SPORT: Die Schweiz fängt langsam Feuer

Die Olympischen Winterspiele sollen 2026 in der Schweiz stattfinden. Hinter den Kulissen wird bereits eifrig geweibelt. Natürlich in Luzern, aber auch in Uri. Doch dort gibt es noch ein Problem.

Eva Novak
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Die Schweizer Flagge weht vor dem olympischen Feuer in Sotschi im Jahre 2014. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

Die Schweizer Flagge weht vor dem olympischen Feuer in Sotschi im Jahre 2014. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

Eva Novak

Sechs Kantone hat Christian Constantin kontaktiert, fünf haben reagiert: Wallis, Bern und Tessin waren begeistert vom Vorschlag des Präsidenten des FC Sion, die Olympischen Winterspiele 2026 in den ganzen Alpenbogen rund um die Host City Sitten zu holen. Waadt und Graubünden antworteten eher zurückhaltend. Der sechste angefragte Kanton hingegen reagierte offiziell gar nicht. Nur Skilegende Bernhard Russi, wohnhaft in Andermatt, habe sich angetan gezeigt, berichtet Constantin und stellt leicht ernüchtert fest: «Die Urner Regierung hat als einzige kein Interesse.»

Kein Interesse? Von wegen. «Für Uri ist das eine Riesenchance, die es beim Schopf zu packen gilt», erklärt der ehemalige Regierungsrat und heutige CVP-Ständerat Isidor Baumann auf Anfrage der «Zentralschweiz am Sonntag». Nicht von ungefähr weible sein Kanton vehement für ein nationales Schneesport-Zentrum. Umso mehr gelte es, diese einmalige Gelegenheit für alle und alles – «vom Touristiker über den Metzger bis zum ÖV» – unbedingt weiter zu verfolgen. Das olympische Feuer lodert auch bei den noch aktiven Regierungsmitgliedern, nach dem kürzlich erfolgten Zuschlag für die Winteruniversiade erst recht. Wenn die Zentralschweiz in der Lage ist, die Olympischen Winterspiele der Studenten 2021 zu beherbergen, sind auch die «richtigen» Spiele ein Thema.

(Noch) keine offizielle Anfrage

«Selbstverständlich» sehe er ein Potenzial», sagt Finanzdirektor Josef Dittli (FDP), wirft sich für das Urserental in die Bresche und weist auf die Biathlon-Anlage in Realp hin, die man ausbauen könne. Sicherheitsdirektor Beat Arnold (SVP) outet sich als dezidierter Befürworter von Winterspielen, die in mehreren Kantonen und Regionen gleichzeitig ausgetragen werden. Offen für derlei Pläne ist auch der für Sportfragen zuständige Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg (CVP). Allerdings ortet er ein Problem: Er habe die Frage nicht dem Urner Regierungsrat vorlegen können, weil weder bei ihm noch beim Kanzleidirektor eine entsprechende Anfrage eingetroffen sei.

Bauingenieur wirbt um Luzern

Constantin ist also gut beraten, noch einmal eine Anfrage an die zuständigen Stellen in Altdorf zur richten und gut hinzuschauen, wie genau er diese adressiert. Zumal der streitbare Sion-Boss mit Sinn fürs Grosse nicht der Einzige ist, der die Zentralschweiz mit Olympia-Plänen umgarnt. «Wir sind im Gespräch mit Kanton und Stadt Luzern», bestätigt auch Kurt Iseli. Der Bauingenieur aus dem Kanton Bern führt eine Interessengemeinschaft an, die mit noch grösserer Kelle anrichtet. Er will eine Kandidatur auf die Beine stellen, die einen Grossteil des Landes und der Kantone umfasst.

Iseli stammt zwar aus dem bernischen Wintersportort Gstaad. Doch nicht der Berner Wintersportort oder ein anderes «weisses Zentrum» in einer Bergregion schwebt ihm als Host City der Olympischen Winterspiele in der Schweiz vor. Sondern eine grosse Stadt in der Nähe der Alpen: Luzern, Zürich oder Bern.

Egal, welche Stadt am Ende zum Handkuss kommt: Die anderen Regionen sollen nicht leer ausgehen. Die Eishockey-Spiele zum Beispiel könnten in Bern, Ambri oder Zug stattfinden, das Skispringen in Engelberg und die Bob-Wettbewerbe in St. Moritz. Fast alle Anlagen seien bereits vorhanden – und das erst noch in einem Umkreis von 100 Kilometern, freut sich der Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer. Nur eine Eisschnelllaufhalle müsse zusätzlich gebaut werden. «Das macht auch ökologisch Sinn», begründet der Sozialdemokrat sein Engagement. Er ist damit nicht allein: Eine ganze Reihe nationaler Politiker von der SVP bis zur SP stehen hinter dem Projekt.

Luftbrücke von Buochs aus

Die Gespräche mit Luzern seien bisher positiv verlaufen, berichtet Iseli. Für Luzern sprächen nicht nur die Synergien mit der Universiade, sondern auch die touristische Infrastruktur sowie die zentrale Lage, zählt er auf. Und gerät ins Schwärmen: Die VIP-Besucher etwa könnte man auf dem Bürgenstock unterbringen und sie vom Flugplatz Buochs aus per Luftbrücke nach St. Moritz transportieren. Konkrete Projekte liegen bereits vor, auch für Zürich und Bern. Für die Wirtschaftsmetropole spricht der benachbarte Gross-Flughafen, für Bern die Nähe zur Westschweiz.

Nur Zeit bis Dezember

Ob die Wahl auf Luzern, Bern oder Zürich fällt, hängt nicht zuletzt von der Akzeptanz von Behörden und Bevölkerung ab. Viel Zeit bleibt den verschiedenen Komitees – neben jenen von Iseli und von Constantin ist bisher von einer Bündner und einer Genfersee-Bewerbung die Rede – allerdings nicht: Die Dossiers müssen bis Dezember bei Swiss Olympic eingereicht werden. Und wirklich bestechend sein, sonst ist Endstation. Denn Swiss Olympic will diesmal auf Nummer sicher gehen, wie Sprecher Alexander Wäfler betont: «Wir reichen nur eine Kandidatur beim IOC sein, von der wir überzeugt sind, dass sie gute Chancen hat, die Spiele in die Schweiz zu holen.»