Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SICHERHEIT: Modellflieger fürchten Grounding

Die Liebhaber von Modellflugzeugen bangen um ihr Hobby. Schuld ist der Drohnenboom – und die EU: Sie plant neue Vorschriften, um die Sicherheit zu erhöhen. Auch die Schweiz müsste die Regeln übernehmen.
Maja Briner
Für die Hobbypiloten hätten die EU-Vorschriften folgen: Jeder Flug müsste bewilligt werden. (Bild: Keystone)

Für die Hobbypiloten hätten die EU-Vorschriften folgen: Jeder Flug müsste bewilligt werden. (Bild: Keystone)

Maja Briner

Die Modellflieger sind in Aufruhr. Vor einer «existenziellen Bedrohung», warnt der Schweizerische Modellflugverband. Sein österreichisches Pendant schreibt gar vom «geplanten Ende der Modellfliegerei». Ausgelöst hat den Wirbel die EU-Flugsicherheitsbehörde Easa, wenn auch unbeabsichtigt: Sie wollte eigentlich die Drohnen ins Visier nehmen, die immer zahlreicher durch die Luft schwirren. Mit neuen Vorschriften will sie Sicherheitsrisiken minimieren.

Unbemerkt blieb dabei zunächst, dass die Regeln auch Modellflugzeuge betreffen würden – denn rechtlich gelten diese wie Drohnen als unbemannte Luftfahrzeuge. Auch die Schweizer Modellflieger wären betroffen. «Die Schweiz muss grundsätzlich die Regelung übernehmen», sagt Urs Holderegger, Sprecher des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl). Das sehe das Luftverkehrsabkommen vor.

Auch Bund unzufrieden

Noch liegt erst ein Entwurf vor, doch dieser stösst auf grossen Widerstand. «Die Vorschriften wären fatal für die Modellflieger», sagt der Anwalt und Modellflieger Markus Dormann, der die Arbeitsgruppe Drohnen beim Schweizerischen Modellflugverband leitet. Auch der Bund ist unzufrieden. «So wie die neuen Vorschriften momentan geplant sind, würden sie ein Problem schaffen, wo wir bisher keines hatten: bei den Modellfliegern», sagt Sprecher Urs Holderegger. Ein Knackpunkt der geplanten Regelung ist laut Dormann, dass für selbst gebaute Modellflugzeuge strengere Anforderungen gelten würden, weil sie nicht zertifiziert werden können. «Die Modellflieger müssten vor jedem Flug eine Bewilligung beantragen, sofern dieser nicht einem Standard-Szenario entspricht», sagt Dormann. Wie diese Standard-Szenarien aussehen, sei noch unklar.

Zwar plant die Easa eine Ausnahmeregelung: Im «Machtbereich» eines Vereins soll der Modellflug laut Dormann wie bis anhin erlaubt sein. «Es ist aber unklar, was damit genau gemeint ist», sagt er. Die sogenannte «Wildfliegerei», das Fliegen über einer Wiese oder einem Acker, meist ohne Vereinszugehörigkeit, würde dadurch wohl illegal. Die Modellflugzeugverbände haben sich nun auf europäischer Ebene in einem Verband zusammengeschlossen, um mehr Druck zu machen. Im Rahmen seiner Mitgliedschaft fordert der Schweizer Modellflugzeugverband, dass die neuen Vorschriften nur für Drohnen gelten sollen – und nicht für Modellflugzeuge.

Laut Bazl will die EU-Flugsicherheitsbehörde Ende April einen zweiten, verbesserten Entwurf verabschieden. Nach Ansicht des Bazl schiesst jedoch auch dieser über das Ziel hinaus. Als «realitätsfremd» bezeichnet Sprecher Urs Holderegger etwa den Vorschlag, für grössere Modelle eine Altersgrenze von 14 Jahren einzuführen. Dagegen wehren sich auch die Modellflieger: Sie sorgen sich, dass ihnen der Nachwuchs ausgehen könnte. «Viele kommen als Kind durch die Eltern zum Modellflug», sagt Dormann. Holderegger ist indes zuversichtlich, dass die Easa den Modellfliegern noch entgegenkommt. «Es gibt starken Widerstand gegen den Entwurf», sagt er. Nicht nur die Schweiz, auch viele andere Länder sowie deren Modellflugverbände seien dagegen.

Auf Kritik stossen die geplanten Vorschriften auch beim Schweizerischen Verband Ziviler Drohnen. Dieser empfand den ersten Entwurf als «realitätsfern und übertrieben», wie Vizepräsident Reto Büttner sagt. «Die Easa hat die Messlatte bei den Risikoklassen viel zu hoch angesetzt; nach diesen Massstäben müsste man jeden Papierflieger registrieren.» Der Verband unterstütze zwar eine elektronische Fernidentifikation für Drohnen, jedoch erst ab einem Gewicht von einem Kilogramm. Zudem rät der Verband von der Einführung eines Mindestalters für die Piloten ab. Es seien nicht die 10-Jährigen, sondern die 25- bis 35-Jährigen, die am häufigsten verantwortungslos mit Drohnen umgingen, sagt Büttner.

«Es droht eine wahnsinnige Bürokratie»

Auch nach Ansicht des Bundesamts für Zivilluftfahrt gehen die Vorschriften für Drohnenbesitzer zu weit. Urs Holderegger gibt zu bedenken, dass es praktisch unmöglich wäre, die Einhaltung zu kontrollieren. «Es droht eine wahnsinnige Bürokratie – ohne dass mehr Sicherheit geschaffen wird», so Holderegger.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.