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STATISTIK: Armut nimmt leicht zu

Die Armutsquote der Schweizer Bevölkerung in Privathaushalten ist seit 2014 von 6,7 auf 7,5 Prozent gewachsen. Die Caritas fordert die Politik auf, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.
Federico Gagliano
Armutgefährdungsquote. Quelle: Eurostat (Bild: Grafik: mlu)

Armutgefährdungsquote. Quelle: Eurostat (Bild: Grafik: mlu)

Federico Gagliano

Rund 615000 Personen litten 2016 in der Schweiz unter Einkommensarmut, davon waren 140000 Erwerbstätige. Für die meisten ist diese Erfahrung dabei von kurzer Dauer. Rund 1 Prozent der Bevölkerung befindet sich aber dauerhaft in Armut. Als besonders arm gelten Personen, die alleine oder in Einelternhaus­halten mit minderjährigen Kindern leben, Personen ohne nachobligatorische Ausbildung oder Personen in Haushalten ohne Erwerbstätige. Dies geht aus einer Erhebung des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor.

Das BFS publiziert seit einigen Jahren regelmässig Informationen zur Armut in der Schweiz. Die verwendete Armutsgrenze leitet sich von den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos) ab. Sie setzt sich zusammen aus dem Grundbedarf für den Lebensunterhalt, den individuellen Wohnkosten sowie monatlich 100 Franken pro Person ab 16 Jahren im Haushalt für weitere Auslagen. 2016 betrug sie durchschnittlich 2247 Franken pro Monat für eine Einzelperson und 3981 Franken für zwei Erwachsene mit zwei Kindern.

Laut BFS waren 2016 7,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung von Einkommensarmut betroffen, 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr. 2014 lag der Wert noch bei 6,7 Prozent. Die Tendenz liege aber innerhalb des statistischen Schwankungsbereichs, heisst es beim BFS.

Zum ersten Mal Dauer untersucht

Zum ersten Mal haben die Statistiker des Bundes mit einer über vier Jahre dauernden Erhebung zusätzlich untersucht, wie lange einzelne Personen von Armut betroffen sind. Gut jede achte Person (12,3 Prozent) wurde zwischen 2013 und 2016 in mindestens einem Jahr als arm bewertet. Das sind deutlich mehr Personen, als die jährlichen Armutsquoten aufzeigen.

Die meisten befanden sich aber schon nach kurzer Zeit wieder oberhalb der Armutsgrenze: 7,7 Prozent der Bevölkerung waren in genau einem der vier Jahre armutsbetroffen, 2,5 Prozent in zwei Jahren, 1,2 Prozent in drei Jahren und 0,9 Prozent in allen vier Jahren. Somit gehört die Schweiz im europäischen Vergleich zu den Ländern mit dem tiefsten Anteil von Langzeitgefährdeten. 2016 lag die Armutsgefährdungsquote in der Schweiz mit 14,7 Prozent weiterhin unter dem Durchschnitt der Europäischen Union von 17,3 Prozent.

Erwerbstätige in der Schweiz sind im europäischen Vergleich ebenfalls weniger gefährdet (siehe Grafik). Mit einer Armutsgefährdungsquote von 7,3 Prozent liegt die Schweiz vor Deutschland (9,5 Prozent), Italien (11,7 Prozent) und knapp vor Frankreich (7,9 Prozent).

Hilfsorganisationen fordern wirksame Politik

Während das BFS die Zunahme als normal abstempelt, sehen Hilfswerke Handlungsbedarf. Die Caritas fordert in einer Stellungnahme Bund, Kantone und Gemeinden auf, dieser Entwicklung eine wirksame landesweite Armutspolitik entgegenzusetzen. Die aktuellen Abbaumassnahmen würden das Armutsproblem weiter verschärfen, heisst es weiter.

Auch die Organisation Schweizer Tafel warnte gestern davor, Armut als Randphänomen zu betrachten. Politiker sollen sich «bei allen Diskussionen um Sparmassnahmen» an ihre Verantwortung erinnern.

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