SICHERHEIT: Weniger Velohelme: Suva reagiert

Immer weniger Kinder tragen einen Velohelm. Der Bund ist ratlos. Damit geben sich Verkehrspolitiker nicht zufrieden.

Sermîn Faki
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Dies ist ein seltener werdendes Bild: Ein Kind, das einen Velohelm trägt. Das Bild entstand beim letzten Zentralschweizer Suva Velotag im Mai. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Dies ist ein seltener werdendes Bild: Ein Kind, das einen Velohelm trägt. Das Bild entstand beim letzten Zentralschweizer Suva Velotag im Mai. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Anzahl Kinder bis 14 Jahre, die beim Velofahren einen Helm tragen, ist auf 60 Prozent gesunken. Dies geht aus der jährlichen Velohelm-Statistik hervor, die die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) diese Woche präsentiert hat. In den letzten fünf Jahren ist die Quote um 10 Prozent gesunken. «Eine Besorgnis erregende Entwicklung», wie die BfU schreibt.

Das findet auch der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas. Er hat sich 2011 bei der Beratung des Verkehrssicherheitspakets «Via sicura» für ein Velohelm-Obligatorium für Kinder stark­gemacht – allerdings ohne Erfolg. Eines der Hauptargumente der Gegner: die BfU-Statistik. Von 2004 bis 2009 nämlich war die Quote von 41 auf 70 Prozent emporgeschnellt. Es ginge also auch ohne Obligatorium, fanden die meisten Politiker. «Wie sich nun zeigt, stimmt das schlichtweg nicht», sagt Candinas. «Wir müssen etwas unternehmen, damit mehr Kinder geschützt werden.»

In der kommenden Session will der Bündner daher einen Vorstoss einreichen, um den Bundesrat zu einer Reaktion auf die sinkende Quote zu zwingen. Auch die Landesregierung hatte im Rahmen von «Via sicura» ein Obligatorium für Kinder vorgeschlagen. «Nun braucht es eben andere Massnahmen», fordert Candinas. Der Bundesrat soll aufzeigen, welches die Gründe für den Rückgang sind, und Vorschläge präsentieren, die die Familien nicht zu stark belasten. Warum die Quote rückgängig ist, weiss auch die Beratungsstelle BfU nicht so genau. «Von grosser Bedeutung ist sicher, dass der Velohelm nach der Beratung von ‹Via sicura› aus dem öffentlichen Fokus verschwunden ist», sagt er. Tatsächlich hat die Diskussion über das Helmobligatorium damals medial hohe Wellen geschlagen.

Der Freiburger SP-Nationalrat Jean-François Steiert sieht hingegen die BfU selbst in der Verantwortung. «Nachdem das von ihr geforderte Obligatorium im Parlament durchgefallen ist, scheint die BfU ihre Kampagnen für den Velohelm reduziert zu haben», so der Präsident des Verbands Pro Velo Schweiz, der sich damals gegen ein Obligatorium ausgesprochen hat. Die nun sinkende Helmtragquote findet zwar auch Steiert bedenklich. Aber er sagt: «Studien zeigen, dass man gerade bei Jugendlichen mit Anreizen mehr Erfolg hat als mit Zwang.» Überdies sei es sinnvoller und weit erfolgversprechender, in den gezielten Ausbau der Infrastruktur zu investieren. «Velowege und -streifen tragen mehr zur Vermeidung von Unfällen, Verletzungen und Toten bei als das Helmobligatorium», so Steiert.

Neue Suva-Kampagne

Der Rückgang der Quote betrifft nicht nur die Kinder. Auch Erwachsene verzichten häufiger auf den Helm. Das ist auch ausserhalb der Politik nicht unbemerkt geblieben. Die Unfallversicherung Suva hat bereits reagiert und ein neues Angebot für Unternehmen, die bei ihr versichert sind, gezimmert. Deren Mitarbeiter können Velohelme testen und vergünstigt erwerben. Auch eine neue Kampagne wird angedacht. Dies, nachdem die Suva im letzten Jahr beschlossen hatte, statt des Helms die Vortrittsregeln in den Mittelpunkt ihrer jährlichen Kampagne zu stellen.