Sonntagspresse
Abgabe auf Flugtickets, Umweltkiller Vinylboom und Zeitenwende im Immo-Markt

Eine grosse Mehrheit ist für eine Abgabe auf Flugtickets, das zeigt eine Umfrage des Marktforschungsinstituts GfS Zürich. Derweil verpesten alte Verfahren und Materialien die Umwelt zusätzlich. Und der Immobilienmarkt steht vor einer Trendwende – die News der Sonntagspresse.

Sandra Havenith
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72 Prozent der Schweizer würden eine Flugticketabgabe unterstützen. Dies schreibt die «NZZ am Sonntag» basierend auf einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfS Zürich. In Auftrag gegeben hat die Befragung die Umweltorganisation Umverkehr.

Falls die Lenkungsabgabe eingeführt würde, sprächen sich 42 Prozent der Befragten für eine Verteuerung in Höhe von 30 Franken für Kurzstreckenflüge und 120 Franken für Langstreckenflüge aus. 50 Prozent würden noch höheren Abgaben zustimmen. Dabei zeigen sich Unterschiede nach Alter. Jüngere sind skeptischer und tendieren mehrheitlich zur tiefstmöglichen Abgabe.

Der Umwelt zuliebe wären viele bereit, mehr Geld für die Tickets zu bezahlen.

Der Umwelt zuliebe wären viele bereit, mehr Geld für die Tickets zu bezahlen.

Keystone

Franziska Ryser, grüne Nationalrätin und Co-Präsidentin von Umverkehr, will nun das Thema wieder auf die Agenda setzen. Sie fordert per Motion die Einführung der Flugticketabgabe. «Die Massnahme ist sinnvoll und einfach umsetzbar und geniesst in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz», sagt Ryser in der «NZZ am Sonntag».

Neben der Organisation Umverkehr setzt sich auch der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) für die Flugticketabgabe ein und plant eine Volksinitiative. «Die Gespräche zu Inhalten und möglichen Partnern sind noch am Laufen», heisst es auf Anfrage der «NZZ am Sonntag». «Angestrebt wird eine Lancierung im Frühjahr 2023.»

Der Vinyl-Boom schadet der Umwelt

In der Schweiz werden seit dieser Woche wieder Schallplatten gepresst. Zum ersten Mal seit 20 Jahren. Die Nachfrage ist gross. Laut Adon-Chef Andreas Krüsi ist seine Fabrik im aargauischen Neuenhof für die nächsten Monate ausgebucht. Sämtliche Schweizer Acts stünden Schlange. Der Vinyl-Boom hat aber auch eine Schattenseite, das berichtet der SonntagsBlick.

Die Vinylpresse: Schön nostalgisch, aber schlecht für die Umwelt.

Die Vinylpresse: Schön nostalgisch, aber schlecht für die Umwelt.

An der Technologie zur Herstellung von LP hat sich in den letzten Jahrzehnten nichts verändert. Niemand glaubte mehr an den physischen Tonträger. Jetzt verpesten alte Verfahren und Materialien die Umwelt zusätzlich. Hoffnung bringen Innovationen aus dem Ausland: In England und Holland tüfteln Musikfreaks an PVC-Alternativen. Die Scheibe der Zukunft besteht aus kompostierbarem Bioplastik.

Zeitenwende im Immo-Markt: «Da donnert eine Lawine ins Tal»

Während auf die Vinylplatte in Zukunft hoffentlich umweltfreundlichere Herstellungsmethoden warten, droht dem Immobilienmarkt unterdessen ein Ende des lang anhaltenden Booms. Seit 1998 stiegen die Häuserpreise in der Schweiz und haben sich seither verdoppelt. Heute kostet ein zehnjähriges Haus mit 140 Quadratmetern in der Stadt Bern 1,5 Millionen Franken, in Lausanne fast zwei Millionen, in Zürich 2,5 Millionen und in Genf drei Millionen Franken.

Zeitenwende für den Immobilienmarkt.

Zeitenwende für den Immobilienmarkt.

Keystone

Der Krieg in der Ukraine zerstört aber die Lieferketten und treibt die Energiepreise in die Höhe. Die Inflation ist da. Die zehnjährigen Fixhypotheken kosten bei Credit Suisse bereits 2,84 und bei Raiffeisen 2,9 Prozent. Die Kosten fürs Bauen und Sanieren steigen 2022 um bis zu acht Prozent. Heisst: Die Nutzungskosten nehmen massiv zu – und damit fällt der Wert der Häuser.

«Das ist eine Zeitenwende für den Immobilienmarkt», sagt Donato Scognamiglio, Chef der Immobilienberatungsfirma IAZI im SonntagsBlick . «Da donnert eine Lawine ins Tal.» Bloss: Wer sich im Markt umhört, kriegt von Panik nichts mit. «Die Branche hat auch nicht mit Inflation und steigenden Zinsen gerechnet», sagt Scognamiglio «Und doch ist jetzt beides Realität.»

Auch Immobilienexperte Andreas Loepfe von der Uni Zürich warnt: «Die Erhitzungserscheinungen verlangsamen sich bereits. Die Abkühlung kommt.» Es sei ein historischer Moment, sagt Loepfe: «Damit endet die Phase, die in den Neunzigerjahren begonnen hat. 2022 markiert das Ende des Prinzips Hoffnung. Das nächste Jahrzehnt sieht dramatisch anders aus als das letzte.»