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STATISTIK: Meistens trifft es die Schnellfahrer

Im letzten Jahr wurden in der Schweiz gut 58 000 Urteile gegen Verkehrssünder gefällt. Immer häufiger verstossen auch Frauen gegen Verkehrsregeln.
Kari Kälin
Symbolbild Keystone/Jean-Christophe Bott

Symbolbild Keystone/Jean-Christophe Bott

Kari Kälin

Er hatte Alkohol im Blut und bretterte mit 124 km/h durch das Dorf Siebnen SZ, nicht weniger als 74 km/h zu schnell. Im letzten September stoppte die Schwyzer Kantonspolizei den Strassenrowdy. Im März hatte es auch ein Autofahrer eilig, als er durch das Dorf Mosen in Richtung Hochdorf fuhr. Ein Radarmessgerät registrierte 103 km/h, und das innerorts. Die Luzerner Polizei entzog ihm den Führerausweis.

283 Raser verurteilt

Solche Tempoexzesse sorgen regelmässig für Schlagzeilen – und haben ein juristisches Nachspiel. Seit Anfang 2013 gilt jemand, der zum Beispiel in der 50er-Zone mehr als 50 km/h oder auf der Autobahn mit mehr als 80 km/h zu schnell unterwegs ist, als Raser. Im letzten Jahr wurden 283 Raser verurteilt. Die geht aus einer Statistik zu Strafurteilen hervor, die das Bundesamt für Statistik (BFS) gestern präsentierte. Verurteilten Tempobolzern drohen bis zu vier Jahre Haft.

Weitaus am meisten Verkehrssünder (24 156) wurden aber nicht wegen des Tatbestandes Raserei, sondern wegen «grober Verletzungen der Verkehrsregeln» verurteilt. Eine grobe Verletzung liegt etwa dann vor, wenn ein Autofahrer eine doppelte Sicherheitslinie überfährt, ein riskantes Überholmanöver startet und dabei Menschen gefährdet. Am häufigsten sind grobe Verletzungen aber nichts anderes als zu schnelles Fahren. Wer zum Beispiel mit 75 km/h durch die 50er-Zone fährt, fällt in diese Kategorie. Insgesamt registrierte das BFS im letzten Jahr knapp 58 300 Urteile gegen Verkehrssünder. Das sind 6 Prozent mehr als im Vorjahr und damit so viele wie noch nie. Nach zu schnellem Fahren ist Alkoholkonsum der zweithäufigste Grund für eine Verurteilung.

Rückgang bei jungen Lenkern

Die Statistik bringt einige interessante Fakten zu Tage: Bei den Frauen stieg die Zahl der Verurteilungen (plus 13 Prozent) stärker an als bei den Männern. Insgesamt stellen sie mit 16 Prozent (9100 Verurteilungen) eine Minderheit dar. Leicht zurückgegangen ist die Anzahl der Straftaten im Bereich des Strassenverkehrsgesetzes bei den 18- bis 30-Jährigen.

Wie sind diese vielen Zahlen zu deuten? Geht es auf den hiesigen Strassen immer rüpelhafter zu und her? Die Unfallstatistik legt eher das Gegenteil nahe. Im letzten Jahr starben auf Schweizer Strassen 243 Menschen – 26 weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der Schwerverletzten sank.

Uwe Ewert ist Verkehrspsychologe bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). Er vermutet, dass die Polizeien ihr Augenmerk auch im letzten Jahr vermehrt auf den Strassenverkehr gerichtet haben und deshalb mehr Verkehrsregelbrecher bestraft wurden. Auf jeden Fall seien bereits 2013 im Vergleich zum Vorjahr die Kontrollen intensiviert worden, weiss Ewert. Häufig wurden dabei Schnellfahrer oder Raser von Blitzkästen identifiziert. Ewert begrüsst die ausgedehnte Kontrolltätigkeit. «Wenn man damit rechnen muss, erwischt zu werden, dann entfaltet dies eine präventive Wirkung», sagt er.

Führerausweis auf Probe

Doch weshalb werden auch immer mehr Frauen erwischt? Ewert hat eine simple Erklärung. Erstens habe es mehr Frauen im Strassenverkehr, und zweitens würden sie auch längere Strecken zurücklegen. Dass sie ihren generellen Fahrstil geändert hätten, scheint eher unwahrscheinlich. Raser und Verursacher von schweren Unfällen sind in den allermeisten Fällen immer noch die Männer.

Den Rückgang der Verurteilungen junger Autofahrer führt Ewert auf Verschärfungen im Strassenverkehrsgesetz zurück. Neulenker erhalten den Führerausweis zunächst nur drei Jahre auf Probe. Wer sich auf der Strasse völlig danebenbenimmt, riskiert nicht nur Ausweisentzug und Busse, sondern auch das Wiederholen der Fahrprüfung.

Verstärkte Repression

Martin Killias ist ständiger Gastprofessor für Kriminologie an der Universität St. Gallen. Er interpretiert den Höchststand bei den Verurteilungen von Verkehrssündern als Zeichen einer verstärkten Repression. «Man hat die Schrauben angezogen», sagt Killias. Eine «grobe Verletzung der Verkehrsregeln» liege heute schneller vor als früher.

Vom Rückgang bei den Verurteilungen jüngerer Autofahrer zeigt sich Killias nicht überrascht. «Es gibt schlicht und einfach weniger Jugendliche als noch vor ein paar Jahren», sagt er. Ausserdem mehren sich die Nachrichten, dass sich heute viele bei ihrem 18. Geburtstag gar nicht mehr schnurstracks mit einem «L» am Heck hinters Steuer setzen wollen, sondern ganz auf die Prüfung verzichten – wohl auch wegen des besser ausgebauten öffentlichen Verkehrs.

Bild: Grafik Oliver Marx / Neue LZ

Bild: Grafik Oliver Marx / Neue LZ

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