Spiess-Hegglin gegen «Weltwoche»:
Roger Köppels Magazin muss Urteil gegen eigenen Journalisten abdrucken

Das Zürcher Wochenmagazin gibt zu, die Privatsphäre der ehemaligen Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin verletzt zu haben und publiziert eine Zusammenfassung des Urteils gegen ihren ehemaligen Stellvertretenden Chefredaktor Philipp Gut.

Pascal Hollenstein
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Die ehemalige Grüne Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin und die «Weltwoche» des Zürcher SVP-Nationalrats Roger Köppel begraben das Kriegsbeil. In einem Schlichtungsverfahren vor dem Stadtzürcher Friedensrichteramt haben sich die beiden Parteien darauf geeinigt, eine von Spiess-Hegglin eingereichte Zivilklage gegen das Blatt aus der Welt zu schaffen. Dies geht aus dem Protokoll der Verhandlung hervor.

Setzt sich gegen die «Weltwoche »durch: Jolanda Spiess-Hegglin im November 2016.

Setzt sich gegen die «Weltwoche »durch: Jolanda Spiess-Hegglin im November 2016.

Urs Flüeler / Keystone

Köppels Magazin muss zur Streitbeilegung allerdings zwei Kröten schlucken. Erstens anerkannt das Blatt, im September 2015 in einem Artikel die Persönlichkeitsrechte von Spiess-Hegglin verletzt zu haben. Zweitens muss es eine Zusammenfassung des rechtskräftigen strafrechtlichen Urteils gegen den damaligen Köppel-Stellvertreter Philipp Gut publizieren und in der Print-Version prominent auf der Titelseite ankündigen. In der Online-Version wurde der Text bereits publiziert.

«Weltwoche»-Vize Philipp Gut hatte in seinem Artikel die These verfolgt, Spiess-Hegglin habe im Zusammenhang mit dem bis heute ungeklärten Vorfall nach der Zuger Landammannfeier im Dezember 2014 den damaligen Zuger SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann planmässig einer Sexualstraftat falsch bezichtigt und wiederholt gelogen. Sie habe damit einen sexuellen Fehltritt kaschieren wollen.

Muss Zusammenfassung eines Urteils publizieren: «Weltwoche»-Verleger und Zürcher SVP-Nationalrat Roger Köppel.

Muss Zusammenfassung eines Urteils publizieren: «Weltwoche»-Verleger und Zürcher SVP-Nationalrat Roger Köppel.

Walter Bieri / Keystone

Philipp Gut ist wegen dieses Artikels wegen mehrfacher übler Nachrede vom Zürcher Obergericht rechtskräftig verurteilt worden. Gut habe für seine These weder den Wahrheitsbeweis erbringend können, noch habe er nachweisen können, dass er Gründe gehabt habe, seine Äusserungen in guten Treuen für wahr zu halten, urteilte das Gericht.

Nicht eingetreten war das Obergericht auf den Antrag von Spiess-Hegglin, die «Weltwoche» habe sich öffentlich zur Fehlleistung zu bekennen und sich das Urteilsdispositiv zu veröffentlichen. Das Gericht hatte argumentiert, dass ein solches Begehren nicht im Strafverfahren gegen Gut, sondern in einem Zivilverfahren gegen die «Weltwoche» zu stellen sei.

Rechtskräftig verurteilt: Philipp Gut, ehemaliger Stellvertretender Chefredaktor der «Weltwoche».

Rechtskräftig verurteilt: Philipp Gut, ehemaliger Stellvertretender Chefredaktor der «Weltwoche».

Oliver Bartenschlager / LZB

Dies hat Spiess-Hegglin nun mit einer Zivilklage nachgeholt. Mit der Schlichtungsverhandlung und den Publikationen in der «Weltwoche» ist nun auch dieses Thema erledigt, ohne, dass es zum eigentlichen Prozess kommt. Philipp Gut arbeitet mittlerweile nicht mehr bei der «Weltwoche». Er hat sich zuletzt um ein grösseres Buchprojekt gekümmert.

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