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SION 2026: Jürg Stahls schwierigste Aufgabe

Der Winterthurer SVP-Nationalrat soll als Präsident des Bewerbungskomitees die Olympischen Spiele in die Schweiz holen. Kein leichter Job für den Sport-Lobbyisten.
Nationalrat Jürg Stahl. (Bild: Nadia Schärli / LZ (Nottwil, 31. Oktober 2017))

Nationalrat Jürg Stahl. (Bild: Nadia Schärli / LZ (Nottwil, 31. Oktober 2017))

Jürg Stahl ist ein Politiker, der wohl auch dem unpolitischen Teil der Schweizer Bevölkerung bekannt sein dürfte, und dies nicht erst seit er 2016/2017 das Nationalratspräsidium innehatte. Der SVP-Politiker aus Brütten bei Winterthur hat dies der Satiresendung «Giaccobo/Müller» zu verdanken. Sie zeigte ein Video Stahls zum Wahlauftakt 2011. Stahl sass – weinselig und das Glas in der Hand – in einem Ruderboot auf dem Husemersee und sprach zu den Wählern. Ein gefundenes Fressen für Giaccobo und Müller! Das Video sei auf einem privaten Ausflug von einem guten Freund aufgenommen worden, sagte Stahl später dazu: «Ich wollte mich eben auch mal ganz privat zeigen.» – Wirklich?

Nun, geschadet hat dem Politiker der unfreiwillige Auftritt in der Satiresendung nicht wirklich: Der bald 50-jährige gelernte Drogist, seit 1999 Mitglied des Nationalrats, wurde wiedergewählt und sitzt bis heute in der grossen Kammer. Dass Jürg Stahls politische Karriere immer so problemlos verlief, kann man nicht behaupten. Über die Region hinaus als tragische Figur wahrgenommen worden ist er nämlich bei den Winterthurer Stadtratswahlen zu Beginn des Jahrtausends. Damals lieferte sich Stahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Kandidatin der SP. Nachdem diese im vorläufigen Schluss­resultat knapp siegte, wurde nachgezählt – und Stahl zum Sieger erkoren. Angetreten hat er das Amt gleichwohl nie: Aufgrund einer Beschwerde fand eine erneute Auszählung statt – und der SVP-Mann verlor mit einer Stimme Differenz.

Natürlich war Stahl enttäuscht, doch heute ist er mit dieser Sache versöhnt. Mehr noch: Er sieht das Geschehene im Rückblick als Weichenstellung: Wenn die Dinge anders gelaufen wären, sässe er heute vielleicht nicht im Nationalrat, wäre er nicht dessen Präsident geworden, hätte er in Bern seine heutige Frau vielleicht nie getroffen. – Ex clade salus, aus der Niederlage kam das Heil, die Inschrift auf dem gerade von seiner Partei verehrten Schlachtdenkmal von Marignano passt zur Lebensgeschichte des SVP-Politikers Jürg Stahl. «Unverhofft kommt oft» – auch dies trifft auf ihn zu: Eben noch sagte er öffentlich, nach dem Jahr als Nationalratspräsident sei seine Agenda bewusst leer; er wolle sich Zeit für die Ehefrau und die noch kleine Tochter nehmen. Es kam anders: Unlängst wurde bekannt, dass Stahl sein Direktionsamt bei der Groupe Mutuel per sofort aufgibt, um den Vorsitz des Bewerbungskomitees für die Organisation der Olympischen Winterspiele «Sion 2026» zu übernehmen.

Bei all der Kritik, die dem Vorhaben öffentlich entgegenschlägt, ist dies keine leichte Aufgabe. Aber wer könnte es schaffen, wenn nicht der freundliche, joviale und damit eher atypische Zürcher SVPler Stahl? Die Kritik an der Olympia-Kandidatur dürfte künftig noch lauter werden, und deshalb ist eines schon mal sicher: Das Jahr als Nationalratspräsident wird Stahl im Rückblick wohl als geruhsam empfinden, wenn er es mit dem vergleicht, was ihn als Olympia-Lobbyist noch alles erwartet.

Richard Clavadetscher

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