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Nach ruhigem 1. August: Tierschutz und Politik wollen laute Feuerwerkskörper verbieten

Die ausserordentliche Trockenheit hat der Schweiz den ruhigsten Nationalfeiertag seit Menschengedenken beschert. Das freut Tierbesitzer und Tierschützer – und weckt Politikergelüste.
Eva Novak
Nicht alle freuen sich über Feuerwerk zum Nationalfeiertag. (Georgios Kefalas/Keystone)

Nicht alle freuen sich über Feuerwerk zum Nationalfeiertag. (Georgios Kefalas/Keystone)

«So schön haben wir’s an einem 1. August noch gar nie gehabt», schwärmt Doris Studer vom Hundeheim der Ostschweizer Tierhilfe in Romanshorn. Weil das Geknall und Geheul fehlte, das sonst jeden Nationalfeiertag begleitet, konnte nicht mal das heftige Gewitter, das sich über dem Bodensee entlud, die Hunde ernsthaft beunruhigen. Gleiches gilt für Katzen, Vögel, Pferde – nicht nur im Thurgau, sondern fast überall in der Schweiz.

Für die Tiere ist es eine Entlastung, dass in den meisten Kantonen wegen der anhaltenden Trockenheit keine Raketen, Knaller oder Böller abgeschossen werden durften und in den restlichen Gebieten Einschränkungen galten. Feuerwerk ist für sehr viele Tiere mit Angstzuständen und Panik verbunden, sagt Martina Schybli. Sie leitet die Sektion Heimtiere beim Schweizer Tierschutz (STS) und weiss, dass Haustiere ebenso wie Wildtiere nicht nur auf anhaltende Knallerei empfindlich reagieren, sondern auch auf Lichteffekte am Himmel. «Sie können das nicht einordnen und geraten in Stress», erläutert die Tierärztin.

Dauerstress über Tage ist diesmal weggefallen

Mit einem Gewitter sei das nicht zu vergleichen, weil dieses keine Heulgeräusche und Speziallichteffekte wie einige Raketen verursache. Vor allem aber komme das Gewitter jeweils nur aus einer Richtung und daure in der Regel nur kurz. Feuerwerk hingegen komme von überall und daure den ganzen Tag lang – und meist noch Nächte davor und danach. Demnach hat die diesjährige Trockenheit der Tierwelt in Häusern, Wäldern und auf Feldern den ­ruhigsten Nationalfeiertag seit Jahrzehnten beschert. Denn auch dort, wo es erlaubt gewesen wäre, wurde offenbar weniger Feuerwerk abgebrannt als sonst. Weil die Grossverteiler weitgehend auf den Verkauf von Raketen, Vulkanen und ähnlichem verzichteten, konzentrierte sich die Knallerei verstärkt auf den eigentlichen Feiertagsabend, davor und danach herrschte mehr oder weniger Ruhe – zur Freude all jener, die für Tiere sorgen müssen. Im Natur- und Tierpark Goldau zum Beispiel treffen die Tierpfleger am Morgen des 2. August jeweils verängstigte Schützlinge an, denen die nächtliche Aufregung noch so in den Knochen steckt, dass sie nicht mal richtig zu fressen wagen.

Nicht so in diesem Jahr. Da war es ein Morgen wie jeder andere, die Tiere fielen mit Appetit über ihr Frühstück her. Was Tierärztin Sarah Isler freut: «Für die Tiere ist ein Riesenstressfaktor weggefallen – zum Glück, denn sie sind wegen der Hitze schon gestresst genug.» STS-Heimtierverantwortliche Schybli fände es ebenfalls schön, wenn der Nationalfeiertag künftig auch ohne Trockenheit ruhiger verliefe.

Dabei könnte die diesjährige Erfahrung mithelfen, vermutet Margret Kiener Nellen. Die Berner SP-Nationalrätin, die regelmässig Zuschriften von lärmgeplagten Bürgern erhält, hatte sich vor Jahren per Vorstoss nach Möglichkeiten erkundigt, die Feuerwerksimmissionen einzuschränken, da diese am Bundesfeiertag regelmässig Schäden an Mensch, Tier und Gebäuden verursachten. Das Sprengstoffgesetz biete bereits die nötige Handhabe, beschied ihr der Bundesrat. Es liege an den Kantonen, von ihrer Kompetenz Gebrauch zu machen.

Dieser Moment ist für Kiener Nellen schon lange gekommen. Es gebe Knaller, die einfach zu laut seien, kritisiert sie. «Wenn die losgehen, erschrecken Bébés, alte Menschen und Tiere.» Solche Feuerwerkskörper müssten verboten werden. Da bestehe klar Handlungsbedarf, sagt die Berner Nationalrätin, kündigt einen weiteren Vorstoss an und hofft, dass die diesjährige Erfahrung einer ruhigen Bundesfeier dazu beitragen könnte, diesen mehrheitsfähig zu machen.

Reh, Schwan und Eichhörnchen sagen Danke

Hinweise dafür gibt es in den sozialen Netzwerken durchaus. So haben einige Naturfreunde und Haustierbesitzer Mitte Juli auf Facebook eine Gruppe «Feiern ohne Feuerwerk» gebildet, welche nicht auf Verbote setzt, sondern auf Aufklärung. «Wir möchten mit positiven Botschaften um freiwillige Rücksichtnahme bitten, da wir davon ausgehen, dass vielen Menschen nicht bewusst ist, dass Haus- und Wildtiere unter Feuerwerk leiden», sagt Tanja Dietrich, die das Projekt neben ihrer Tätigkeit als Sprecherin des Zoos Basel kommunikativ betreut. Das nicht ohne Erfolg: Innerhalb von zwei Wochen hat die Gruppe laut Dietrich auf Facebook mehr als 1000 Fans gewonnen und rund 400 000 Menschen erreicht. Seit ein paar Tagen ist eine Webseite aufgeschaltet, auf der Reh, Schwan und Eichhörnchen um freiwilligen Verzicht auf Feuerwerk bitten – und sich dafür artig bedanken.

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