Sieben bemerkenswerte Aussagen von NBA-Star Sefolosha, dem Polizisten das Bein brachen

Der Waadtländer Thabo Sefolosha war der erste Schweizer Basketballer, der es in die NBA schaffte. Der 36-jährige Defensivspezialist der Houston Rockets spricht in Interviews über die Proteste in den USA nach der Tötung des Schwarzen George Floyd durch einen Polizisten.

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Seit 2006 spielt Thabo Sefolosha in der NBA, mittlerweile beim fünften Team.

Seit 2006 spielt Thabo Sefolosha in der NBA, mittlerweile beim fünften Team.

Keystone

(watson.ch/ram) Der Waadtländer Thabo Sefolosha war der erste Schweizer Basketballer, der es in die NBA schaffte. Der 36-jährige Defensivspezialist der Houston Rockets spricht in Interviews mit der NZZ und dem «Blick» über die Proteste in den USA nach der Tötung des Schwarzen George Floyd durch einen Polizisten. Sefolosha war vor fünf Jahren selber Opfer von Polizeigewalt geworden: Ihm brachen Beamte bei einer Kontrolle den Unterschenkel. Der Grund für die Kontrolle war wohl einzig Sefoloshas Hautfarbe. Er verklagte die Stadt New York und erhielt vier Millionen Dollar Schadenersatz, die er grösstenteils spendete.

Über das Video, das die Tötung von George Floyd zeigt, sagt Thabo Sefolosha, dieses löse bei ihm «Ärger» und «fast schon Ekel» aus:

«Wenn du als schwarzer Mann in Amerika immer wieder mit solchen Bildern konfrontiert wirst, kommst du irgendwann zum Schluss, dass du das sein könntest.»

Er wisse mit seiner Vorgeschichte in New York ganz genau, wie schnell man in so eine Situation geraten könne. Ihm sei nach Gesprächen mit anderen Opfern von Polizeibrutalität bewusst, dass er in jener Nacht einen Schutzengel gehabt habe. Sefolosha stellt sich die gleichen Fragen wie die meisten Leute, wie alle, die nun auf die Strasse gehen, um gegen Rassismus und Polizeiwillkür zu protestieren.

«Ich frage mich, wie ein menschliches Wesen das einem anderen antun kann. Ich verstehe nicht, wie man einen solchen Mangel an Respekt vor dem menschlichen Leben zeigen und sich über das Gesetz stellen kann.»

Derzeit hält sich Sefolosha in Atlanta auf. Er habe sich überlegt, ob er sich mit seinen Töchtern ebenfalls an den Demontrationen beteiligen soll. Er habe ihnen «ein Stück Weltgeschichte» zeigen wollen.

«Ich habe darüber nachgedacht, aber die Idee dann verworfen. Ich wollte sie und mich in der Menschenmenge nicht unnötig gefährden, auch wegen Corona.»
Tausende Demonstranten bei einer Kundgebung in Los Angeles.

Tausende Demonstranten bei einer Kundgebung in Los Angeles.

Keystone

Für den Basketballer ist es unbegreiflich, dass die Verantwortlichen nur selten zur Rechenschaft gezogen werden. Er gibt zu bedenken:

«Passierte dieses Unrecht in einer normalen Welt einer weissen Person, ginge es nicht lange, und die Verantwortlichen sässen hinter Gittern, und zwar sehr lange. Das sollte auch in den USA der Fall sein.»

Seine eigene Welt habe sich verändert, seit er selber ein Opfer wurde. Wenn er nun Auto fahre und die Polizei hinter ihm, dann sei das anders als vor dem Vorfall. In der Regel versuche er ja, sich als Schweizer aus der US-Politik herauszuhalten.

«Aber in Zeiten wie diesen will und muss ich mich äussern. Und ja, ich habe Angst. Das Narrativ über schwarze Menschen in den USA ist schlecht. Ich sorge mich um meine Töchter. Die USA sind ein gewalttätiges Land, gerade im Vergleich mit der Schweiz.»

Grundsätzlich sei es so, dass es den «american dream» immer noch gebe. Doch wenn man in den Vereinigsten Staaten lebe, dann sehe man auch die Kehrseite:

«Die Unterschiede zwischen arm und reich, zwischen den Rassen. Diese Spaltung im Land: Es gibt jüdische, weisse, schwarze Viertel. Das sind Dinge, die man im TV nicht sieht. Amerika ist nicht perfekt. Ich habe echt gemischte Gefühle zu den USA.»

Thabo Sefolosha äusserte sich auch zu US-Präsident Donald Trump. Die Sache sei grösser als Trump, meinte er. Und:

«Er ist keine Hilfe, er ist schlicht nicht fähig, zu helfen. So, wie er die Welt sieht, hat er keine Lösungen parat. Das zeigt sich auch in seinem Umgang mit der Corona-Krise.»

Mit 36 Jahren neigt sich die Karriere in der NBA wohl ohnehin dem Ende entgegen. Thabo Sefolosha sagt, er könne sich vorstellen, die Laufbahn schon früher als gedacht abzubrechen. Seine Karriere in der NBA sei ein Kompromiss, die Sicherheit und das Wohlbefinden seiner Familie gingen vor. Darum könne es gut sein, dass er irgendwann sage: «So, jetzt ist es genug.»