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STARKER FRANKEN: Drei Jahre Schonfrist für Pharmabranche

Trotz neuem Wechselkurs werden die Preise für Medikamente nicht angepasst. Die Pharmaindustrie profitiert bis 2018.
Sermîn Faki
Schweizer Prämienzahler müssen für Medikamente weiterhin tief in die Tasche greifen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Schweizer Prämienzahler müssen für Medikamente weiterhin tief in die Tasche greifen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Schweizer Konsumenten haben derzeit viel Grund zur Freude. Reisebüros bieten Ferien zu Euro-Preisen an, und viele Läden werben Kunden mit saftigen Rabatten – angesichts des starken Frankens tut der Handel viel, um die Konsumenten nicht ans grenznahe Ausland zu verlieren, und verzichtet dabei auf einen Teil der Marge. Sorgen dieser Art muss sich die Pharmaindustrie nicht machen. Die Preise für Arzneimittel werden frühestens in eineinhalb Jahren an den neuen Wechselkurs angepasst. Ein Drittel der Medikamente, die von den Krankenkassen über die Grundversicherung vergütet werden müssen, profitiert sogar bis 2018 von der Franken-Schonfrist.

Langfristiger Wechselkurs

Der Grund dafür ist einfach: Jedes Jahr prüft das Bundesamt für Gesundheit ein Drittel aller Medikamente auf ihren Preis. Dabei vergleicht es diesen mit dem Preis, den das Arzneimittel in sechs umliegenden Ländern kostet. Dabei wendet der Bund einen Durchschnittswechselkurs an, der sich aus den Wechselkursen zwischen dem 1. Februar des Vorjahres und dem 31. Januar des aktuellen Jahres berechnet. Dass die Nationalbank den Mindestkurs Mitte Januar aufgegeben hat, heisst für die diesjährige Preisrunde: Bei den Medikamenten ist ein Euro immer noch 1.21 Franken wert, plus Toleranzmarge liegt der Kurs sogar höher. Und das schenkt ein. Die Regelung bringt den Pharmaunternehmen eine halbe Milliarde Franken mehr, wie Preisüberwacher Stefan Meierhans für das Schweizer Fernsehen errechnet hat. Vor diesem Hintergrund plädiert Meierhans denn auch für Anpassungen am Preisfestsetzungssystem. «Ein Medikament muss nicht nur alle drei Jahre, sondern jährlich auf den Preis überprüft werden», lautet eine seiner Forderungen.

Kaum Umsatz im Inland

Die Pharmaverbände haben dafür kein Verständnis. Thomas Cueni, Generalsekretär von Interpharma, dem Verband der forschenden Pharmaunternehmen, fordert im Gegenteil eine «Abfederung des Franken-Schocks». Es stimme zwar, dass die Erstarkung des Frankens sich wegen des Exportanteils bei den Preisen nicht sofort auswirke. «Aber unsere Mitglieder betreiben in der Schweiz Forschung und produzieren zum Teil auch hier. Da trifft sie der starke Franken ebenso wie andere Industrien.»

Für Cuenis Mitglieder trifft das allerdings nur bedingt zu. So sagte Roche-CEO Severin Schwab diese Woche im «Blick», dass sein Konzern nur 1 Prozent des Umsatzes in der Schweiz mache. Zudem fallen 82 Prozent der Kosten im Ausland an. Für Novartis gilt Ähnliches: Nur 13 Prozent der Kosten fallen in Schweizer Franken an, der Umsatz­anteil des Schweizer Marktes beträgt 2 Prozent. Bei den kleineren Pharmafirmen präsentiert sich die Lage anders: Hier fallen gemäss der Vereinigung der Pharmafirmen in der Schweiz 60 Prozent der Kosten im Inland an.

Berset will die Schraube anziehen

Dass die Branche auf Vorrat klagt, hat auch damit zu tun, dass Gesundheitsminister Alain Berset derzeit ein neues System zur Preisfestsetzung verarbeitet und die Schraube leicht anziehen will. So will er die Anzahl Länder, mit denen verglichen wird, auf neun erhöhen, und auch Rabatte mit einfliessen lassen. Dadurch würden die Preise in der Schweiz weiter sinken, weswegen sich die Pharmafirmen wehren. Der starke Franken kommt ihnen dabei gelegen. Es ist davon auszugehen, dass der Bundesrat der Branche aufgrund der befürchteten wirtschaftlichen Verschlechterung in einigen Punkten entgegenkommen wird. Auf der Strecke bleiben die Prämienzahler, die wohl auch im nächsten Jahr wieder tiefer in die Tasche greifen müssen.

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