STAATSBESUCH: Peng Liyuan - die rote First Lady

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping ist im eigenen Land den meisten zwar ein Begriff. Er ist ja immerhin seit nunmehr vier Jahren ihr Staatsoberhaupt. Und trotzdem: Wenn man auf Pekings Strassen Passanten fragt, was sie denn Persönliches über ihn wissen, wird meistens die Antwort erhalten: «Na, das ist doch der Mann von Peng Liyuan.»

Felix Lee/Peking
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Der Chinesische Präsident Xi Jinping (Mitte) mit seiner Frau Peng Liyuan und der Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard. (Bild: Keystone/Reuters (Kehrsatz, 15. Januar 2017))

Der Chinesische Präsident Xi Jinping (Mitte) mit seiner Frau Peng Liyuan und der Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard. (Bild: Keystone/Reuters (Kehrsatz, 15. Januar 2017))

Xi bekleidete schon lange vor seiner Präsidentschaft eine Reihe hochrangiger Ämter. Zu wirklicher Prominenz schaffte er es nicht. Das ist im Wesentlichen dem politischen Gefüge der Volksrepublik geschuldet. Die Parteikader lassen sich nur selten über die Schulter schauen. Über ihr Privatleben geben sie meistens gar nichts bekannt. Mit Xis Gattin Peng Liyuan ist das aber anders. Denn sie war viele Jahre lang ein landesweit bekannter Schlagerstar. Seit Sonntag ist auch sie in der Schweiz. Sie begleitet ihren Mann auf seinem Staatsbesuch in der Eidgenossenschaft und wird mit ihm auch nach Davos und Genf folgen. Ihre Eleganz und ihr attraktives Erscheinungsbild dürfte auch schon viele Schweizer beeindruckt haben. Die heute 54-Jährige wuchs in ärmlichen Verhältnissen in einem abgelegenen Dorf in der ostchinesischen Provinz Shandong auf. Mit 18 trat sie der Volksbefreiungsarmee bei – damals üblich für ihre Generation, versprach das Militär doch Aufstiegschancen und ein lebenslanges Auskommen. Mit 20 wurde sie als Sängerin entdeckt. Sie trat der Kommunistischen Partei bei und hatte 1983 ihren musikalischen Durchbruch auf der berühmten Fernsehgala zum chinesischen Neujahrsfest, die Sendung mit der jährlich höchsten Zuschauerzahl der Welt.

Und sie wusste schon damals ihr Publikum zu beeindrucken. Mal trat sie in prächtigen Seidenroben auf, manchmal auch im grünen Militär-Look. Mit herzzerreissenden Lobeshymnen auf die Kommunistische Partei und volkstümlichem Liedgut begeisterte sie das Publikum. «Wer hat uns befreit? Der Stern der Kommunistischen Partei! Wer baut unsere Strassen und Brücken – die Volksbefreiungsarmee!», sang sie etwa im «Lied vom Wäschewaschen». Auch im Musical «Mulan» ist sie schon als Sopranistin aufgetreten. Als sie 2007 bei der Neujahrsgala plötzlich nicht mehr zu sehen war, wussten Insider Bescheid: Ihr Mann wird für Höheres bestimmt sein. So kam es dann auch. Im selben Jahr wurde Xi Jinping Chinas Vizepräsident. Sie hatte ein Jahr darauf dennoch ein Gastspiel in Wien. Unvergessen bei vielen Chinesen: ihre Wohltätigkeitskonzerte im Kata­strophen­gebiet nach dem Erdbeben von Sichuan 2008 mit über 80000 Opfern.

Engagement für Aids- und Tuberkulose-Aufklärung

Mit Peng Liyuan gibt es zum ersten Mal in der Geschichte der Volksrepublik eine First Lady, die diese Bezeichnung nicht nur verdient, sondern auf die die meisten Chinesen auch stolz sind. Mao Zedongs Ehefrau Jiang Qing war zwar ebenfalls bekannt, aber verhasst. Sie gehörte zur sogenannten «Viererbande», die selbst nach der Macht greifen wollte und in den 1970er-Jahren massgeblich das Land in die blutige Kulturrevolution trieb. Nach Maos Tod wurde sie verhaftet und zum «Tod auf Bewährung» verurteilt. 1991 beging sie Selbstmord. Alle nachfolgenden Präsidentengattinnen hielten sich bei Staatsbesuchen im Hintergrund.

Peng Liyuan ist anders. Seit ihr Mann Staatsoberhaupt ist, tritt sie zwar nicht mehr bei der Neujahrsgala auf. Stattdessen nimmt sie eine Reihe ehrenamtlicher Tätigkeiten wahr. Sie ist Sonderbotschafterin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bekämpft das Passivrauchen und setzt sich für mehr Aufklärung von Tuberkulose-Erkrankungen und Aids ein – letzteres für viele Chinesen noch immer ein Tabu. Seit 2014 ist sie zudem Sonderbotschafterin der Unesco und wirbt für das Recht auf Bildung für Mädchen und Frauen. Auch das ist im ländlichen Raum in China noch immer nicht selbstverständlich. Beim Besuch in der Schweiz versteht sie sich daher nicht nur als Begleiterin, sondern ist auch in eigener Mission unterwegs. Sie will in Genf der WHO-Zentrale einen Besuch abstatten.

Felix Lee/Peking