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Sieben starke Frauen waren bisher im Bundesrat - das ist ihr Vermächtnis

Seit der Gründung des Bundesstaats 1848 schafften es nur sieben Frauen in die Regierung. Wie gut waren sie? Und was ist ihr Vermächtnis?
Henry Habegger
Vereidigung der ersten Frau zur Bundesrätin: In Begleitung von zwei Weibeln hebt Elisabeth Kopp am 2. Oktober 1984 in Bern bei ihrer Vereidigung im Nationalratssaal die rechte Hand zum Schwur. (KEYSTONE/Str)

Vereidigung der ersten Frau zur Bundesrätin: In Begleitung von zwei Weibeln hebt Elisabeth Kopp am 2. Oktober 1984 in Bern bei ihrer Vereidigung im Nationalratssaal die rechte Hand zum Schwur. (KEYSTONE/Str)

Lilian Uchtenhagen (SP) konnten die Männer noch verhindern. 1983 sollte die Zürcherin die erste Schweizer Bundesrätin werden – gut zehn Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts. Aber die bürgerliche Mehrheit wählte Otto Stich, der von der SP nicht nominiert worden war. Ein Bubenstück. Doch die Geschichte war dadurch nicht mehr aufzuhalten. 1984 wurde Elisabeth Kopp (FDP) als erste Frau in den Bundesrat gewählt. Ihr Gegner, der Aargauer Bruno Hunziker, freisinniger Parteipräsident, war der erste Bundesratskandidat, der von einer Frau geschlagen wurde.

Elisabeth Kopp ist damit die erste von bisher nur sieben Bundesrätinnen. Sie wurde vor 34 Jahren gewählt. Die Juristin aus betuchtem Haus hatte sich die Wahl mit Mut erarbeitet. Sie war eine bürgerliche Vorkämpferin für die Sache der Frau. In ihrer Amtszeit setzte sie das neue partnerschaftliche Eherecht durch. Gegen heftigen Widerstand: Christoph Blocher tingelte als aufstrebender Nationalrat durchs Land, um es zu verhindern.

Die erste Frau scheitert an einem Mann

Erfolglos, aber die Männer sollten sich den Kopp-Sitz bald wieder zurückholen. Kopp wurde Justiz- und Polizeiministerin. Das berühmte Telefonat 1989 an ihren Gatten, der als Anwalt für umstrittene Geschäftsleute arbeitete, kostete sie den Job. Die erste Frau im Bundesrat, Kämpferin für die Sache der Frauen, gescheitert an einem Mann. An ihrem Mann. Klar wurde spätestens jetzt: Einer Frau wurden selbst kleine Fehler nicht verziehen.

Nur mühsam kamen die Frauen wieder in die Gänge. Christiane Brunner sollte, so wollte es die SP, 1993 Bundesrätin werden. Die Bundesversammlung wählte einen Mann: Francis Matthey. Es brauchte einen Kraftakt der SP-Spitze, um ihn zum Amtsverzicht zu bewegen. Der Weg war frei für Ruth Dreifuss, Genfer Gewerkschafterin. Ihre Amtszeit sollte sich durch Beharrlichkeit, Furchtlosigkeit und eiserne Prinzipientreue auszeichnen. Sie behauptete sich beharrlich gegen Schwergewichte wie Adolf Ogi und Pascal Couchepin.

Schub dank der CVP

Ausgerechnet die belächelte CVP löste 1999 einen Quantensprung aus. Sie reservierte einen ihrer zwei Bundesratssitze für eine Frau. Auf dem Frauen-Doppelticket machte Ruth Metzler (35) das Rennen, Regierungsrätin aus Appenzell Innerrhoden. Seit 1875 war nie mehr ein jüngeres Bundesratsmitglied gewählt worden. Eine Revolution. Doch das Imperium schlug zurück. Die immer mächtigere SVP drängte auf einen zweiten Bundesratssitz.

2003 folgte das Erdbeben: Ruth Metzler musste Christoph Blocher weichen. Erstmals seit 1872 wurde ein wiederkandidierendes Bundesratsmitglied abgewählt. Eine Frau. Und dem rechtsbürgerlichen Durchmarsch fiel gleich noch FDP-Ständerätin Christine Beerli zum Opfer. Als Nachfolgerin von Kaspar Villiger vorgesehen, unterlag sie gegen Hans-Rudolf Merz. Statt drei Frauen sass mit Micheline Calmy-Rey (SP) nur noch eine im Bundesrat. Doch 2006 war es erneut die CVP, die Mut zeigte. Sie präsentierte ihre talentierte Präsidentin Doris Leuthard als Einervorschlag. Die Wahl der politischen Ausnahmeerscheinung ging ohne wesentliche Störmanöver über die Bühne. Erstmals sassen zwei Frauen im Bundesrat.

Der Höhepunkt war im Jahr 2010

Es kam noch besser. Die Ladykiller von 2003 konnten sich nur vier Jahre freuen. 2007 musste Christoph Blocher seinen Sitz wieder räumen: Geschlagen von einer Frau, von der Bündner SVP-Regierungsrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Ironie des Schicksals: Auch Blocher war – wie zuvor Metzler – als Vizepräsident abgewählt worden. Während Metzler klaglos abgetreten war, schwor der Zürcher Rache. Weil Widmer-Schlumpf die Wahl angenommen hatte, obwohl die SVP ihr das verbieten wollte, wurde die Bündner SVP aus der Partei ausgeschlossen. Die BDP entstand. Der Zorn der SVP verfolgte Widmer-Schlumpf fortan auf Schritt und Tritt. Aber jetzt sassen drei Frauen im Bundesrat.

Der absolute Höhepunkt kam drei Jahre später. 2010 wurde Simonetta Sommaruga (SP) als siebte Bundesrätin gewählt. Erstmals stellten die Frauen die Mehrheit in der Regierung. Sie waren jetzt zu viert. Seither geht es bergab: Die Männer erobern das Terrain langsam, aber sicher zurück. Acht Jahre ist es her, seit die letzte Bundesrätin gewählt wurde. Nach Sommaruga schafften es nur Männer in die Regierung: Johann Schneider-Ammann, Alain Berset, Guy Parmelin, Ignazio Cassis.

Und nun, bei den nächsten Wahlen im Dezember? Doris Leuthard tritt ab, vielleicht ist Simonetta Sommaruga dann die letzte Frau im Bundesrat. Oder es geht wieder aufwärts. Erholt sich die FDP mit Karin Keller-Sutter endlich vom Kopp-Trauma? Sorgt die CVP erneut für eine Überraschung, indem auf Doris Leuthard eine Frau folgt? Alles scheint möglich.

Elisabeth Kopp. (Bild: Urs Flüeler)

Elisabeth Kopp. (Bild: Urs Flüeler)

  • Elisabeth Kopp (FDP/ZH)
    Juristin, Nationalrätin
    Gewählt im 1. Wahlgang mit 124 Stimmen.
    Gegenkandidat: Bruno Hunziker Nationalrätin
    Im Amt: 1985 bis 1989
    Alter zum Zeitpunkt der Wahl: 47
    Justiz- und Polizeidepartement EJPD

    Bilanz: Der unrühmliche Rücktritt legte lange einen grossen Schatten über ihre Amtszeit. Aber in den fünf Jahren, in denen sie als Bundesrätin wirkte, leistete sie Beachtliches. Die Einführung des Gleichberechtigungsartikels in der Bundesverfassung etwa, sie schuf das Amt des Delegierten für Flüchtlingswesen, engagierte sich gegen Geldwäscherei und Drogenhandel. Nicht zuletzt setzte sie sich für den Umweltschutz ein. Insgesamt eine sehr moderne, zukunftsgerichtete Politik. Und dies alles tat sie unter erschwerten Bedingungen als erste und einzige Frau im Männergremium.
Ruth Dreifuss (Bild: Urs Flüeler)

Ruth Dreifuss (Bild: Urs Flüeler)

  • Ruth Dreifuss (SP/GE)
    Ökonomin, Gewerkschaftssekretärin
    Gewählt im 3. Wahlgang mit 144 Stimmen.
    Nicht-Wahl Christiane Brunner (GE) resp. Nicht-Wahlannahme Francis Matthey (NE)
    Im Amt: 1993 bis 2002
    Alter zum Zeitpunkt der Wahl: 53 Jahre
    Innendepartement (EDI)

    Bilanz: Wurde zu einer dominanten Persönlichkeit im Bundesrat. Beharrlichkeit, Berechenbarkeit und Kompetenz trugen ihr auch beim politischen Gegner Respekt ein. Die unverheiratete Dreifuss setzte sich für sozial Schwächere, Minderheiten und Frauen ein und prägte eine liberale Drogenpolitik. Angriffe auf die AHV parierte sie eisern.
Ruth Metzler (Bild: Martin Stettler/PD)

Ruth Metzler (Bild: Martin Stettler/PD)

  • Ruth Metzler (CVP/AI)
    Juristin, Regierungsrätin
    Gewählt im 4. Wahlgang mit 126 Stimmen.
    Gegenkandidatin: Rita Roos (SG)
    Im Amt: 2000 bis 2003
    Alter zum Zeitpunkt der Wahl: 35 Jahre
    Justiz- und Polizeidepartement (EJPD)

    Bilanz: Hatte es von Anfang an schwer, weil sie als Regierungsrätin von aussen kam, weil sie in Bundesbern kaum vernetzt war und wenig politische Erfahrung hatte. Den Umständen entsprechend, leistete sie gute Arbeit, zeigte Mut, etwa bei der Bürgerrechtsrevision. In der Asylpolitik hielt sie trotz Verschärfungen die humanitäre Tradition der Schweiz hoch.
Micheline Calmy-Rey (Bild: Urs Bucher)

Micheline Calmy-Rey (Bild: Urs Bucher)

  • Micheline Calmy-Rey (SP/GE)
    Politikwissenschafterin, Regierungsrätin
    Gewählt im 5. Wahlgang mit 131 Stimmen.
    Gegenkandidatin: Ruth Lüthi (FR)
    Im Amt: 2003 bis 2011
    Alter zum Zeitpunkt der Wahl: 57 Jahre
    Aussendepartement (EDA)

    Bilanz: Sehr starke Persönlichkeit. Sie hatte den Mut, eine offensive, selbstbewusste Aussenpolitik zu betreiben. Die Genferin zögerte nicht, sich gleich zu Beginn ihrer Amtszeit mit den USA anzulegen und zu versuchen, sie vom Krieg im Irak abzuhalten. Calmy-Rey polarisierte, aber die Schweizer Aussenpolitik wurde international ernst genommen.
Doris Leuthard (Bild: KEY/Dominic Steinmann)

Doris Leuthard (Bild: KEY/Dominic Steinmann)

  • Doris Leuthard (CVP/AG)
    Anwältin, Parteipräsidentin, Nationalrätin
    Gewählt im 1. Wahlgang mit 133 Stimmen (Einervorschlag).
    Im Amt: 2006 bis 2018
    Alter zum Zeitpunkt der Wahl: 43 Jahre
    Wirtschaftsdepartement (EVD)
    Infrastrukturdepartement (Uvek)

    Bilanz: Gegen Doris Leuthard zog mancher Mann den Kürzeren. Sie ist ein Polittalent, wie die Schweiz nicht viele hatte. Handwerklich stark, taktisch geschickt, nah beim Volk. Ihre Bilanz ist beeindruckend, was sich schon darin zeigt, dass sie fast alle Urnengänge gewann.
Eveline Widmer-Schlumpf (Bild: Reto Martin)

Eveline Widmer-Schlumpf (Bild: Reto Martin)

  • Eveline Widmer-Schlumpf (BDP/GR)
    Anwältin, Regierungsrätin
    Gewählt im 2. Wahlgang mit 125 Stimmen.
    Gegenkandidat: Christoph Blocher (SVP).
    Im Amt: 2008 bis 2015
    Alter zum Zeitpunkt der Wahl: 51 Jahre Justiz- und Polizeidepartement (EJPD)
    Finanzdepartement (EFD)

    Bilanz: Sie war eines der am meisten angefeindeten Bundesratsmitglieder überhaupt. Trotzdem arbeitete sie unbeirrt an zukunftsgerichteten Lösungen für die Schweiz. Als Finanzministerin löste sie einige Riesenprobleme (UBS-Schieflage, US-Steuerstreit, Bankgeheimnis).
Simonetta Sommaruga (Bild: KEY/Anthony Anex)

Simonetta Sommaruga (Bild: KEY/Anthony Anex)

  • Simonetta Sommaruga (SP/BE)
    Pianistin, Konsumentenschützerin, Ständerätin
    Gewählt im 4. Wahlgang mit 159 Stimmen.
    Gegenkandidatin: Jacqueline Fehr (ZH)
    Im Amt: 2010 bis –
    Alter zum Zeitpunkt der Wahl: 50 Jahre
    Justiz- und Polizeidepartement (EJPD)

    Bilanz: Sie arbeitet unermüdlich, still und zielstrebig an allen Fronten in ihrem Departement. Lohngleichheit, Frauenvertretung in Unternehmen, Asylwesen sind einige Stichworte. Sie scheut sich nicht, Klartext zu reden und Anstand im politischen Diskurs einzufordern.

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