SINS: Polizist schiesst Einbrecher in den Unterarm

Eine Patrouille hat in einer Lagerhalle einen Dieb in flagranti erwischt. Dieser steht nun vor Gericht – aber nicht nur er.

Silvan Meier
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Der Polizist schoss dem Einbrecher in den Arm (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Der Polizist schoss dem Einbrecher in den Arm (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Die Aargauer Staatsanwaltschaft hat am Pfingstsonntag zwei Verfahren eröffnet. Eines betrifft einen 41-jährigen Einbrecher, den eine Patrouille der Aargauer Kantonspolizei in flagranti erwischt hat. Weil es bei der Festnahme des gebürtigen Italieners zu einer Schussabgabe gekommen ist, muss sich nicht nur der Täter, sondern auch ein Polizist vor der Justiz verantworten. Er hat mit einem Schuss den Einbrecher am Unterarm verletzt. Zur Schussabgabe kam es am frühen Pfingstsonntag, kurz nach Mitternacht, im Industriequartier Sins. Die Aargauer Kantonspolizei war ausgerückt, nachdem bei ihr eine Meldung eingegangen war, dass ein Unbekannter mit einem Lieferwagen in ein Garagentor eines Firmengebäudes gefahren sei. Auf diese doch ziemlich brachiale Art verschaffte sich der Einbrecher Zutritt zur Lagerhalle, wie Philipp Umbricht, leitender Oberstaatsanwalt, bestätigt. «Den Lieferwagen hatte er vor Ort gestohlen.»

Gezielte Schussabgabe

Als die Polizei im Industriequartier eintraf, wollte der 41-jährige Schweizer gerade Deliktsgut verladen und abtransportieren. Die Polizisten sprachen den überraschten Einbrecher an. Dieser setzte sich bei der Verhaftung zur Wehr und zückte plötzlich eine Pistole. Die geladene Waffe richtete er auf einen der beiden Polizisten. Mit einer gezielten Schussabgabe sei es dem bedrohten Polizisten gelungen, den Einbrecher «widerstandsunfähig zu machen», heisst es in einer Mitteilung der Oberstaatsanwaltschaft. Der Einbrecher wurde mit der Ambulanz ins Spital gebracht. Die Verletzungen am Unterarm stellten sich als nicht lebensbedrohlich heraus.

Einbrecher ist polizeilich bekannt

Wie es in der Mitteilung weiter heisst, konnte die Staatsanwaltschaft in der Zwischenzeit sowohl die beiden Polizisten wie auch den Täter zur Sache befragen. Gegen den Einbrecher beantragte sie Untersuchungshaft und eröffnete ein Strafverfahren wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Hausfriedensbruch, Diebstahls und Sachbeschädigung. Wie Umbricht bestätigt, ist der Einbrecher bereits polizeilich bekannt. Offen ist, ob er als Einzeltäter unterwegs war. Keine Angaben macht die Staatsanwaltschaft auch zum Deliktsgut und zur betroffenen Firma.

Nicht der Schnellste

Gegen den Polizisten eröffnete die Staatsanwaltschaft ebenfalls ein Verfahren wegen Gefährdung des Lebens und Körperverletzung. «Dass wir ein Verfahren einleiten, ist bei jeder polizeilichen Schussabgabe Standard», sagt Philipp Umbricht. «Wir klären nun ab, ob die Schussabgabe gerechtfertigt war.» Wie oft Polizisten von Einbrechern mit einer Pistole bedroht würden, sei schwierig zu sagen, betont Umbricht. «Denn Einbrecher erwischt man relativ selten in flagranti.» Offenbar hat sich der 41-Jährige Zeit gelassen.