den Shows. «Polo Hofer hat auf seinen Wunsch hin eine Entschädigung erhalten», bestätigt das Schweizer Fernsehen SRF entsprechende Recherchen der «Zentralschweiz am Sonntag». Demnach hat Hofer für beide «Swiss Award»-Sendungen je einen «ganz tiefen vierstelligen Betrag» erhalten. Dass prominente Gäste für ihre Teilnahme in Unterhaltungssendungen entschädigt werden, sei zwar nicht die Regel, komme aber hin und wieder vor, sagt das Fernsehen: «Gerade auch bei Künstlern, die für eine Sendung auf eine Auftrittsmöglichkeit verzichten», so die SRF-Sprecherin.

«Peinlich, daneben, grenzwertig»

Ganz so selbstverständlich finden das nicht alle. «Peinlich», meint beispielsweise der ehemalige Fernseh-Chefredaktor Filippo Leutenegger. Ein öffentlich-rechtliches Medienunternehmen könne so nicht vorgehen. Das sieht auch die Politik so, die die SRG ohnehin ins Visier genommen hat. Nicht nur wegen der «No Billag»-Volksinitiative, deren Zustandekommen die Bundeskanzlei am Freitag vermeldet hat, wird die SRG in den kommenden Monaten Angriffen ausgeliefert sein. Auch in der anstehenden Service-Public-Diskussion dürften dem öffentlich-rechtlichen Medienkonzern die Flügel gestutzt werden. Die Tatsache, dass Prominenten eine Gage gezahlt wird, ohne dass diese eine Leistung erbringen, dürfte da wenig hilfreich sein. «Das Vorgehen ist für eine öffentlich-rechtliche Anstalt grenzwertig», sagt denn auch der Zuger CVP-Nationalrat Gerhard Pfister. Dass man Geld erhalte, wenn einem ein Preis verliehen wird, sei schon speziell, findet er. Ganz einfach «daneben» findet die Zürcher SVP-Nationalrätin Natalie Rickli den Lohn für Hofer. «Das bestärkt mich in meiner Meinung, dass die Sendung eine einzige Geldvernichtungsmaschine ist.» Das Fazit der SRG-Kritikerin ist klar: «Diese Selbstbeweihräucherungs-Sendung des SRF braucht es nicht.» Auch der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen, wie Rickli im Verein Aktion Medienfreiheit aktiv, begrüsst es, dass der letzte «Swiss Award» wirklich der letzte gewesen ist – das SRF hat angekündigt, die Show aus Spargründen einzustellen.

Doch auch Politiker, die die SRG normalerweise verteidigen, finden für einmal kritische Worte. «Das SRF hätte den Mut haben sollen, auf Polo Hofer zu verzichten», sagt der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas, der erst kürzlich in der Diskussionssendung «Arena» wie ein Löwe gegen Ricklis Angriffe auf die SRG gekämpft hat.

Von «Polo National» enttäuscht

Candinas findet nicht nur die Reaktion des Fernsehens problematisch. Enttäuscht ist er auch von Polo Hofer. «Der Betrag ist gering. Doch allein die Tatsache, dass er diese Bedingung gestellt hat, finde ich fragwürdig», er. Es sei schliesslich nicht um einen Auftritt als Musiker gegangen: Hofer sei vom Publikum – seinen Fans – zum Schweizer des Jahres gewählt worden. «Wenn sie von der Bezahlung gewusst hätten, hätten die Zuschauerinnen und Zuschauer den Preis vielleicht lieber der St. Moritzer Ärztin Katrin Hagen gegeben, die in Nepal Tag für Tag Leben rettet.»

Hofer selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Immerhin schafft er auf seiner Website Transparenz: «Leider Nein lautet die Antwort bei folgenden Anfragen: Präsenz ohne Honorar», steht dort geschrieben.

Sermîn Faki