ST. GALLEN: Bischof von Chur zunehmend in der Isolation

Bischof Vitus Huonder rüffelt die Schweizerische Bischofskonferenz. Er fühlt sich von seinen Kollegen übergangen.

Drucken
Teilen
Vitus Huonder steht weiter in der Kritik. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Vitus Huonder steht weiter in der Kritik. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Rund 2000 Menschen demonstrieren am 9. März dieses Jahres in St. Gallen gegen den Churer Bischof Vitus Huonder. Sie werfen ihm Ausgrenzung und Diskriminierung von Katholiken vor, die nicht seiner konservativen Linie entsprechen. Bei der Kathedrale übergeben sie dem Präsidenten der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK), Bischof Markus Büchel, einen Brief. Am letzten Montag nun trafen sich Delegationen der SBK und der Allianz «Es reicht!», die zur Demo aufrief, zu einem Gespräch. In der SBK-Delegation war Bischof Huonder nicht dabei. Auf das nach dem Gespräch an die Medien verschickte Communiqué reagiert das Bistum Chur nun beleidigt: Der Bischof von Chur wünsche eine «Beteiligung» bei einem Communiqué, das ihn betreffe, heisst es darin.

Widersprüchliche Aussagen

Hat die SBK Bischof Huonder ausgehebelt, wie es die Reaktion aus Chur nahelegt? Laut Walter Müller, Sprecher der SBK, hatte das Gespräch aber die ausdrückliche Zustimmung des Churer Bischofs. «Bischof Vitus Huonder war informiert und stimmte zu, dass das Gespräch einer SBK-Delegation mit Leuten der Allianz ‹Es reicht!› ohne ihn stattfindet.» Und mit einem Communiqué nach dem Gespräch musste er rechnen: «Dass es von dem Treffen ein Mediencommuniqué geben wird, ist ein ganz normaler Vorgang und entspricht den Gepflogenheiten der SBK», sagt Müller.

Markus Heil, Mitglied der «Es-reicht!»-Delegation, erklärt sich den Churer Vorwurf aus dem Verlauf des Gesprächs. «Das Bistum Chur verkraftet es offensichtlich nur schwer, dass sich die SBK-Delegation mit uns auf Augenhöhe unterhalten hat und dabei die kirchlichen Probleme benannt wurden und diese angegangen werden sollen.» Laut Communiqué will man gemeinsam «die gegenwärtige Polarisierung überwinden».

Drei Lager in der SBK

Das Verhalten des Bistums Chur wirft aber auch ein Licht auf die SBK-Dynamik. Dabei gerät der Hardliner Huonder in eine zunehmende Isolation. «Innerkatholisch ist es ein offenes Geheimnis, dass Bischof Vitus Huonder innerhalb der Schweizerischen Bischofskonferenz ein gehöriger Outsider ist», sagt Erwin Koller, langjähriger Leiter der «Sternstunde» am Schweizer Fernsehen. Demnach gibt es drei Gruppierungen in der 13-köpfigen SBK:

  • Erstens die Welschen, die andere Probleme haben als den Konflikt mit dem Bistum Chur.
  • Bei den Deutschschweizern gibt es die Gruppe der moderaten, am Dialog mit den Menschen von heute interessierten Bischöfe.
  • Als dritte Partei in starkem Kontrast zur zweiten Gruppe steht Bischof Huonder. Ob der Churer Weihbischof Marian Eleganti mit Huonder ein Duo bildet, ist laut Insidern nach seiner Absetzung als Regens des Priesterseminars Chur Anfang Jahr zumindest fraglich.

Das «Selbstdestruktions-Trio»

Die Bischofskonferenz kann aufgrund ihrer Verfasstheit gegen Spannungen wenig unternehmen. Markus Ries, Professor für Kirchengeschichte: «Die SBK hat keine rechtlichen Instrumente, interne Konflikte zu lösen.» Es sei ein echtes Problem, dass die SBK keine Mittel zu Sanktionen gegenüber ihren eigenen Mitgliedern hat. Darum kann es auch keine Strategie zur Lösung eines Konflikts geben. Gefolgsleute hat Huonder ausserhalb der SBK. «Bischof Vitus Huonder, sein Generalvikar Martin Grichting und Bistumssprecher Giuseppe Gracia sind eine Art ‹Selbstdestruktions-Trio›, sagt Erwin Koller. Markus Heil kommentiert den Konflikt diplomatisch: «Es scheint, als behaupte Chur, man könne mit uns keine Lösungen für die Probleme der Kirche finden. Wir möchten aber aus der Polarisierungsschlaufe aussteigen.»

Giuseppe Gracia verweist bei der Nachfrage für den Grund der Reaktion auf das Communiqué der SBK auf eine bereits in der NZZ erfolgte Antwort: «Das SBK-Präsidium hat mit Dritten über Bischof Vitus gesprochen und dann ohne seine Beteiligung kommuniziert.» Dass das Bistum Chur mit einem Communiqué habe rechnen müssen, will er nicht kommentieren.Daniel Klingenberg