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SPITZENDIPLOMAT: Auf gepackten Koffern

Der Schweizer Thomas Greminger wird Generalsekretär der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Ein Kabinettstück mit besten Absichten.
Thomas Greminger verfügt über viel Erfahrung in der Diplomatie. (Bild: EDA)

Thomas Greminger verfügt über viel Erfahrung in der Diplomatie. (Bild: EDA)

Erstaunlich ist es nicht mehr, wenn Schweizer Funktionärspersonal internationale Spitzenpositionen besetzt. Vor allem die Sportwelt profitiert regelmässig von helvetischem Know-how und eidgenössischem Sinn für Interessenausgleich. Und manchmal leidet sie auch daran. Vor allem wenn es um den Ball geht, dem die Menschheit rund um den Globus zur Völkerverständigung (und zum Geldverdienen) hinterherjagt.

Diese Geschichte ist eine andere. Sie handelt von einem, der einst Geschichte, Volkswirtschaft und Politologie studierte und mit knapp dreissig Jahren den diplomatischen Weg einschlug. Er, Thomas Greminger, beschritt ihn in der Folge ebenso beharrlich wie erfolgreich. Stages in Bern, Tel Aviv und Genf folgten In- und Auslandeinsätze im Dienst des Aussendepartements. Die Entwicklungszusammenarbeit kennt er dabei besonders gut. Er leitete unter anderem das Kompetenzzentrum für Friedens-, Menschenrechts-, humanitäre und Migrationspolitik und ist heute Chef des Bereichs Südzusammenarbeit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza).

Rückblickend sein wichtigstes Jahr – zumindest karrierepolitisch – war jedoch 2014. Es war die Zeit, als Bundesrat Didier Burkhalter für die Schweiz den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) führte und sich gleichsam zum Weltpolitiker aufschwang. Damals leitete Greminger den Ständigen Rat der Organisation, also das Beschlussorgan für regelmässige politische Konsultationen und die operative Arbeit der OSZE zwischen den Ministerräten.

Dass er seine Arbeit gut gemacht hat, ist anzunehmen. Was umso bemerkenswerter ist, denn es war das Jahr des russischen Einmarschs in der Ukraine. Und Greminger spielte eine wesentliche Rolle, als es darum ging, OSZE-Beobachter im Krisengebiet zuzulassen. «Es war das Spannendste, das ich je gemacht habe», sagte er dem «Tages-Anzeiger». Und wohl das persönlich Nachhaltigste. Jedenfalls kam es Anfang Woche im österreichischen Mauerbach zum Durchbruch beim Ministertreffen, als es um die Toppersonalie des OSZE-Generalsekretärs ging. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn der 56-jährige Spitzendiplomat nicht Nachfolger des Italieners Lamberto Zannier wird.

Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit. Was nicht mit den – zweifelsfrei vorhandenen – Qualitäten des Schweizer Diplomaten zu tun hat, sondern mit der Zerstrittenheit der OSZE und dem damit verbundenen Powerplay der Mitgliedstaaten in Personalfragen. Stellvertreterkriege, die dem Wesen von Greminger, der gleichzeitig als konsequent und agil geschildert wird, nicht entsprechen. Zu gradlinig ist er, zu sehr der Sache verpflichtet, als dass er in den Ruch des Postenschachers geraten wollte. Kommt hinzu: Die Mischung aus Friedensdiplomat, Generalstabsoffizier, vierfachem Familienvater und Mountainbiker scheint ihn im besten Sinn geerdet zu haben – auch und gerade für die Niederungen der Interessenpolitik.

Dabei brauchte die OSZE dringend anderes, um ihre Rolle im Konfliktmanagement spielen zu können. Einen eben, der «kein Selbstdarsteller, der pragmatisch und bestens vernetzt ist», wie Ex-Diplomat und SP-Nationalrat Tim Guldimann Greminger in der «Berner Zeitung» huldigte. Gut möglich, dass der OSZE-Spitzenfunktionär aus der Schweiz Burkhalters Weltpolitik in Wien fortzusetzen vermag. Gesetzt den Fall, dass die gepackten Koffer in Bern den Weg tatsächlich nach Wien finden werden.

Balz Bruder

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