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STAATSBESUCH: Schwieriges China, wichtige Schweiz

Konkrete Ergebnisse hat der Besuch von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in Peking nicht gebracht. Und doch war diese Reise wichtig.
Felix Lee, Peking
Lockere Atmosphäre: Bundesrat Johann Schneider-Ammann zusammen mit Chinas Minister für Wissen und Technologie, Wan Gang. (Bild: AP/Ng Han Guan)

Lockere Atmosphäre: Bundesrat Johann Schneider-Ammann zusammen mit Chinas Minister für Wissen und Technologie, Wan Gang. (Bild: AP/Ng Han Guan)

Als das letzte Mal ein Schweizer Staatsoberhaupt das Reich der Mitte besuchte, gab es geradezu einen Hype um China. Vor sechs Jahren war das. Die jetzige Vizepräsidentin Doris Leuthardt (CVP) bekleidete damals das Amt der Bundespräsidentin.

Während der Rest der Welt mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen hatte, wuchs Chinas Wirtschaft zweistellig. Die gute Stimmung der Olympischen Sommerspiele von 2008 in Peking wirkte noch nach. Und dann war da das neu aufkommende Reisefieber: Die meisten Chinesen hatten erst seit kurzer Zeit überhaupt die behördlichen und finanziellen Möglichkeiten, ins Ausland zu reisen. Im ganzen Land herrschte Aufbruchstimmung.

Seitdem hat sich das Einkommen der meisten Chinesen fast verdoppelt, die Zahl der Autos ebenfalls. Inzwischen sind es über hundert Millionen Chinesen, die jedes Jahr die Welt bereisen. Und auch, wenn die Wirtschaft mit rund 7 Prozent nicht mehr ganz so schnell wächst, wie noch vor ein paar Jahren – das Wachstumsvolumen bleibt beachtlich.

Bescheidenheit ist nun angesagt

Trotzdem ist Bundespräsident Johann Schneider-Ammann bei seinem dreitägigen Staatsbesuch auf ein Land gestossen, in dem vor allem eins herrscht: Katerstimmung. Börsenkrach, Immobilienblase, sogar von einem Zusammenbruch der chinesischen Wirtschaft ist in den internationalen Wirtschaftsmedien zu lesen. Und auch Schweizer Unternehmen heben mehr die Probleme hervor als die Chancen und beklagen, dass die Aussichten im Reich der Mitte nicht mehr ganz so rosig seien. Vor allem die lange Zeit boomende Luxusindustrie hat es schwer. Bescheidenheit lautet die neue Doktrin.

Dabei hat das langsamere Wachstum konkrete Gründe und wird bewusst in Kauf genommen. Seit Xi Jinping vor drei Jahren das Amt des Staatsoberhaupts übernommen hat, überzieht er das Land mit einer umfassenden Antikorruptionskampagne: Mehr als 300 000 Beamten, Militärs und Parteisekretäre, darunter auch viele Spitzenkader, wurden im Zuge der Korruptionsbekämpfung bereits gestürzt. Kaum jemand mehr traut sich, zu prassen und mutige Entscheidungen zu fällen. Und die Kampagne hält an.

Umbau der Wirtschaft ist teuer

Zugleich hat die chinesische Führung erkannt, dass das Land mit seinem bisherigen Wachstumsmodell nicht weitermachen kann: Umweltzerstörung, Überkapazitäten in der Schwerindustrie und Überschuldung der Lokalregierungen waren die Folge. Der Umbau zu einer nachhaltigen Wirtschaft ist allerdings teuer, schwierig und sorgt für zusätzliche soziale Verwerfungen.

All diese Probleme hat Schneider-Ammann bei seinen Treffen mit dem chinesischen Staatschef Xi und dem für Wirtschaft zuständigen Premierminister Li Keqiang wenn überhaupt nur am Rande erwähnt. Stattdessen erörterte der Bundespräsident ausführlich die Schwierigkeiten bei der Umsetzung des vor knapp zwei Jahre abgeschlossenen Freihandelsabkommens zwischen China und der Schweiz. Dabei handelt es sich um reine Übergangsprobleme, die sich mit der Zeit quasi von selbst erübrigen.

Trotz seiner eher ergebnislosen Gespräche kommt Schneider-Ammann zur rechten Zeit nach China. Die Schweiz ist zwar nur ein kleines Land und hat gerade einmal so viel Einwohner wie ein Pekinger Stadtteil. Und doch bleiben die Schweizer und vor allem ihre Waren in China wichtig und angesehen. Denn so wie auch die Deutschen, bieten die Schweizer genau die Produkte, die China für den Umbau seiner Wirtschaft derzeit besonders benötigt: Präzisionsmaschinen, Umwelttechnologie, Service-Know-how und nicht zuletzt Qualitätsbewusstsein.

Wichtiges Signal für die Schweizer

Schneider-Ammanns China-Reise diente denn auch nicht so sehr, sich bei der chinesischen Führung anzubiedern und für die Schweizer Wirtschaft zu werben. Das hat die Schweiz in China gar nicht nötig. Seine Reise richtete sich vor allem an die Schweizer. Die zentrale Botschaft seiner Reise: Der Hype um China mag zwar nachgelassen haben. Und es bleibt eine Herausforderung, mit China Geschäfte einzugehen. Aber sie werden sich für die Schweiz auch weiter auszahlen.

Felix Lee, Peking

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