Stärkstes Beben in 100 Jahren

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Mexiko Kurz vor Mitternacht begann in Mexiko die Erde zu wanken. In der Nähe des Epizentrums im Süden des Landes brachten die Erdstösse Häuser und Laternenmasten zum Einsturz; 34 Menschen kamen nach ersten Angaben ums Leben, in mehreren Regionen gab es Stromausfälle. Auch in den benachbarten Ländern Guatemala und El Salvador waren Ausläufer zu spüren und stürzten Häuser ein. An der Pazifikküste wurde eine Tsunami-Warnung verhängt.

Noch Stunden danach kam es zu mehreren Nachbeben. Aus Angst verbrachten Tausende die Nacht auf den Strassen und in öffentlichen Pärken. Das Beben mit der Stärke 8,1 war ähnlich stark wie der verheerende Erdstoss im Jahr 1985, bei dem in Mexiko-Stadt knapp 20 000 Menschen ums Leben gekommen waren. Auch diesmal war das Beben bis in die Hauptstadt zu spüren, wenngleich das Epizentrum Tausende Kilometer entfernt und in 58 Kilometern Tiefe lag. Präsident Enrique Peña sprach vom «stärksten Beben in 100 Jahren». 50 Millionen Menschen leben in der Region, in der das Beben zu spüren war; rund eine Million war Peña zufolge von Stromausfällen betroffen.

Schwankende Monumente

Im Internet kursierten Videoaufnahmen, die zeigen, wie Monumente in Mexiko-Stadt hin und her wanken. Dennoch kam es nicht zu Panikreaktionen; die Bevölkerung ist seit dem Beben von 1985 für solche Notfälle trainiert und suchte unter Türbalken Schutz oder ging auf die Strasse. Die U-Bahn und der Flughafen nahmen nach einer kurzen Unterbrechung für technische Überprüfungen ihren Betrieb wieder auf.

Besonders betroffen war der Bundesstaat Oaxaca, dort kamen ersten Angaben zufolge 23 Menschen ums Leben, die meisten in der Stadt Juchitán. Im Bundesstaat Chiapas starben nach Angaben des Gouverneurs sieben Menschen; drei davon in der Kolonialstadt San Cristobal de las Casas durch den Einsturz eines Hauses. Zwei Kinder und ein Erwachsener kamen in Tabasco ums Leben, darunter ein Baby, weil durch einen Stromausfall das Beatmungsgerät ausfiel. Das andere Opfer war ein kleiner Junge, der unter einer einstürzenden Mauer begraben wurde. Die Regierung verhängte im Krisengebiet den Notstand. Gestern fiel in der Hälfte der mexikanischen Bundesstaaten der Unterricht aus. Die Regierung will die Bausubstanz der Schulen überprüfen.

Sandra Weiss, Puebla