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SP-NATIONALRAT: Ein neuer Benjamin fürs Parlament

Als Juso-Chef war Fabian Molina laut und aneckend. Heute rückt der 27-jährige Zürcher in der grossen Kammer nach. Er ist der jüngste Bundesparlamentarier.
Dominic Wirth
Juso-Präsident Fabian Molina, hier bei der Eingabe von rund 117'000 Unterschriften gegen "Nahrungsmittel-Spekulation" am vergangenen Montag. (Bild: Keystone)

Juso-Präsident Fabian Molina, hier bei der Eingabe von rund 117'000 Unterschriften gegen "Nahrungsmittel-Spekulation" am vergangenen Montag. (Bild: Keystone)

Es geht gerade drunter und drüber im Leben des Fabian Molina. Eigentlich wollte der 27-Jährige endlich seine Bachelorarbeit angehen, er studiert an der Uni­versität in Zürich, Hauptfach Geschichte. Doch ob daraus in nächster Zeit etwas wird, steht in den Sternen. Diese Woche jedenfalls verbringt der Zürcher nicht im Hörsaal, sondern im Bundeshaus. Schon am Dienstag besuchte er die Fraktionssitzung seiner Partei. Und ab heute ist der Zürcher der neuste Nationalrat, der jüngste noch dazu, mit einigem Vorsprung; er ist im ganzen Parlament der einzige, der noch keine 30 Jahre auf dem Buckel hat.

Molina rückt in der SP nach für Tim Guldimann. Der ehemalige Top-Diplomat wagte seit 2015 das Experiment, von Berlin aus ins Berner Bundeshaus zu pendeln. Als der 67-Jährige im Februar bekannt gab, dass es damit bald vorbei sein wird, überrumpelte er auch Molina. Doch der smarte Jungpolitiker dürfte sich rasch gefangen haben. Denn er ist nie einer gewesen, der aus seinen politischen Ambitionen einen Hehl gemacht hat. Der Schritt nach Bern kommt für Molina vielleicht etwas schneller als gedacht und geplant, doch er ist auch ein logischer angesichts der Laufbahn des Zürchers, die trotz seines jugendlichen Alters schon einige Stationen umfasst.

Vater flüchtete aus Chile

So richtig politisiert, erzählt Molina, der beim NGO Swissaid in einem 40-Prozent-Pensum als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist, habe ihn eine Abstimmung im Jahr 2006. Es ging damals um eine Verschärfung des Asyl- und Ausländerrechts, doch Molina landete bald einmal bei einem noch grösseren Thema: seiner eigenen Existenz. «Wären die Gesetze schon vorher so streng gewesen, gäbe es mich gar nicht», sagt der Zürcher. Der Hintergrund: Molinas Vater flüchtete 1982 vor dem Pinochet-Regime aus Chile in die Schweiz. «Heute würde er wohl gar kein Asyl mehr erhalten in der Schweiz», sagt Molina. Doch Molinas Vater erhielt Asyl, heiratete eine Schweizerin, und 1990 kam Sohn Fabian zur Welt. Der schaffte es schon mit 20 Jahren in den Gemeinderat von Illnau-Effretikon und rutschte 2017 auch in den Zürcher Kantonsrat nach. Vor allem aber machte sich Molina als Jungsozialist einen Namen; von 2014 bis 2016 präsidierte er die Juso Schweiz, und er tat in dieser Zeit, was ein Juso-Präsident eben tut: Er war laut und lästig, auch für die eigene Mutterpartei. Und provozierte alle anderen erst recht. Etwa mit der Forderung, die Ehe abzuschaffen. Oder jener, am ersten August statt rot-weissen künftig Peace-Fahnen zu schwenken.

Wenn er in Bern als Nationalrat etwas erreichen will, wird er sich einen anderen Stil angewöhnen müssen. Molina sagt, er wisse aus seiner Zeit im Gemeinde- und Kantonsparlament durchaus, wie man lösungsorientiert arbeitet. In Bern will er die Perspektive der Jungen einbringen, schliesslich seien die im Bundeshaus «massiv untervertreten». Als Nachfolger von Tim Guldimann erbt er dessen Sitz in der Aussenpolitischen Kommission, und er macht keinen Hehl daraus, dass er sich darauf freut. Er wolle sich für Themen wie die «Nord-Süd-Gerechtigkeit, internationale Solidarität oder Entwicklungszusammenarbeit» stark machen, sagt Molina, und schon dieser Satz zeigt: der Jungsozialist klingt nach. Gleichzeitig kommt mit Molina auch einer nach Bern, der nicht davor zurückschreckt, für seine Karriere das eine oder andere Opfer zu erbringen. So liess er sich kürzlich für eine Homestory in der «Schweizer Illustrierten» in seiner WG am Zürcher Helvetiaplatz ablichten.

Dominic Wirth

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