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SPRACHBARRIERE: Dolmetscher für Asylverfahren gesucht

Mit dem neuen und beschleunigten Asylverfahren müssen mehr Gespräche mit den Flüchtlingen in kürzerer Zeit geführt werden. Die Flüchtlingshilfe warnt vor einem Mangel an qualifizierten Übersetzern.
Michel Burtscher
Zwei Asylanten in Escholzmatt werden unter anderem auch von einem Übersetzer unterstützt. (Symbolbild LZ)

Zwei Asylanten in Escholzmatt werden unter anderem auch von einem Übersetzer unterstützt. (Symbolbild LZ)

Dolmetscherinnen und Dolmetscher haben eine Schlüsselrolle im Asylprozess: Sie sind das Bindeglied zwischen den Behörden und den Asylsuchenden, die in vielen Fällen keine Landessprache beherrschen. Heute hat das zuständige Staatssekretariat für Migration (SEM) über 500 Übersetzer für rund 130 Sprachen unter Vertrag. Künftig dürfte es im Asylwesen sogar noch mehr von ihnen brauchen.

Der Grund: Voraussichtlich im Jahr 2019 soll das revidierte Asylgesetz in Kraft treten, dem die Bevölkerung im vergangenen Jahr zugestimmt hat. Dieses bringt beschleunigte Verfahren und eine kostenlose Beratung und Rechtsvertretung für die Asylsuchenden mit sich – das bedeutet mehr Gespräche in kürzerer Zeit und damit mehr Übersetzungsarbeit. Gemäss einem Po­sitionspapier von Interpret, der Interessensgemeinschaft für interkulturelles Dolmetschen und Vermitteln, haben die Erfahrungen im Testbetrieb in Zürich gezeigt, dass bis zu 80 Prozent der Asylsuchenden für die Rechtsberatung einen Dolmetscher brauchen.

Mehr Geld für Übersetzer gefordert

Deswegen warnt die Schweize­rische Flüchtlingshilfe nun vor einem Mangel an qualifizierten Übersetzern und fordert Massnahmen: Weil bereits heute ­Engpässe beständen, gelte es, ­dringend Investitionen in die Aus­bildung von Dolmetschern zu tätigen, heisst es in einem ­Beitrag, der kürzlich auf der Internetseite der Organisation ­erschienen ist. Mediensprecher Stefan Frey bestätigt: «Es müssen mehr Dolmetscher ausgebildet werden», sagt er. In der Pflicht sieht die Flüchtlingshilfe vor allem die Behörden. Es bleibe zwar noch Zeit, bis die Gesetzesrevision in Kraft trete, doch es müsse jetzt gehandelt werden, sagt Frey. Auch Interpret forderte in ihrem Papier vom März, dass genügend Mittel bereitgestellt werden müssten für die «Rekrutierung und Qualifizierung» neuer Dolmetscher.

Mehraufwand von rund 36 Millionen Franken

Der Bund gibt sich jedoch gelassen. Man bereite sich auch in dieser Hinsicht auf das neue Asylverfahren vor, schreibt das SEM auf Anfrage. Es rechne mit einem «geringen Mehrbedarf an Dolmetschenden». Zudem betont das SEM, dass es nicht zuständig sei dafür, Dolmetscher für die Beratung und Rechtsvertretung zu rekrutieren. Dies sei die Aufgabe des externen Leistungserbringers, der den Rechtsschutz organisiert. Dieser erhält vom Bund für seine Arbeit eine Pauschale, in der auch die Entschädigung für einen «unabhängigen Dolmetscher» enthalten ist. Die Beratungsfirma McKinsey kam in ihrem Bericht über den Testbetrieb in Zürich zum Schluss, dass der ausgebaute Rechtsschutz sowie der zusätzliche Bedarf an externem Personal, insbesondere Dolmetschern und Protokollführern, zu einem Mehraufwand von jährlich rund 36 Millionen Franken führen werde.

Michel Burtscher

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