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Ständeratswahlen: Die Revolution im Wallis bleibt aus - ganz knapp

Der Linke Mathias Reynard schaffte es nicht, die über 150 Jahre andauernde Vormacht der C-Parteien zu durchbrechen. Zu einer Premiere kommt es im Wallis dennoch.
Benjamin Weinmann aus Sitten
Gewählt: Die CVP-Politiker Beat Rieder und Marianne Maret. (KEYSTONE/Olivier Maire)

Gewählt: Die CVP-Politiker Beat Rieder und Marianne Maret. (KEYSTONE/Olivier Maire)

«Die Geschichte wartet» – so hatte der «Walliser Bote» am Samstag getitelt im Hinblick auf den zweiten Wahlgang für den Ständerat. Tatsächlich hat sich dabei Historisches abgespielt, wenn auch der süsse Duft der Rebellion verflogen ist. Zu dieser wäre es gekommen, wenn der SP-Nationalrat Mathias Reynard es geschafft hätte, die über 150 Jahre andauernde Dominanz der C-Parteien in der kleinen Kammer in Bern zu sprengen. Stattdessen konnte sich CVP-Politikerin Marianne Maret knapp durchsetzen. Sie ist die erste Frau, die für das Wallis im Ständerat Platz nehmen wird. Zudem ist sie die einzige Walliserin im eidgenössischen Parlament.

Dabei standen die Zeichen nicht schlecht für einen politischen Umsturz und einen Überraschungssieg Reynards. Der 32-Jährige hatte im ersten Wahlgang ein bemerkenswertes Resultat hingelegt. Bei den Nationalratswahlen erhielt er gar am meisten Stimmen aller acht Walliser Nationalräte. Entsprechend wurden ihm gute Chancen eingeräumt, das anscheinend Unmögliche im katholisch geprägten Bergkanton möglich zu machen: das CVP-Doppel­ticket von Beat Rieder und Marianne Maret zu sprengen.

Der Sitz des Bisherigen, des Oberwallisers Rieder, galt zu Recht als ungefährdet. Doch zwischen Reynard und der 61-jährigen Grossrätin Maret kam es zum erwartet knappen Zweikampf. Im improvisierten TV-Studio von Canal 9 in der Brasserie du Grand Pont in der Sittener Altstadt hüteten sich die Politexperten, die Resultate zu früh als definitiv auszurufen. Denn zuerst kamen die Stimmen aus dem deutschsprachigen, ländlichen Oberwallis, wo sich zeigte, dass die Wähler relativ geschlossen der Parteilinie folgten und für Maret stimmten.

Am Schluss fehlten 1400 Stimmen

Die Frage blieb: Würden die grösseren Städte wie Martigny oder Sion im frankophonen Unterwallis, das 75 Prozent der Bevölkerung ausmacht, noch den Umschwung bringen? Denn auch im Wallis wächst die urbane, liberale Bevölkerung: Marets Vorsprung schmolz mit den städtischen Stimmen zwar, doch am Schluss obsiegte sie mit 48 400 Stimmen und 44,98 Prozent – nur 1400 Stimmen mehr als Reynard (43,6%). Beat Rieder erhielt 52 300 Stimmen (48,6%).

Das Resultat wird im Wallis noch länger zu reden geben. Denn es hat den Röstigraben innerhalb des Kantons verstärkt. Das Oberwallis wählte geschlossen das CVP-Zweierticket, während im urbaneren Unterwallis Reynard seine Konkurrentin Maret hinter sich liess, zum Teil mit grossem Abstand. «Für mich ist das ein klares Zeichen, dass im Unterwallis ein Wandel im Gang ist», sagt der Unterlegene im Gespräch, der von seinen Anhängern trotz Niederlage frenetisch gefeiert wurde. «Die Bevölkerung wird urbaner und sie will eine offenere, modernere und pluralistischere Politik. Sie hat genug von der Kumpanei und der Altherren-Politik.» Doch weshalb ist dieser Wandel nicht im Oberwallis angekommen? Reynard zuckt mit den Schultern: «Ich weiss es nicht.»

Der süsse Duft der Rebellion ist verflogen - fürs Erste

Für Walliser SP-Vertreter ist klar, dass das Oberwallis dem Unterwallis zwei Kandidaten aufs Auge gedrückt hat. Im Vorfeld hatte sich sogar FDP-­alt-Bundesrat Pascal Couchepin für Reynard ausgesprochen, mit dem Argument, dass die Resultate bei den eidgenössischen Wahlen eine reine CVP-Vertretung im Ständerat nicht mehr rechtfertigen würden. Dennoch dürften viele Freisinnige bürgerlich gewählt haben, ebenso wie die SVP, deren Kandidaten im zweiten Wahlgang chancenlos waren.

Der Duft der Rebellion ist verflogen – fürs Erste Vor vier Jahren hatte sich der Freisinnige Pierre-Alain Grichting als Letzter angeschickt, die historische Dominanz der CVP und CSP im «Stöckli» anzugreifen. Ihm fehlten am Schluss 1400 Stimmen – so viele wie Reynard. Dennoch ist der Wandel nicht zu leugnen, schliesslich politisiert Reynard viel mehr links. Er setzt sich im katholischen Kanton für Themen wie Feminismus und Homosexuellenrechte ein. Der süsse Duft der Rebellion – fürs Erste ist er im Wallis verflogen. Doch weitere 150 Jahre wird das C-Bollwerk nicht Bestand halten. Darin ist man sich im Wallis einig.

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