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STATISTIK: Gemischte Ehen scheitern schneller

Das Scheidungsrisiko ist bei Ehen zwischen Schweizern und Migranten grösser als bei Menschen mit gleicher Herkunft. Besonders gross ist die Problematik bei Muslimen.
Aleksandra Mladenovic
Wie lange das Eheglück anhält, liegt auch an der Herkunft der Eheleute. (Bild: Getty)

Wie lange das Eheglück anhält, liegt auch an der Herkunft der Eheleute. (Bild: Getty)

Aleksandra Mladenovic

Sie haben geheiratet und wunderschöne Jahre miteinander verbracht. Haben Kinder bekommen, sind älter geworden. Inzwischen sind 20 Jahre vergangen, die Kinder sind ausgezogen, und das Paar ist als solches noch immer glücklich.

Das Eintreten dieses romantischen Szenarios ist nicht für alle Ehepaare gleich wahrscheinlich. Zumindest, wenn man den Forschungsergebnissen von Gina Potarca, Postdoktoratsforscherin, und Laura Bernardi, Professorin an der Universität Lausanne, Glauben schenkt. Sie haben die Daten aus der Erhebung zu Familien und Generationen des Bundesamtes für Statistik ausgewertet und kommen zum Schluss: Bei Ehen zwischen Personen unterschiedlicher Herkunft besteht ein grösseres Risiko für eine Scheidung als bei Ehen zwischen Personen derselben Herkunft. Bei einer Ehe zwischen zwei gebürtigen Schweizern liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sie nach 20 Jahren immer noch verheiratet sind, bei rund 82 Prozent. Bei einer Mischehe mit einem Migranten, einer Migrantin liegt diese Wahrscheinlichkeit nur noch bei etwas mehr als 75 Prozent (siehe Grafik), wie die im BFS-Newsletter «Demos» publizierten Ergebnisse zeigen.

Schweiz und Balkan nicht kompatibel

Besonders auffällig: Die Ehe zwischen einem gebürtigen Schweizer, einer gebürtigen Schweizerin und einer Person vom Balkan oder aus der Türkei ist gemäss den Berechnungen der beiden Forscherinnen am instabilsten. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Ehe nach 20 Jahren noch Bestand hat, liegt bei gerade einmal 28 Prozent. «Die kulturellen Unterschiede, aber auch die Inkompatibilität der Lebensstile ist bei diesen Paaren grösser als bei einer Ehe zwischen Schweizern und Personen aus Südeuropa oder Westeuropa», interpretiert Studienautorin Potarca.

Dies auch, weil ein grosser Teil der vom Balkan stammenden Personen muslimisch sei. «Oft kommen bei diesen Personen viel stärkere kulturelle Normen zum Tragen», führt Potarca weiter aus. Der Druck, den die Familien auf die Paare ausübten, sei bei solchen Ehen viel stärker, wie mehrere Studien gezeigt hätten. Das Stigma interreligiöser Paare sei derart stark, dass der Druck auch mit der Zeit nicht abnehme.

Hinzukomme, dass Personen aus Ex-Jugoslawien und der Türkei in der Schweiz eine stärkere Diskriminierung erfahren würden als etwa Italiener, Portugiesen oder Deutsche. «Das gilt zum Beispiel bei der Stellensuche, wie Studien gezeigt haben. Diese Personengruppe ist wirtschaftlich gesehen weniger gut integriert als Menschen aus Süd- und Westeuropa», sagt Potarca. «Der Stress, der sich daraus ergibt, überträgt sich oft auch auf die Ehe und verursacht zusätzliche Probleme.»

Die Forschungen haben weiter ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person mit Migrationshintergrund einen gebürtigen Schweizer heiratet, in den letzten Jahrzehnten stetig abgenommen hat. Als Beispiel: Bei einer Person mit Migrationshintergrund, die in den 1940er-Jahren geboren wurde, liegt die Wahrscheinlichkeit, im Alter von 45 Jahren mit einem gebürtigen Schweizer verheiratet zu sein oder gewesen zu sein, bei knapp 30 Prozent. Bei einer in den 1970er-Jahren geborenen Person mit Migrationshintergrund liegt diese Wahrscheinlichkeit nur noch bei zirka 17 Prozent. «Gleichzeitig hat aber die Wahrscheinlichkeit für einen gebürtigen Schweizer, eine Person mit Migrationshintergrund zu heiraten, zugenommen», so Potarca.

Migranten nutzen Online-Dating

Sie führt dies auf die Zuwanderung und das Wachstum der Migrationsbevölkerung zurück: Laut Bundesamt für Statistik lag der Anteil der ständigen Wohnbevölkerung mit Migrationshintergrund 2014 bei über 33,3 Prozent. «Das sorgt für eine grössere Auswahl an möglichen Ehepartnern aus verschiedenen Ländern», erklärt Potarca. Das Wachstum der Migrationsbevölkerung biete gleichzeitig aber auch Migranten einen grösseren Pool mit mehr Möglichkeiten, einen Partner mit derselben Herkunft zu finden. Hierbei spiele auch die zunehmende Beliebtheit von Online-Dating-Plattformen eine Rolle, so Potarca: «Eine Studie, die letztes Jahr publiziert wurde, zeigt, dass ethnische Minderheiten auf solchen Plattformen übervertreten sind. So können sie noch einfacher jemanden mit gleicher Herkunft kennen lernen.»

Hinweis

Als «gebürtige Schweizerinnen und Schweizer» gelten Personen, die zum Zeitpunkt der Geburt Schweizer Staatsangehörige waren und min­destens einen in der Schweiz geborenen Elternteil haben. Als Migranten gelten Personen, deren Eltern beide im Ausland geboren wurden. Das BFS hat 13 033 Personen befragt, davon 8686 gebürtige Schweizer und 4347 Migranten.

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