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Strafe für den Pyro-Werfer: Nulltoleranz-Linie

Chefredaktor Jérôme Martinu über das Urteil gegen den Pyro-Werfer und die Nulltoleranz-Linie in solchen Fällen.
Jérôme Martinu, Chefredaktor
Jérôme Martinu

Jérôme Martinu

Mehrfache Gefährdung durch Sprengstoff: Das Urteil im ersten Bundesstrafgerichtsfall zu Fussballfan-Gewalt ist gefällt. Die Richter in Bellinzona haben einen 24-Jährigen, der 2016 in der Luzerner Swisspor-Arena Böller und Rauch­petarden aufs Spielfeld geworfen hatte, zu 36 Monaten Gefängnis verurteilt, 18 Monate davon unbedingt. Die Überführung des Täters mit Videobildern aus den FCL-Stadionkameras hat hier vorbildlich geklappt. Ob das Urteil juristisch stabil ist, wird sich zeigen. Die auf Freispruch plädierende Verteidigung zieht das Urteil wohl nach Lausanne weiter. Ein Unschuldslamm ist der Ostschweizer kaum, gegen ihn läuft auch ein Verfahren in St. Gallen. Tragisch: Auf dem Buckel des dauerhaft hörgeschädigten Zuschauers trägt die Anwältin des Böllerwerfers einen Teil ihrer Verteidigungsstrategie aus. Sie feilscht um die Prozentpunkte der Schädigung des Hörvermögens des Familienvaters durch den Knallkörper.

Die Nulltoleranz-Linie seitens der Strafverfolgung ist in solchen Fällen die einzig richtige. Wer Feuerwerk als harmlosen, unverzichtbaren Teil der Fankultur propagiert, hat leider immer noch nicht begriffen, dass dies schlicht und einfach Quatsch ist. Verbotene Feuerwerksaktionen in den Sportstadien schaden nicht nur den Klubs, sondern – Beispiele gibt es genug – gefährden auch Unbeteiligte! Die nun in den Fankurven aufflammenden Solidaritätsbekundungen mit dem Täter sind fehl am Platz. Es kommt nicht von ungefähr, dass der grösste Teil an Feuerwerkskörpern unter die Sprengstoffverordnung des Bundes fällt und das Abbrennen ohne Bewilligung verboten ist. Respekt verdienen darum all diejenigen Kurvensupporter, die ihren Klub enthusiastisch begleiten, sich aber entschieden von hirnlosen Bölleraktionen distanzieren.

Jérôme Martinu, Chefredaktor

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch

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