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STEUERAFFÄRE: Jetzt spricht Alexander Studhalter: «Man will meine Reputation schädigen»

Alexander Studhalter ist nach der siebenwöchigen Untersuchungshaft wieder in Luzern. Im Interview nimmt der Investor erstmals im Detail zu den Vorwürfen der französischen Justiz Stellung.
Balz Bruppacher
Investor Alexander Studhalter beim Interview am vergangenen Freitag in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli)

Investor Alexander Studhalter beim Interview am vergangenen Freitag in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli)

Interview: Balz Bruppacher

Alexander Studhalter, wie kommt es, dass wir dieses Interview in Ihrem Büro in Luzern führen? Hat die französische Justiz Ihre Haftentlassung nicht mit der Auflage verbunden, dass Sie Frankreich nicht verlassen?

Grundsätzlich halte ich mich im Raum Nizza auf. Aber der Untersuchungsrichter hat mir erlaubt, normal zu reisen. Bedingung ist, dass ich allen potenziellen Vorladungen Folge leiste und mich einmal wöchentlich bei den Behörden in Südfrankreich melde, was ich selbstverständlich tun werde.

Heisst das, Sie haben Ihre normale Geschäftstätigkeit hier in Luzern wieder aufgenommen?

Genau, ich bin seit letztem Donnerstag in Luzern und werde aber am Montag wieder nach Südfrankreich reisen.

Wie erklären Sie sich die siebenwöchige Untersuchungshaft, nachdem das Verfahren schon vor mehr als drei Jahren eröffnet worden war?

Es handelt sich aus meiner Sicht um eine Art Beugehaft. Es gab keine Rechtsgrundlage, mich in Untersuchungshaft zu setzen. Die Justiz versuchte damit, Bewegung in ein Verfahren zu bringen, das von Beginn an sehr willkürlich war. Ziel ist es insbesondere auch, den Fall so darzustellen, dass er den französischen Steuerbehörden hilft. Nachdem über 20 Steuerprüfungen in den letzten Jahren zu keinen Beanstandungen führten, versucht man nun, mit unzulässigen Mitteln den Hunger der Steuerbehörden zu befriedigen. Die Untersuchungshaft erfolgte ohne rechtliche Grundlage, wie meine Anwälte nachweisen konnten.

Sind die Untersuchungsbehörden auf neue Verdachtsmomente gestossen? Was war der Anlass, Sie am 12. Januar zu inhaftieren?

Nein, seit Beginn des Verfahrens werden die gleichen falschen Anschuldigungen erhoben. Die Untersuchungshaft wurde für mich völlig überraschend angeordnet, weil ich von meinem Recht Gebrauch machte, mich nicht zu Unterlagen zu äussern, die bei mir widerrechtlich beschlagnahmt worden waren. Neu ist aber die Aussage der französischen Justiz gegenüber den Medien, dass es sich um eine Affäre Kerimow handle. Dieser Kurswechsel ist ein weiteres Indiz, dass das Verfahren mit fragwürdigen Mitteln geführt wird.

Geht es nach wie vor um den Vorwurf, Sie seien als Strohmann für den russischen Oligarchen Suleiman Kerimow tätig gewesen und hätten sich so der Beihilfe zum Steuerbetrug und zur Geldwäscherei schuldig gemacht?

Es geht um zwei getrennte Fragen: Einerseits um den Kauf der Villa Hier auf Cap d’Antibes, bei dem die Verkäuferschaft die erhaltenen Gelder anscheinend überhaupt nicht versteuerte. Und anderseits um den Vorwurf, nicht ich, sondern mein russischer Geschäftspartner Suleiman Kerimow sei der tatsächliche Käufer von insgesamt vier Villen auf dem gleichen Grundstück gewesen. Im ersten Fall werde ich in einer Art Solidarschuldnerschaft zur Steuerschuld des Verkäufers der Beihilfe zur Steuerhinterziehung beschuldigt. Das ist ein sehr spezieller Vorwurf, da ich ja nicht weiss und auch keine Möglichkeit habe, zu wissen, ob mein Geschäftspartner seine Steuern richtig deklariert und auch bezahlt. Zudem geht es um ein Geschäft von 2008, das mittlerweile verjährt ist.

Und der Vorwurf, Sie seien Kerimows Strohmann?

Das weise ich vollumfänglich zurück. Die Villa wurde über eine 100-prozentige Tochtergesellschaft meiner Swiru Holding gekauft. Die Swiru gehört zu 100 Prozent mir und ist vollständig versteuert. Entsprechende Bestätigungen des Steueramts in Horw liegen vor und sind auch der französischen Justiz bekannt. Für den Vorwurf der Beihilfe zur Geldwäscherei gibt es damit keinerlei Anhaltspunkte. Ich habe auf eigene Rechnung in die Immobilien auf Cap d’Antibes investiert, mit Geld, das ich aus meiner ordentlichen Tätigkeit mit Pri­vate-Equity-Engagements verdient und versteuert habe.

Hat sich Ihr Verhältnis zu Kerimow im Laufe der Untersuchung geändert? Gibt es Handlungen, die Sie im Nachhinein bereuen?

Nein, die französische Justiz hat zwar ein Kontaktverbot erlassen. Aber eine solche Krise trübt unser Verhältnis in keiner Art und Weise. Suleiman Kerimow ist und bleibt ein Freund und Geschäftspartner.

Wird gegen Sie auf dem Rechtshilfeweg auch in der Schweiz ermittelt?

Nein, gegen mich läuft hierzulande kein Verfahren. Frankreich hat im Zusammenhang mit der Verkäuferfamilie der Villa Hier ein Rechtshilfegesuch an die Schweiz gerichtet. Es wird von der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis vollzogen. Dabei haben wir Unterlagen eingereicht und in die formlose Übermittlung an Frankreich eingewilligt. Die französische Justiz hat sich übrigens auf dem Rechtshilfeweg auch an Russland gewandt. Dabei kamen aber keine Elemente zum Vorschein, die mich in irgendeiner Weise belasten würden.

Welche Untersuchungshandlungen stehen an? Welche Rechtsmittel haben Sie ergriffen? Wann rechnen Sie mit Entscheiden der Justiz?

Aktuell geht es um Entscheide über die Villa Hier, die beschlagnahmt wurde. Das Haus ist im jetzigen Zustand unbewohnbar, und die dringend notwendigen Renovationsarbeiten werden verhindert. Hinzu kommen unsere Rekurse vom vergangenen 27. September auf Nichtigkeit des Verfahrens, auf Verjährung und auf Verletzung des Untersuchungsgeheimnisses. Ursprünglich hiess es, das zuständige Gericht in Aix-en-Provence werde diesen Monat über die Beschwerden entscheiden. Jetzt wurde der Termin auf Mai dieses Jahres verschoben.

Belastet das Verfahren Ihre Geschäftsbeziehungen zu Bernhard Burgener, dem Präsidenten des FC Basel?

Das Verfahren hat bisher keinen nachhaltigen Einfluss auf meine Geschäftstätigkeit. Ich stelle mich freiwillig und vorübergehend nicht zur Wahl in die Verwaltungsräte der Gesellschaften im Zusammenhang mit der Investition in die Constantin Media zur Verfügung und enthalte mich auch jeder direkten oder indirekten Einflussnahme. Im Übrigen gehe ich wieder meinen gewohnten Aktivitäten nach. Aus Frankreich werde ich mich aber, wenn möglich, zurückziehen und nie mehr in diesem Land investieren. Die Rahmenbedingungen sind äusserst unternehmerfeindlich, und es fehlt an der Rechtssicherheit. Das wird sich unter dem neuen Präsidenten kaum ändern.

Der Volksmund sagt, wo Rauch ist, ist auch Feuer. Was sagen Sie, wenn Sie jemand als Wirtschaftskriminellen hinstellt?

Die Rauchpetarden kommen aus dem französischen Gerichtsgebäude. Ich bin Investor, und ich habe mein ordentlich verdientes Geld in Frankreich investiert. Mit Indiskretionen an die französischen Medien versucht man, meine Reputation zu schädigen. Dagegen hilft nur Transparenz. Wir haben alle wesentlichen ­Dokumente offengelegt. Meine Unternehmen haben alle Steuerkontrollen in den letzten Jahren ohne Beanstandung durchlaufen. Ich werde das direkt mit den Steuerbehörden aufnehmen und mit diesen eine Lösung finden.

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