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SPORTLÄRM: Justiz-Posse um den FC Herrliberg

Zwei neureiche Zuzüger bedrohen den Frieden in Christoph Blochers Wohngemeinde. Sie wollen der Herrliberger Jugend das Fussballspielen vergällen – und ziehen bis vors Bundesgericht.
Eva Novak
Am 15. September 2007 spielte der FC Herrliberg zu Hause im Cup gegen den FC Zürich. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone)

Am 15. September 2007 spielte der FC Herrliberg zu Hause im Cup gegen den FC Zürich. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone)

Eva Novak

Es ist, wie manche sagen, eine bedrohliche, ja geradezu unerhörte Geschichte, die sich zurzeit in Herrliberg abspielt. In jenem beschaulichen Dorf an der Zürcher Goldküste, dem Christoph Blocher zu landesweitem Ruhm verhalf, indem er sich 1997 da niederliess. Allerdings dreht sie sich nicht um den Milliardär und Altbundesrat. Nicht er wird bedroht, sondern das Fussballspiel der 560 Aktivmitglieder des FC Herrliberg.

Der Fussballverein, der lange vor Blochers Zuzug ans rechte Zürichseeufer gegründet wurde und heute zu den grössten im Kanton gehört, hat das folgende Problem: Zwei Anwohnern ist der Trainings- und Spielbetrieb auf den beiden Fussballplätzen zu laut, das Flutlicht, das nächtens den Blick aufs gegenüberliegende Ufer verstrahlt, zu hell.

Die Trillerpfeife aus den Trainings verbannt

«Neureich erträgt den Lärm der Fussball spielenden Jugend nicht und will ihn ersticken», formuliert es FC-Mitglied Peter Junker. Leidtragende ist zunächst einmal die Gemeinde. Als Besitzerin der Fussballplätze wurde sie von den lärm- und lichtgeplagten Anwohnern verklagt, worauf sie Einschränkungen für den Fussballbetrieb verfügte. Die drei aktiven Herrenteams – welche die meisten Zuschauer anziehen – dürfen an den Abenden unter der Woche keine Meisterschaftsspiele mehr austragen, die Trillerpfeife wurde aus den abendlichen Trainings auch der Junioren-, Senioren- und Damenmannschaften verbannt, und an den Sonntagen herrscht am Mittag anderthalb Stunden Zwangs-Spielpause.

Den streitbaren Anwohnern reichte das nicht. Sie zogen ihre im Jahre 2012 eingereichte Klage weiter, blitzten auch in zweiter Instanz ab und gelangten jetzt ans Bundesgericht.

Warum genau, ist unklar. Weder die beiden Kläger noch ihr Anwalt waren in den letzten Tagen für eine Stellungnahme erreichbar. Klar ist hingegen, dass sich der FC Herrliberg seit zwei Jahren an die von der Gemeinde verfügten Einschränkungen hält, obwohl diese nicht rechtskräftig sind. «Aus Goodwill», wie Vereinspräsident Lars Haussmann sagt: «Wir hofften, dass ihnen die Klagelust vergeht.» Vergeblich.

Den grössten Lärm kriegt der FC-Präsident ab

In der Gemeindeverwaltung füllt die Causa FC Herrliberg inzwischen eine ganze Reihe von Bundesordnern. Unter anderem mit Berechnungen, mit welchen Massnahmen wie viele Anwohner mit Lärmbelastungen leben müssten, die über den Richtwerten liegen. Die beiden Kläger fallen bereits heute nicht mehr darunter, andere, die nicht klagen, hingegen schon. Den grössten Lärm kriegt der FC-Präsident ab, da sein Haus am nächsten liegt.

«Eine ganz schwierige Geschichte» nennt es Bausekretär Reto Studer. Für Sportplätze gebe es keine allgemein gültigen gesetzlichen Lärmvorgaben. Dass die Lärmrichtwerte für sogenannte «Neuanlagen» – die nach Inkrafttreten des Umweltschutzgesetzes im Jahre 1985 errichtet wurden – strenger sind, macht die Sache auch nicht leichter. Denn die Anlagen des FC Herrliberg wurden seit der Gründung im Jahr 1975 stetig erweitert und modernisiert.

Gemeinde und Fussballclub warten also gespannt auf das Bundesgericht, von dessen Urteil sie Signalwirkung fürs ganze Land erwarten. Der Fussballclub fürchtet massive Einschränkungen des Spielbetriebs und lädt für Mitte Dezember zum friedlichen Protestmarsch durchs Dorf.

Und das Bundesamt für Sport? Zum konkreten Fall äussert sich Sprecher Christoph Lauener nicht, aber: «Wir stellen ganz allgemein fest, dass die Nutzungskonflikte zunehmen.» Es lebten immer mehr Menschen auf engem Raum, und sie zögen gleich vor Gericht, ohne zuvor das Gespräch zu suchen.

Gar nichts sagt Christoph Blocher. Der prominente Herrliberg-Zuzüger liess eine Anfrage unserer Zeitung unbeantwortet. Ob er den FC Herrliberg zumindest moralisch unterstützt, wie einige Mitglieder glauben, oder sich im Gegenteil auch am Lärm und am Flutlicht unter seinem Anwesen stört, muss deshalb offenbleiben. Zumindest eines steht ausser Zweifel: Geklagt hat er nicht.

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