Sparen könnte kosten: Unwetterwarnungen sollen doch ausgebaut werden

Die Umweltkommission des Nationalrats will den Bundesrat zwingen, mehr Mittel in die Alarmierung vor Naturgefahren zu stecken. Hier zu sparen, könne am Ende viel mehr kosten.

Eva Novak
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Aufräumarbeiten im Wallis nach dem Sturm Vaia. (Bild: Andrea Soltermann/Keystone (Ried-Mörel, 30. Oktober 2018))

Aufräumarbeiten im Wallis nach dem Sturm Vaia. (Bild: Andrea Soltermann/Keystone (Ried-Mörel, 30. Oktober 2018))

Diese Woche war es «Vaia». So hiess der Sturm, dessen Orkanböen derart stark bliesen, dass sie unter anderem das Dach vom Hospiz auf dem ­Albulapass wegfegten. Weil sich solch extreme Wetterereignisse in den letzten Jahren häuften, wollte der Bund die Unwetterwarnungen verbessern und auf weitere Naturgefahren ausdehnen.

Nicht nur sollten bestehende Unwetterwarnungen örtlich präziser werden. Geplant war auch ein neues System, um vor drohenden Erdrutschen und Murgängen zu warnen, ähnlich wie dies bereits bei den Lawinen der Fall ist. Des Weiteren sollten Waldbrandwarnungen nicht mehr wie heute an den Kantonsgrenzen haltmachen. Schliesslich wollten die zuständigen Stellen als Novum für die Schweiz Trockenheitswarnungen entwickeln.

«Kostenwirksames Instrument»

Doch ausgerechnet im Hitze- und Dürresommer 2018 strich der Bundesrat die dazu ­nötigen 13,5 Vollzeitstellen. Er tat dies aus Spargründen – obwohl Fachleute davon ausgehen, dass Warn- und Alarmsysteme nicht nur Menschenleben retten, sondern auch teure Sachschäden verhindern können. Schätzungen ­zufolge wäre der Gesamtschaden des Hochwassers 2005 von 3 Milliarden Franken um 600 Millionen Franken geringer ausgefallen. Man solle nicht am falschen Ort sparen, um am Ende mehr auszugeben, findet die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (Urek) des ­Nationalrats. Auf Antrag des ­Obwaldner CSP-Nationalrats Karl Vogler beschloss sie diese Woche mit 14 gegen 11 Stimmen eine Kommissionsmotion, um den Bundesrat zu zwingen, auf den Entscheid zurückzukommen. Es brauche weitere Massnahmen, um das Warn- und Alarmierungssystem aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln. Schliesslich hätten sie sich als «besonders kostenwirksames Instrument zur Schadensreduktion» erwiesen.

Grossen Handlungsbedarf sieht die Urek bei Dürreprognosen. Lang anhaltende Trockenheit wirke sich besonders auf Landwirtschaft, Wasserversorgung, Energie und Schifffahrt aus, heisst es im Vorstoss. In der Tat klagten nicht nur Bauern über Wassermangel. Vor zwei Wochen musste auch der Verkehr von Containerschiffen bei Basel eingestellt werden, nachdem das Niedrigwasser historische Werte erreicht hatte.